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29.04.2015

12:27 Uhr

Hinrichtung von Drogenschmugglern

Indonesien unbeeindruckt von Sanktionsdrohungen

Boykottaufrufe und Strafsanktionen: Australien und viele andere Staaten reagieren empört auf die Hinrichtung von acht Drogenschmugglern in Indonesien. Die dortige Regierung ficht das nicht an. Sie droht sogar zurück.

Internationale Proteste

Indonesien richtet ausländische Drogenhändler hin

Internationale Proteste: Indonesien richtet ausländische Drogenhändler hin

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JakartaNach der weltweit umstrittenen Hinrichtung von acht Drogenschmugglern zeigt Indonesien sich unbeeindruckt von möglichen Handelssanktionen oder Boykottaufrufen. Australien kündigte an, seinen Botschafter zu Konsultationen zurückzurufen und hatte vorher Konsequenzen angedroht, ohne Einzelheiten zu nennen. „Wir importieren mehr von Australien als umgekehrt. Wenn der Handel eingefroren wird, leiden die Australier stärker“, meinte Vizepräsident Jusuf Kalla am Mittwoch nach Angaben der Zeitung „Jakarta Post“.

Unter den Hingerichteten waren zwei Australier, Myuran Sukumaran und Andrew Chan, ein Brasilianer, ein Indonesier und vier Nigerianer. Sie wurden um kurz nach Mitternacht vor ein Erschießungskommando gestellt. Canberra hat seit Wochen scharf gegen die Urteile protestiert. Die Männer hätten Reue gezeigt und sich im Gefängnis völlig gewandelt. Indonesien beharrt darauf, dass die Geißel des Drogenkonsums nur mit abschreckenden Strafen bekämpft werden kann.

Fakten zu Todesurteilen und Hinrichtungen

Positiver Trend

Die Welt wendet sich weiterhin von der Todesstrafe ab: 2014 richteten 22 Staaten Menschen hin., 1995, vor zwei Jahrzehnten, waren es noch 41.

Madagaskar schafft Todesstrafe ab

Madagaskar verabschiedete 2014 einen Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe. 2014 wurde sie nicht angewendet.

22 Staaten

22 Staaten richteten 2014 insgesamt (China und Nordkorea ausgenommen) mindestens 607 Menschen hin.

Fünf Länder an der Spitze

Die fünf Top-Henkerstaaten sind China, der Irak, der Iran, Saudi-Arabien und die USA.

Wiederaufnahme der Todesstrafe

Sieben Staaten nahmen Hinrichtungen wieder auf: Ägypten, Äquatorialguinea, Belarus, Jordanien, Pakistan, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate.

55 Länder fällen Todesurteile

55 Länder (ohne China) verhängten 2014 mindestens 2446 Todesurteile, 28 Prozent mehr als im Vorjahr.

Massentodesurteile

Ägypten und Nigeria verurteilten hunderte von Menschen zum Tode. Einige Gerichte verhängten Massentodesurteile.

Minderjährige Opfer

Der Iran richtet mindestens 14 zur Tatzeit minderjährige Straftäter hin. Ägypten, Iran und Sri Lanka verurteilten unter 18-Jährige zum Tode.

Motiv Terrorismus

Eine alarmierende Zahl von Staaten reagierte 2014 auf tatsächliche oder wahrgenommene Bedrohungen der staatlichen und öffentlichen Sicherheit mit der Todesstrafe. China, Irak, Iran und Pakistan richteten Personen wegen „Terrorismus“ hin.

Methoden der Hinrichtungen

In Saudi-Arabien wurde enthauptet; in Afghanistan, Ägypten, Bangladesch, im Irak, im Iran, in Japan, Jordanien, Malaysia, Pakistan, Palästina, Singapur und im Iran wurde gehängt; in China, den USA und in Vietnam wurde Gift injiziert; und in Äquatorialguinea, Belarus, China, im Jemen, in Nordkorea, Palästina, Saudi-Arabien, Somalia, Taiwan und in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird außerdem erschossen.

Die Hinrichtung einer 30-jährigen Philippinerin wurde in letzter Minute ausgesetzt. Stunden vorher hatte sich auf den Philippinen eine Frau der Polizei gestellt, die die 30-jährige Mutter von zwei Kindern ohne ihr Wissen als Drogenkurierin ausgenutzt haben soll. Die Philippinerin soll nun in einem Prozess gegen diese Frau aussagend dürfen. Die Todesstrafe gegen sie wurde nicht aufgehoben.

In Australien war die Empörung groß. In sozialen Netzwerken kursierten Boykottaufrufe unter dem Hashtag #BoycottIndonesia oder #Boycottbali. Die Ferieninsel Bali ist fest in australischer Hand, vergleichbar mit dem Verhältnis Deutschlands zu Mallorca.

Regierungschef Tony Abbott warnte aber vor solchen Maßnahmen. Die Beziehungen zu Indonesien seien wichtig: „Wir müssen sicherstellen, dass unser Ärger eine schlimme Situation nicht noch schlimmer macht.“ Er sprach von „grausamen und unnötigen Hinrichtungen“.

„Es ist äußerst bedauerlich und äußerst traurig, dass diesen Menschen des Leben genommen wurde“, erklärte Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, im Namen seines Chefs in Genf. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die Vollstreckung als „sinnlosen, tragischen und verheerenden vom Staat sanktionierten Mord“.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Joachim Sels

29.04.2015, 12:38 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr richard roehl

29.04.2015, 12:46 Uhr

Die USA gehören da aber doch hoffentlich nicht dazu. Und solange das so ist, kann Indonesien auch völlig unbeeindruckt bleiben

Herr Edmund Stoiber

29.04.2015, 13:52 Uhr

Dogmatik ist das Problem,

.... beidseitig der jeweiligen Wahrnehmung!

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