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21.01.2006

14:41 Uhr

Hintergrund

Das Armenhaus Europas

Die südserbische Provinz Kosovo, die an Albanien, Montenegro und Mazedonien grenzt, ist mit knapp 11 000 Quadratkilometern etwa so groß wie Niederbayern. Kosovo bedeutet Armenhaus, Unruheherd und Organisiserte Kriminalität.

HB PRISTINA. Von den gut zwei Millionen Einwohnern sind 95 Prozent Albaner. Die einst starke serbische Minderheit zählt nur noch 100 000 Menschen. Die Bevölkerung ist im europäischen Vergleich äußerst jung. Jeder Zweite ist unter 20 Jahre alt.

Obwohl die Region reich an Rohstoffen ist (Braunkohle, Zink, Blei), liegt die Wirtschaft seit Jahrzehnten danieder. Der ordnungspolitische Rahmen fehlt völlig, so dass Korruption und Vetternwirtschaft allgegenwärtig sind. In einigen Landesteilen erreicht die Arbeitslosigkeit mehr als 80 Prozent. Ausländische Investitionen bleiben wegen der unsicheren Lage aus.

Wegen der wirtschaftlichen Ausweglosigkeit verdienen Hunderttausende Kosovo-Albaner im westlichen Ausland den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu Hause. Dort ist die traditionelle Familien- und Clanstruktur noch weitgehend intakt, so dass die Einkünfte der gesamten Großfamilie vom Oberhaupt geplant und gesteuert werden.

Die Wirtschaftsmisere treibt viele junge Leute in die ausufernde Organisierte Kriminalität. Kosovo ist ein Dreh- und Angelpunkt für Menschenschmuggel, Zwangsprostitution sowie Waffen- und Drogenhandel. Seit dem blutigen Bürgerkrieg 1999 und den folgenden NATO- Luftangriffen auf Jugoslawien wird die Provinz von den Vereinten Nationen verwaltet. In Kürze sollen Verhandlungen über die staatliche Zukunft Kosovos beginnen. Die Albaner fordern die Unabhängigkeit von Serbien-Montenegro, Belgrad will nur Autonomie zugestehen.

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