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23.01.2007

10:26 Uhr

Hisbollah-Protest

Brennende Barrikaden und Flugchaos im Libanon

Neue Unruhen im Libanon: Nach Beginn eines Generalstreiks in dem Land ist die Situation angespannt. Tausende pro-syrische Demonstranten haben wichtige Straßenverbindungen mit brennenden Reifen blockiert. Menschen wurden durch Schießereien verletzt. Mehrere Fluggesellschaften setzten ihre Flüge nach Beirut aus, darunter auch deutsche Airlines.

HB BEIRUT. „Diese Regierung versteht nur die Sprache der Gewalt. Die Lektion, die wir ihr heute erteilen, ist lediglich eine kleine“, sagte der Demonstrant Dschamil Wahb. Die Oppositionsgruppen, unter ihnen die radikal-islamische Hisbollah, haben zu dem Generalstreik aufgerufen, um ihre seit Wochen anhaltenden Proteste zu verschärfen. Sie verlangen den Rücktritt der pro-westlichen Regierung, die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit und Neuwahlen.

Der Konflikt gefährdet den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg im Sommer, in dessen Folge die Vereinten Nationen ihre Friedenstruppen im Süden aufgestockt haben. Darunter sind auch rund 3000 deutsche Soldaten.

Anhänger der Hisbollah patrouillierten mit vermummten Gesichtern und Funkgeräten in der Stadt. Die meisten Geschäfte und Schulen blieben geschlossen - unklar war zunächst, ob aus Solidarität mit den Forderungen der Opposition oder aus Sicherheitsgründen. In der Stadt Byblos schoss ein Bewaffneter Einsatzkräften zufolge auf Demonstranten, drei Menschen wurden verwundet. Bei einem ähnlichen Zwischenfall in Batrun wurden zwei Menschen verletzt.

Blockiert wurden auch Autobahnen, die den Norden mit dem Süden des Landes verbinden. Zudem wurde die Schnellstraße in die syrische Hauptstadt Damaskus besetzt. Mehrere Fluggesellschaften setzten ihre Flüge nach Beirut aus. Auch die Deutsche Lufthansa strich ihren einzigen Flug an diesem Tag in die libanesische Hauptstadt. Ein Lufthansa-Sprecher sagte: „Wir waren frühzeitig informiert, dass es auf dem Flughafen Beirut zu Demonstrationen kommen soll.“ Der Flughafen blieb zwar in Betrieb, es kamen jedoch nur wenige Angestellte zur Arbeit. Passagiere konnten nicht abfliegen.

Die Proteste sollten Oppositionskreisen zufolge mehrere Tage dauern. Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah hatte der libanesischen Regierung am Vorabend vorgeworfen, sie wolle das Land in einen Bürgerkrieg führen. Er rief seine Anhänger auf, sich auf weitere Aktionen vorzubereiten.

Die Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora hat die Forderungen der Opposition zurückgewiesen. Siniora wollte am Donnerstag an einer internationalen Geberkonferenz in Paris teilnehmen, auf der Milliarden an Aufbauhilfen für den Libanon zur Verfügung gestellt werden sollten. Behördenvertreter wiesen Spekulationen zurück, der Regierungschef habe das Land bereits vor dem Generalstreik verlassen. „Wir sind alle immer noch hier in Beirut“, sagte ein Mitarbeiter des Ministerpräsidenten.

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