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11.10.2012

08:22 Uhr

Historische Reformen

Die Heilkraft des Euro

VonJan Mallien

Der Druck der gemeinsamen Währung wirkt. Er zwingt die Krisenländer der Eurozone zu historischen Reformen. Auf lange Sicht ist das heilsam. Die Krisenländer stehen besser da als andere Länder, die Reformen verschieben.

Die umgesetzten Reformen brauchen Zeit bis sie ihre Wirkung zeigen.

Die umgesetzten Reformen brauchen Zeit bis sie ihre Wirkung zeigen.

DüsseldorfDer britische Premierminister David Cameron sparte nicht mit guten Ratschlägen an die Euro-Länder. In seiner gestrigen Rede auf dem Parteitag der britischen Konservativen kritisierte er ihre "endlosen" Debatten über eine Rettungsaktion für Griechenland.

Wenn es ein Thema gibt, das bei den Briten ankommt, dann ist es Euro-Bashing. Auf der Insel gehören Lästereien über die Euro-Zone quasi zum Volkssport. Ein Großspender von Camerons Konservativer Partei, Lord David Wolfson, hat sogar einen Wirtschaftspreis für Euro-Kritiker ausgelobt. Der mit 250.00 Pfund (300.000 Euro) dotierte Preis prämiert das beste Konzept zum Ausstieg aus dem Euro.

Derlei Häme über die Euro-Krise könnte jedoch irgendwann auf die Briten zurückfallen. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Finanzmärkte ganz auf die Euro-Krise fokussiert. Dabei geriet fast in Vergessenheit, wie schlecht es eigentlich um Großbritannien selbst bestellt ist. Aus struktureller Sicht haben die Briten ganz ähnliche Probleme wie die Sorgenkinder der Eurozone: Laut IWF-Prognosen schreiben sie 2012 ein höheres Haushaltsdefizit als Spanien (-8,2 vs. -6,9 Prozent des BIP) und machen größere Defizite im Außenhandel (Leistungsbilanzdefizit - 3,3 vs. -1,9 Prozent des BIP).

Auch die britische Gesamtverschuldung lag 2011 deutlich über dem Niveau Spaniens (-81 vs. -69 Prozent des BIP). Beide Länder hatten nach der Finanzkrise mit den Folgen einer Blase im Immobiliensektor zu kämpfen. Beide haben einen schwachen Exportsektor.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Im Gegensatz zu Spanien konnte sich Großbritannien aber stets zu sehr günstigen Konditionen am Markt finanzieren. Dies lag nicht zuletzt am entschlossenen Eingreifen der britischen Notenbank. Was in der Euro-Zone so umstritten ist, praktiziert die britische Notenbank seit langem: Sie kauft in großem Stil Anleihen. Anders als die EZB hatten die Briten nie Skrupel, wenn es um eine so genannte "pragmatische Geldpolitik" ging.

Kommentare (60)

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Account gelöscht!

11.10.2012, 08:33 Uhr

Was soll denn bitte immer diese Propaganda hier? Klar lebt die westliche Welt überall auf der Welt, außer Norwegen und ein paar andere, über ihre Verhältnisse. Heisst das also, dass der Euro langfristig zu Zuständen wie in Griechenland und Spanien führt? ich weiss die antwort eh schon, deswegen vertraue ich auch nicht mehr den Papierwährungen!

Account gelöscht!

11.10.2012, 08:42 Uhr

Und wie sieht die Bonitätseinstufung für Spanien, Irland etc. gegenüber Groß-Britannien aus?

Wer bewerten will, muß unabhängig sein. Wenn mein Nachbar 3 Autos mit seinem Einkommen finanzieren kann, aber ich selbst bei 1 Auto mit einer niedrigeren Bonität (bei gleichen Raten, besserem Einkommen, gleicher Zahlungsmoral) bewertet werde, was ist das?
Wann befreit sich endlich Europa von diesen Machenschaften? Diese Selbststrangulation ist ja schon fast Masochismus, und die Basel III Regularien, die eine USA sowieso nicht mitmacht, und GB auch schon nicht mehr.

Nexus

11.10.2012, 08:56 Uhr

Schröders Reformpolitik wirkt: Immer mehr Erwerbstätige kriegen jetzt noch Geld zum Überleben vom Amt. Das geht aber auch nur alles auf Pump.
Es wird jetzt immer mehr Mode, den Blinden mit dem Einäugigen zu vergleichen. Sieht halt besser aus. Ändert allerdings überhaupt nichts daran, dass durch die weiter wachsende Verschuldung die Systeme gegen die Wand fahren.
Und auch eine Verschuldung innerhalb der Konvergenz-Kriterien ist immer noch eine Verschuldung.
Bestätigen sich die Wirtschaftsprognosen, dann werden wir binnen kürzester Zeit das Zusammenfallen des Kartenhauses sehen. Die veröffentlichten Zahlen sind ohnehin alle manipuliert.

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