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18.06.2014

09:17 Uhr

Historischer Schauplatz

Sarajevo – eine Stadt voller Widersprüche

Die Habsburger legten Sarajevo in Schutt und Asche, in der K.-u.-k.-Monarchie wurde die Stadt wieder aufgebaut und in die Moderne versetzt. Ihr Bild von vor dem Ersten Weltkrieg ist mit dem heute nicht zu vergleichen.

Noch heute bewegt Gavrilo Princip: Ein Graffito in der Innenstadt von Belgrad. dpa

Noch heute bewegt Gavrilo Princip: Ein Graffito in der Innenstadt von Belgrad.

SarajevoUnmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg stand Sarajevo als Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina in Hochblüte. Österreich-Ungarn hatte das Balkanland zwar 1878 besetzt und 1908 annektiert. Doch zwangen die fremden Herren aus Wien die Stadt mit Riesenschritten in die Moderne. Von den gut 50 000 Einwohnern waren 36 Prozent Muslime, 35 Prozent Katholiken, 16 Prozent orthodoxe Serben und 12 Prozent Juden. Und das Wichtigste: Rund ein Drittel der Bevölkerung waren Ausländer.

Die Kaufleute, Offiziere und Beamten brachten einen ganz neuen Stil in die Stadt, erforschte die Historikerin Amila Kasumovic an der Universität Sarajevo. Das galt für die Mode, die Stadtplanung, den Lebensstil sowie den Aufbau von Wirtschaft, Justiz und Verwaltung. Heute leben nach der jüngsten Volkszählung im Vorjahr knapp 300 000 Menschen in Sarajevo, das eine weitgehend muslimische Stadt geworden ist. Dazu hat der Bürgerkrieg (1992-1995) beigetragen, durch den vor allem die Serben die Region verlassen mussten.

Chronologie: Von Sarajevo bis zum Kriegsausbruch

In 37 Tagen bis zum Krieg

Ein regionaler Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien führte zu einem Weltkrieg, der alle Kontinente erfasste. Eine Chronologie vom Attentat in Sarajevo bis zum Kriegsbeginn ...

28. Juni 1914

Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau werden in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo vom Gymnasiasten Gavrilo Princip im Auftrag der serbischen Geheimorganisation «Schwarze Hand» erschossen.

5. Juli

Alexander Graf Hoyos, Mitarbeiter im Außenministerium der Donaumonarchie, reist mit einem Memorandum zur Balkanpolitik und einem Schreiben von Kaiser Franz Joseph nach Berlin. Der Monarch bittet Kaiser Wilhelm II. um Unterstützung im Kriegsfall mit Serbien.

6. Juli

Wilhelm II. versichert Österreich-Ungarn offiziell mit einer «Blankovollmacht» seiner unbedingten Bündnistreue.

20. - 23. Juli

Beim Besuch des französischen Präsidenten Raymond Poincaré in Russland sichern sich beide Staaten Unterstützung im Bündnisfall zu.

23. Juli

Wien stellt ein 48-Stunden-Ultimatum an Serbien. Die gegen Österreich-Ungarn gerichteten Umtriebe sollen unter österreichischer Beteiligung bekämpft und die Schuldigen bestraft werden.

25. Juli

Serbien akzeptiert alle Forderungen, soweit sie nicht seine Souveränität einschränken. Wien hält die Antwort für unbefriedigend, bricht die diplomatischen Beziehungen ab und ordnet Teilmobilmachung an. Da Russland Hilfe zusichert, macht auch Serbien teilmobil.

28. Juli

Englische und deutsche Vermittlungsversuche scheitern. Vorgeschlagen war, eine Botschafterkonferenz einzuberufen und direkte Verhandlungen zwischen Russland und Österreich-Ungarn aufzunehmen. Doch Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.

30. Juli

Zar Nikolaus II. ordnet die Generalmobilmachung an.

1. August

Da Russland das deutsche Ultimatum, die Mobilmachung rückgängig zu machen, verstreichen lässt, erklärt Berlin Russland den Krieg. Zwei Tage später folgt die Kriegserklärung an Frankreich.

4. August

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Luxemburg und Belgien erklärt Großbritannien dem Reich den Krieg.

Der Habsburger Feldherr Prinz Eugen hatte 1697 die Stadt mit ihren mehr als 120 Moscheen in Schutt und Asche gelegt. Nachdem die Österreicher sich dort 1878 endgültig festgesetzt hatten, startete ein rasanter Aufbau. Die Wasserver- und Abwasserentsorgung wurde gelöst. Der durch ständige Überschwemmungen gefürchtete Miljacka-Fluss wurde gebändigt.

Die Straßen wurden mit Gasleuchten erhellt. Das Rathaus erstrahlte in neomaurischem Stil ebenso wie die Katholische Kathedrale. Zahlreiche Villen, Justiz- und Verwaltungsgebäude mit prächtigen Fassenden schmückten das Stadtbild.

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