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27.06.2015

00:25 Uhr

Historisches Gesetz zur Homo-Ehe

Amerika vor der Zerreißprobe

VonAxel Postinett

Es ist ein historisches Urteil: Das oberste Gericht der USA legitimiert die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten - und spaltet damit das Land. Gegner wollen nicht so schnell klein beigeben.

Das oberste US-Gericht hat die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten legitimiert. AFP

Historisches Gesetz

Das oberste US-Gericht hat die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten legitimiert.

San FranciscoAmerika steht vor einer Zerreißprobe wie seit dem Bürgerkrieg von 1861 nicht mehr. In einer historischen Entscheidung bestätigte der oberste Gerichtshof der USA das Recht auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften als zwingend für alle 50 Bundesstaaten und spaltet das Land. Das birgt gravierenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Sprengstoff im Jahr vor der Präsidentenwahl.
Für den amtierenden US-Präsidenten ist es ein historischer Moment. „Es ist ein Sieg für Amerika. Wenn alle Amerikaner gleich behandelt werden, dann sind wir alle ein weniger freier“, zeigte sich Barack Obama am Freitag bei einer Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses zufrieden. Der Supreme Court hat gleichgeschlechtliche Ehen mit heterosexuellen Ehen juristisch gleichgestellt. „Alle Menschen werden gleich behandelt, egal, wer sie sind oder wen sie lieben. Das wird das System aus Flickwerk beenden, das wird heute haben“, so Obama.

Außenminister John Kerry geht noch einen Schritt weiter: „Das Urteil sendet eine klare Botschaft in jeden Winkel des Kontinents: Gesetze, die auf Diskriminierung berufen, werden vor den Gerichten keinen Bestand haben“. Worte an Staaten wie Russland oder Emirate im Mittleren Osten, die wegen gesetzlicher Diskriminierung von Homosexuellen in massiver Kritik stehen.

Aber ist das so einfach? Mächtige Gegner wollen nicht so einfach klein beigeben. Rund 100 evangelische Kirchenführer reagierten umgehend mit einer gemeinsamen Erklärung gegen das Urteil und lehnten es ab. Evangelische Gläubige stellen rund 25 Prozent der US-Bevölkerung.
Erzbischof Joseph E. Kurtz von der katholischen Bischofskonferenz in den USA warnt sogar unverhohlen vor einer auf Jahrzehnte unversöhnlich gespaltenen Gesellschaft: „Ebenso wenig wie die Legalisierung der Abtreibung durch das gleiche Gerichts vor 40 Jahren die Frage der Abtreibung geklärt hat, genau so wenig klärt dieses Urteil die Frage der Homo-Ehe. Keines der Urteile ist in Wahrheit begründet und darum werden beide wahrscheinlich scheitern. Es ist zutiefst unmoralisch und ungerecht, wenn eine Regierung erklärt, dass zwei Menschen des gleichen Geschlechts heiraten können.“

Auch 40 Jahre nach dem Urteil des obersten Gerichts ist die Abtreibung in den USA extrem umstritten, Proteste und gewalttätige Übergriffe durch Fundamentalisten auf Abtreibungskliniken, Ärzte und Schwestern nicht selten. Nicht nur in Südstaaten wie Alabama oder Tennessee sind Übergriffe auf Homosexuelle heute noch traurige Realität. In 18 Bundesstaaten ist es zudem noch möglich, Angestellte wegen ihrer sexuellen Orientierung zu entlassen.

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