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02.09.2011

19:27 Uhr

Hochfrequenz-Handel

Die Wiederentdeckung der Langsamkeit

Bruchteile einer Sekunde sind nötig, um an den Börsen zu handeln, alles geht automatisch. Der ultraschnelle Computer-Handel soll mit für die heftigen Kursschwankungen verantwortlich sein. Nun könnten Einschränkungen folgen.

„Xetra-Spezialisten“ in Frankfurt. Viel läuft automatisch. dapd

„Xetra-Spezialisten“ in Frankfurt. Viel läuft automatisch.

Washington/New YorkDie seit der Finanzkrise verstärkten Turbulenzen an den Aktienmärkten rufen die Regulierer in Europa und den USA auf den Plan. Die EU-Kommission will einem Gesetzentwurf zufolge den superschnellen Computer-Handel schärfer kontrollieren. Auch die US-Finanzaufseher nehmen den Hochfrequenzhandel genauer unter die Lupe. Erstmals verlangten sie von Handelsfirmen Details über deren Strategien bei computergesteuerten Kauf- und Verkaufsprogrammen.

In einigen Fällen seien sogar geheime Computercodes des algorithmischen Handels angefordert worden, sagte Tom Gira von dem Regulierungsbehörde Finra. Beim computergestützten Hochfrequenzhandel werden Aktien in extrem kurzer Zeit gekauft und wieder verkauft. Experten sehen darin das Risiko von Marktverwerfungen und möglicher Manipulationen.

Die Europäische Union will strenger gegen den Handel vorgehen, der nur Sekundenbruchteile benötigt, und von sogenannten Clearing-Firmen abgewickelt wird. Die EU will den Wettbewerb unter Clearing-Häusern ankurbeln. Der Entwurf, der der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag, sieht „ambitionierte Verbesserungen“ bei dem bestehenden vier Jahre alten Gesetz vor. Zudem sollen Banken und Investoren künftig selbst entscheiden, ob sie ihre Transaktionen vollständig über einen Börsenbetreiber abwickeln wollen oder für bestimmte Dienste auch andere Anbieter im EU-Ausland nutzen.

Auf die Geschäfte von Branchengrößen wie der Deutschen Börse könnten sich die neuen Regelungen negativ auswirken, da sie sich verstärkt dem Wettbewerb mit Clearing-Häusern stellen müssten. Es wird damit gerechnet, dass die EU-Kommission in den kommenden Monaten den Entwurf veröffentlicht und die Finanzmarkt-Richtlinie Mifid erweitert.

Der jüngste Kursrutsch an den Aktienmärkten trieb zuletzt auch die Diskussion im Europäischen Parlament über rechtliche Regeln zum Computerhandel an den Börsen voran. So forderte der CDU-Europaabgeordnete Werner Langen am Dienstag, der Handel müsse „entschleunigt“ werden, etwa über Mindesthaltefristen für Wertpapiere. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, den superschnellen automatischen Computerhandel reglementieren zu wollen.

Kommentare (5)

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Hans

03.09.2011, 01:14 Uhr

Teil 1

@Oelblase
Sie haben offensichtlich keine Ahnung von der Realwirtschaft.

„Wieso sollten Aktien von Siemens und Volkswagen 30% weniger wert sein, als noch vor 3 Wochen ???“
-> Drehen wir Ihre Frage doch mal um. Warum sollten die Aktien von Siemens und Volkswagen 30% stärker wert sein als noch vor 3 Wochen? Diese Frage hätten Sie viele Jahre stellen können und Sie würden heute noch auf eine fundamentale Antwort warten. Sie scheinen nicht den Unterschied zwischen Real- und Finanzwirtschaft zu kennen. Und Sie scheinen auch nicht zu wissen, dass Aktien Liebhaberwerte sind. Ihr Wert geht gegen null. Wo steht geschrieben, dass die Börse die Zukunftserwartungen auf die Kurse projiziert? Ihr Grundverständnis ist völlig realitätsfremd.

„Diese Unternehmen haben voll gefüllte Auftragsbücher über Jahre hinaus UND deren Kurse sind weit von alten Höchstständen entfernt, trotz traumhaften Margen und trotz jährlichem zweistelligen Gewinnwachstum.“
-> Gefüllte Auftragsbücher geben keine Auskunft über die Menge, Preis, Umsatz, Gewinn usw. Und Zahlen wie Gewinn oder Umsatz sind nur Spielereien, um Menschen wie Ihnen den Eindruck von Transparenz und Vertrauen zu vermitteln.

„Man braucht kein Finanzmathematiker zu sein, um fest zu stellen, dass die Volatilität an den Märkten bizarre Ausmaße annimmt, und das ohne, dass irgendwas großartiges passiert ist.“
-> Die Vola wird ebenso gehandelt wie Wertpapiere. Warum sollten die Entwicklungen dort die Realität widerspiegeln.

Hans

03.09.2011, 01:22 Uhr

Teil 2

„Das Problem ist nur, dass dieses Treiben die Realwirtschaft wie ein Krebsgeschwür angreift, der immer weiter wächst, und immer größere Dimensionen annimmt, bis der - in diesem Fall gesunde - Patient irgendwann stirbt.“
-> Es sind Menschen wie Sie, die glauben Sie würden das Geschäft ihres Lebens an der Börse machen. Die Realwirtschaft interessiert das Treiben der Finanzwirtschaft relativ wenig, wie eingangs bereits erwähnt. Gesunde Unternehmen überstehen jede Krise. Fragen Sie doch mal Entscheider bei großen Industrieunternehmen, wie sie zu der Börse stehen. Eigentlich ist es doch absurd, dass ein personal- und materiallastiges Industrieunternehmen jedes Jahr aufs Neue darum kämpft einen Gewinn zu erwirtschaften, wenn es doch eigentlich den gleichen Erfolg binnen weniger Wochen an der Börse generiert hätte. Und genau da liegt der Haken. Wenn nämlich in der Realwirtschaft mehr Wertpapiere nachgefragt werden als Materialien, dann befinden wir uns in einer Spekulationsblase.

Und mein Vorschlag wäre: Verbot für den Besitz und Handel von Wertpapieren für Politiker.

Ich würde sagen, Sie suchen sich ein neues Thema. Ihre Ausführungen wirken wie Stammtischdebatten. Ich hätte liebendgerne viele der genannten Punkte ausführlicher komentiert, aber eigentlich stellt sich die Frage, warum man Menschen wie Ihnen noch helfen soll. Wenn man nicht das Geschwafel der Medien runterbetet und Ihnen zustimmt, dann wollen die Meisten nichts davon hören.
Ich werde auf jeden Fall meine Augen und Ohren offenhalten und beobachten wie die Kommentare sich ändern. Im Tiefpunkt der Kurse und Höhepunkt des Pessimismus...

Bremer

03.09.2011, 09:30 Uhr

@Oelblase

Sind Sie denn auch selbst in der Realwirtschaft beschäftigt?
Denn ich möchte darauf eingehen:

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Diese Unternehmen haben voll gefüllte Auftragsbücher
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1. Die sogenannte "volle Auftragsbücher" können auch storniert werden, weil der Kunde plätzlich wegen der Nachfragemangel keine neue Produkte/Waren braucht und noch auf den alten sitz.
2. Alle Daxunternehmen haben hoche Schulden und haben ihre Finanzierungen von den Banken die von den Börsenkursen abhängig sind. ..sinken die Börsenkurse, so können die sich nicht Refinanzieren und erneut Schulden aufnehmen um alte Schulden zu begleichen (Beispiel Löhne, Expansionen etc.), daraufhin kann das sogenannte "prall gefühlte Auftragsbuchunternehmen" in die Schieflage geraten.
3. sobald Punkt 2 eine Bank trifft oder ein großes Konzern wie Beispielweise VW.. erfolgt eine Kettenreaktion und danach ist das ein Selbstläufer und nicht mehr zu stoppen.

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