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15.01.2014

01:46 Uhr

Hochfrequenzhandel

EU beschließt strengere Finanzmarkt-Regeln

Die Europäische Union will Spekulationen an der Börse erschweren. In einer Marathon-Sitzung wurde eine härtere Regulierung beschlossen, die mehr Transparenz bringen soll.

Die EU will mit der strengeren Regulierung Börsenturbulenzen abmildern. Jan Mallien

Die EU will mit der strengeren Regulierung Börsenturbulenzen abmildern.

BrüsselDie EU hat sich auf strengere Regeln für den Hochfrequenzhandel und die Rohstoffmärkte geeinigt. "Wir haben ein Abkommen", sagte die britische Europaabgeordnete Sharon Bowles nach einem fast achtstündigen Treffen der Unterhändler von EU-Parlament, Mitgliedsländern und EU-Kommission in der Nacht zum Mittwoch. Die strikteren Finanzmarkt-Vorschriften sollen mehr Transparenz schaffen und Börsenturbulenzen abmildern.

Die Überarbeitung der bestehenden EU-Richtlinie (MiFID) trägt dem technologischen Fortschritt Rechnung, da immer mehr Geschäfte in Sekundenbruchteilen getätigt werden. Die EU-Politiker beschlossen zudem Positionslimits im Handel mit Rohstoffen, die starke Schwankungen bei Lebensmittel- und Energiepreisen verhindern sollen.

"Nahrungsmittel- und Rohstoffspekulation werden in Zukunft harte Grenzen gesetzt", erklärte der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold. "Exzessive Liquidität auf Europas Finanzmärkten kann künftig nicht mehr die Preise von Nahrungsmitteln treiben."

Einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen war bis zuletzt die Frage, ob Derivate auf bestimmte Rohstoffe wie Gas, Öl oder Kohle der MiFID-Richtlinie unterliegen sollen oder nicht. Vor allem Großbritannien wollte hier Ausnahmen. Die britische Regierung fürchtet vor allem um die Wettbewerbsfähigkeit ihres Finanzplatzes London, wenn Regeln zu strikt ausfallen.

Regulierung der Finanzmärkte

Mehr Eigenkapital

Das internationale Finanzsystem wird krisenfester. So wurden bereits höhere Eigenkapitalanforderungen für Banken durchgesetzt. Die Quote des haftenden harten Kernkapitals, das Banken für ihre Geschäfte vorhalten müssen, muss sich bis 2015 verdoppeln und bis 2019 mehr als verdreifachen. Besonders hohe Eigenkapitalanforderungen gelten für die 29 global systemrelevanten Banken.

Vergütung

Wer Chancen auf Gewinne hat, soll im Verlustfall auch die Risiken seines Handelns tragen. Zu diesem Zweck haben die Regulierer auch Hand an die Vergütungssysteme der Banken gelegt. So soll die variable Vergütung, die im Erfolgsfall gezahlt wird, in einem festen Verhältnis zur fixen Vergütung stehen. In bestimmten Fällen kann die Finanzaufsicht auch Boni verbieten.

Abwicklung

Deutschland hat mit dem Bankenrestrukturierungsgesetz dafür gesorgt, dass Kreditinstitute geordnet abgewickelt werden können. Mit einer Bankenabgabe beteiligen sich die Institute zudem an der Finanzierung eines Fonds, der die Abwicklung durchführen soll. Das Modell könnte Pate stehen für eine europäische Lösung. Noch kann es sich kein Land leisten, eine große Bank pleitegehen zu lassen. Die "Too big to fail"-Problematik lässt sich nur im europäischen Rahmen lösen.

Aufsicht

Die EU hat auch Konsequenzen aus der unbefriedigenden Aufsicht durch die europäische Bankenaufsichtsbehörde Eba geführt. Sogenannte Stresstests der Londoner Behörde bestanden viele spanische Banken, die wenige Monate später dann milliardenschweren Kapitalbedarf anmeldeten. Um die europäische Bankenaufsicht unabhängiger von nationalen Einflüssen zu machen, soll künftig die Europäische Zentralbank die entscheidende Rolle spielen.

Ratingagenturen

Die in der EU tätigen Ratingagenturen werden stärker überwacht. Sie stehen unter der Aufsicht der europäischen Marktaufsichtsbehörde ESMA. Ratingagenturen müssen sich registrieren lassen und strenge Informationspflichten erfüllen. Beratungsleistungen dürfen sie nicht mehr erbringen.

Hochfrequenzhandel

Der ultraschnelle Handel mit Finanzprodukten, der zu Börseneruptionen führen kann, soll entschleunigt werden. Irreführende Signale können künftig als Marktmanipulation geahndet werden.

Im November hatte man sich darauf geeinigt, dass Geschäfte auf undurchsichtigen Handelsplattformen - sogenannten "Dark Pools" - nur noch im geringen Umfang möglich sein sollten. Auch Regeln über eine Mindesthaltedauer von Wertpapieren waren in trockenen Tüchern. Daneben werden neue Plattformen (OTF - Organised Trading Facility) eingeführt, die den rund 640 Billionen Dollar schweren außerbörslichen Handel (OTC) transparenter machen sollen.

Die Unterhändler standen bei den Verhandlungen unter Zeitdruck, denn die Richtlinie soll noch vom EU-Parlament abgesegnet werden, bevor dieses Ende Mai neu gewählt wird. Der nun gefundene Kompromiss muss noch vom Straßburger Plenum und den Mitgliedsstaaten im EU-Rat abgesegnet werden.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Pequod

15.01.2014, 09:05 Uhr

Nutzlose Regulierungswut!
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MiFID oder gleich misfit, was für Aufsichtsbehörden will
man noch einrichten? Nimmt man dem Finanzsektor die Ver-
antwortung für ihr Geschäftsverhalten und läßt wie bei
diesen Einrichtungen den Steuerzahler mit 'Bankenunionen'
haften, kommt man aus dem Retten und Regulieren nicht
mehr heraus, denn die Banken werden immer Wege finden,
um die Regeln zu umgehen und sich Kontrollen, wie bei
dem inzwischen auf 750 Billionen US$ Dollar angewach-
senen OTC, zu entziehen.
So müssen Banken weder gerettet noch reguliert werden,
solange man sie in den Konkurs gehen läßt, wie jedes
andere Unternehmen, auch wenn den Politikern vor-
geflunkert wird, daß man 'systemrelevant' sei.
Für Banken die sich außerhalb der vorgegebenen Regeln,
in Deutschland nach HGB stellen und sich aufgrund von
Mißmanagement in den Konkurs wirtschaften sind nach
den gültigen Konkursregeln zu behandeln und dem Kon-
kursrichter zu überantworten und nicht nach 'EU' Re-
gulierungen zu beurteilen, die in nichts der ehe-
maligen Regulierungswut der UdSSR nachstehen und sich
bisher als nutzlos erwiesen haben und letztendlich ein
Zombiebankensystem im künstlichen Koma halten und
last not least mit 'Strafzahlungen' die 'EU' Kassen in
Brüssel füllen sollen.


Matthes

15.01.2014, 09:29 Uhr

Wers glaubt. Das ist doch nur Wahlgeplänkel und nach der Wahl vergessen. Da ist in der Vergangenheit nichts passiert und wird auch in Zukunft nichts passieren. Da ist die Finanzwirtschaft in Brüssel viel zu mächtig!

Republikaner

15.01.2014, 10:17 Uhr

Schwachsinn Hoch3! Anstatt an die Ursachen zu gehen, wird an Sympthomen gerhumgedoktert. Die Deutsche Börse AG gehört zu 90% den Amerikanern - schon mal aufgefallen? Und da ist der Hund begraben! Die können hier Kurse hinstellen wo sie wollen rauf und runter, sie werden damit immer einen riesen Reibach machen. Sie werden unseren Institutionen weiterhin Dreckpapiere verkaufen wie 2008 und keiner wird sich aufregen.
Man vermutet sogar ein gewisses Erpressungspotential der Amerikaner beim Kurs vom Bund Future, nach dem Motto: bist Du nicht willig, mußt du ein paar Milliarden mehr drauflegen für Zinsen. Da spielen die echten Börsenkrimis.

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