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25.12.2015

14:37 Uhr

Hoffnung auf Friedensverhandlungen

Indischer Premier Modi besucht Pakistan

Erstmals seit über 10 Jahren hat ein indischer Regierungschef Pakistan besucht. Der Kurzbesuch des indischen Ministerpräsidenten Modi soll als Initialzündung für neue Friedensgespräche zwischen den Erzfeinden wirken.

Mit dem indischen Premierminister Narendra Modi (r.) hat erstmals seit über zehn Jahren ein indischer Staatschef Pakistan besucht. Im Osten des Landes traf er mit seinem pakistanischen Amtskollegen Nawaz Sharif zusammen. AFP

Überraschender Besuch

Mit dem indischen Premierminister Narendra Modi (r.) hat erstmals seit über zehn Jahren ein indischer Staatschef Pakistan besucht. Im Osten des Landes traf er mit seinem pakistanischen Amtskollegen Nawaz Sharif zusammen.

Neu-Delhi/KabulIndiens Ministerpräsident Narendra Modi hat Pakistan am Freitag eine überraschende Kurzvisite abgestattet, um die Tür für Friedensgespräche aufzustoßen. Es handelt sich um den ersten Besuch eines indischen Regierungschefs beim Erzfeind seit mehr als zehn Jahren. Der pakistanische Ministerpräsident Nawaz Sharif umarmte Modi beim Empfang auf dem Flughafen in der Stadt Lahore im Osten des Landes, wie das staatliche Fernsehen zeigte. Ein Sprecher Sharifs sagte, die beiden wollten über eine Reihe bilateraler Angelegenheiten sprechen, darunter den Streit um die Kaschmir-Region. Ein naher Vertrauter Modis bezeichnete den Besuch als spontane Entscheidung, der allerdings keine plötzliche Wende in der Politik Indiens bedeute. Modi hatte zuvor bereits mit Sharif telefoniert und ihm zum 66. Geburtstag gratuliert.

Die zwei Regierungschefs hatten im November am Rande des Weltklimagipfels in Paris ein kurzes Gespräch geführt. Daraufhin war der indische Außenminister Sushama Swaraj nach Pakistan gereist. Es war der erste derartige Besuch seit drei Jahren.

Beide Staaten sind seit Jahrzehnten verfeindet und besitzen Atomwaffen. Seit ihrer Unabhängigkeit 1947 führten sie drei Kriege gegeneinander, bei zweien ging es um die Kaschmir-Region im Himalaya-Gebirge. Im Juli hatten Modi und Sharif bei einem Treffen in Russland vereinbart, dass es Friedensgespräche geben soll. Im August platzten allerdings dazu geplante hochrangige Beratungen.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Modi befand sich auf dem Rückweg nach einem Besuch in Russland. Vor seiner Ankunft in Pakistan machte er in der afghanischen Hauptstadt Kabul Zwischenstation. Dort nahm er an der feierlichen Eröffnung eines Parlamentsgebäudes teil, das mit indischer Hilfe gebaut wurde. Indien unterstützt die afghanische Regierung. Pakistan dagegen finanziert nach Auffassung vieler Afghanen die aufständischen Taliban. Die pakistanische Regierung weist diesen Vorwurf jedoch zurück.

Von

rtr

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