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27.08.2016

01:43 Uhr

Hoffnung für Syrien

USA und Russland einigen sich auf Waffenruhe

Es wäre ein erster Schritt auf einem langen Weg: USA und Russland wollen einen Waffenstillstand in Syrien ausarbeiten. Doch das ist nicht das erste Mal. Und spielt die Türkei überhaupt mit?

US-Außenminister John Kerry, links, und der russische Außenminister Sergei Lawrow wollen trotz aller Differenzen jetzt gemeinsam einen Waffenstillstand in Syrien durchsetzen. Das beschlossen sie am Freitag bei Unterredungen in Genf. Reuters

Getrennt und doch gemeinsam

US-Außenminister John Kerry, links, und der russische Außenminister Sergei Lawrow wollen trotz aller Differenzen jetzt gemeinsam einen Waffenstillstand in Syrien durchsetzen. Das beschlossen sie am Freitag bei Unterredungen in Genf.

GenfDie USA und Russland haben sich nach Angaben von US-Außenminister John Kerry im Grundsatz auf Wege zu einer Waffenruhe in Syrien geeinigt. Beide Seiten hätten „Klarheit über den Weg“ zu einem Ende der Kämpfe erzielt, sagte Kerry am Freitag nach Gesprächen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Genf. In den kommenden Tagen würden Experten beider Länder erneut zu Gesprächen in der Schweizer Stadt zusammenkommen, um offene Fragen zu klären.

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Lawrow sagte dazu an der Seite von Kerry vor Journalisten, einige Einzelheiten müssten noch „abgeschlossen werden“. Kerry und Lawrow hatten sich zuvor stundenlang in Genf über den Syrien-Konflikt ausgetauscht. Zwischendurch hatte auch der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura an dem Treffen teilgenommen. Dieser hatte die Hoffnung geäußert, die Konfliktparteien im syrischen Bürgerkrieg in naher Zukunft wieder zu Verhandlungen an einen Tisch zu bringen. Durch die Kriegshandlungen wird die humanitäre Katastrophe in dem geschundenen Land von Tag zu Tag dramatischer. Die USA und Russland unterstützen in Syrien gegensätzliche Seiten: Moskau gehört zu den engsten Verbündeten von Präsident Baschar al-Assad, während Washington verschiedene Rebellengruppen unterstützt.

Die wichtigsten Parteien im syrischen Bürgerkrieg

REGIME

Die syrische Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern. Zudem fliegt die russische Luftwaffe Angriffe in Syrien.

ISLAMISCHER STAAT (IS)

Die Terrormiliz verlor in den vergangenen Monaten einige ihrer Gebiete an das Regime und die Kurden und befindet sich in der Defensive. Die Dschihadisten kontrollieren aber immer noch große Teile des Landes im Norden und Osten, vornehmlich Wüstengebiete.

KURDISCH GEFÜHRTE KRÄFTE

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte ein Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückdrängen. Die Kurden kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch in der nordöstlichen Stadt Hasaka zu ungewöhnlich heftigen Zusammenstößen mit syrischen Regierungstruppen. Die Türkei ist ein erklärter Gegner der Kurden. Sie befürchtet angesichts eines mehr als 400 Kilometer langen Gebietes unter kurdischer Kontrolle an seiner Südgrenze Unabhängigkeitsbestrebungen der türkischen Kurden.

DSCHAISCH AL-FATAH

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Teil von Dschaisch al-Fatah sind auch die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrischen Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

AHRAR AL-SCHAM

Die islamistische Miliz ist neben Fatah al-Scham die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger. Die Türkei gilt als wichtige Unterstützerin der Miliz.

FREIE SYRISCHE ARMEE (FSA)

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah gehören, sowie im Süden.

Auf Vermittlung der USA und Russlands war bereits Ende Februar eine Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und Rebellen vereinbart worden, die aber von Anbeginn brüchig war. Zudem galt sie nicht für die Dschihadistengruppen Islamischer Staat (IS) und Al-Nusra-Front. Für neue Spannungen sorgte zuletzt auch die Türkei, die mit Panzern gegen Kurden in Syrien vorgegangen ist, um ihr Vordringen zu unterbinden. Die Kurden wiederum sind aber mit den USA verbündet und haben große Erfolge im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat vorzuweisen.

Lawrow sagte, das gegenseitige Vertrauen zwischen Moskau und Washington habe wieder zugenommen. Eine Wiederaufnahme der von den Vereinten Nationen vermittelten Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den von den USA unterstützten Rebellen könne helfen, die Feindseligkeiten zu verringern.

Außerdem müssten Mitglieder der Al-Nusra-Front von Kämpfern getrennt werden, die von den USA unterstützt werden. Die Nusra-Front firmiert mittlerweile unter dem Namen Fath al-Scham und hat erklärt, sie habe sich vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt.

Von

afp

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