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13.08.2015

14:14 Uhr

Hohe Mieten in Genf

Uno-Praktikant schläft aus Geldmangel im Zelt

David Hyde hat eine Stelle als Praktikant bei der Uno bekommen – aber nicht genug Geld, um sich eine Wohnung in Genf zu leisten. Der Neuseeländer schlief deswegen in einem Zelt. Bis eine Zeitung ihn aufspürte.

David Hyde: „Kein Gehalt oder Stipendium, keine Zuschüsse für ÖPNV oder Essen, keine Krankenversicherung.“ Patrick Lopreno / Tribune de Geneve

Praktikant im Zelt

David Hyde: „Kein Gehalt oder Stipendium, keine Zuschüsse für ÖPNV oder Essen, keine Krankenversicherung.“

GenfEin Praktikum bei den Vereinten Nationen verlangt nicht nur Idealismus, sondern auch einen gut gefüllten Geldbeutel: Schließlich sind die meisten Praktika nicht bezahlt – und das in Städten, wo die Mieten nicht gerade günstig sind. Um Geld zu sparen, hat ein 22-Jähriger deshalb während seines Uno-Praktikums in Genf in einem Zelt geschlafen. Ein Reporter der „Tribune de Geneve“ fand den jungen Neuseeländer, wie er in Anzug und umgehängten Uno-Ausweis in der Nähe des botanischen Gartens am Rande des Genfer Sees campierte. Das skurrile Foto machte in den sozialen Netzwerken schnell die Runde.

Es habe ihn niemand zum Übernachten im Zelt gezwungen, sagte David Hyde vor Journalisten. „Aber meine Umstände und die Bedingungen für dieses Praktikum machten es zu der einzigen realen Möglichkeit, die ich gesehen habe.“

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Nachdem die „Tribune de Geneve“ groß über ihn berichtet habe, wolle er nun aber das Praktikum bei der europäischen Vertretung der Vereinten Nationen nach zwei Wochen aufgeben, so der 22-Jährige. Dies sei seine freie Entscheidung. Hyde räumte ein, bei dem Bewerbungsgespräch für den begehrten Praktikantenjob gelogen zu haben: Als er gefragte wurde, ob er sich Genf leisten könne, habe er mit Ja geantwortet – aber nur, weil er bei einem Nein wohl eine Ablehnung kassiert hätte.

Die Uno habe von Anfang an klar gemacht, dass sie nichts zahlen werde: „Kein Gehalt oder Stipendium, keine Zuschüsse für ÖPNV oder Essen, keine Krankenversicherung.“ Auch wenn er dies gewusst habe, sei das System an sich nicht „fair“, sagte Hyde, der einen Abschluss in internationalen Beziehungen hat. Er rief alle Praktikanten weltweit auf, „auf die Anerkennung unseres Wertes und der gleichen Rechte, die wir verdienen, zu drängen“.

Die Mieten in der Schweizer Stadt sind einige der höchsten weltweit. Ein Uno-Sprecher hatte als Reaktion auf den Zeitungsbericht gesagt, die Uno würde Praktikanten sehr gerne entlohnen, wegen einer Resolution der Generalversammlung sei es aber nicht möglich. Er forderte die Mitgliedstaaten auf, dies zu ändern. Die Uno und ihre Agenturen in Genf stellen jährlich 162 Praktikanten an. Nach einer Studie der „Geneva Interns Association“ waren 68,5 Prozent davon im Jahr 2013 unbezahlt.

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