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17.10.2014

04:25 Uhr

Hongkong

Räumungs-Blitzaktion im Morgengrauen

Die Polizei in Hongkong hat ein weiteres Protestlager geräumt. Zelte, Regenschirme und Barrikaden wurden beseitigt - Hundertschaften der Polizei standen für den Notfall bereit. Dabei gab es kaum Widerstand.

Mitten in der Nacht

Polizei räumt Protestlager in Hongkong

Mitten in der Nacht: Polizei räumt Protestlager in Hongkong

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HongkongHunderte Polizeikräfte haben am Freitag in Hongkong Barrikaden, Zelte und Abdeckungen prodemokratischer Demonstranten abgerissen. Ausgestattet mit Helmen und Schildern drangen die Beamten am Morgen in das Camp der Aktivisten im Stadtteil Mong Kok ein, um Absperrungen und Unterschlüpfe niederzureißen. Diese blockierten seit mehr als zwei Wochen einige der wichtigsten Straßen der Finanzmetropole. Zuvor hatte der unbeliebte Hongkonger Regierungschef Leung Chun Ying den Demonstranten Gespräche zur Entschärfung des Protestes angeboten.

Der dritte Einsatz dieser Art in den vergangenen Tagen dauerte nur etwa 30 Minuten. Gegen 5.00 Uhr morgens Ortszeit überrumpelten Polizisten die wenigen verbliebenen Demonstranten am Lager in Mong Kok, wie lokale Medien berichteten. Die Beamten rissen Barrikaden aus Metall, Bambus und weiterem Holz nieder, mit denen die Protestierenden die Straßen blockierten. 30 Demonstranten wurden umzingelt, weil sie ihren Widerstand nicht aufgeben wollten. Zu größeren Zusammenstößen kam es aber nicht. Die Hauptverkehrsstraße in dem Stadtteil Admiralty nahe dem Finanzdistrikt blieb in der Hand der Demonstranten.

Die Polizei teilte mit, den Aufenthaltsort der Aktivisten nicht gänzlich räumen zu wollen. Bereits wenige Minuten nach dem Polizeieinsatz machten sich Aktivisten erneut daran, sich auf den Straßen niederzulassen.

In Mong Kok campieren die Demonstranten seit Wochen. Der dicht besiedelte Ort befindet sich am Victoria Harbour gegenüber des Zentrums der Proteste im Finanzdistrikt der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Die Gesichter der Regenschirm-Revolution

Der jugendliche Rebell

Der 17 Jahre alte Joshua Wong ist eines der prominentesten Gesichter der "Regenschirm-Revolution". Der für seine mitreißenden Reden bekannte Student mit der markanten schwarzen Brille hat bereits als Schüler sein politisches Geschick bewiesen. Zehntausende Demonstranten folgten 2012 seinem Aufruf, gegen einen Peking-treuen Lehrplan auf die Straße zu gehen. "Wir glauben nicht, dass wir die Regierung mit unseren Worten überzeugen können. Die Regierung ist nur zu Zugeständnissen bereit, wenn sich Unruhe in der Gesellschaft breit macht", beschrieb der junge Protestführer seine Strategie. Auch in den Klatschspalten, in den über sein Liebesleben spekuliert wird, macht Wong inzwischen Schlagzeilen. (Quelle: AFP)

Der Studentenführer

Der 24-Jährige Alex Chow organisierte den Boykott der Studenten und die Demonstrationen seiner Kommilitonen auf der Straße. Der Vorsitzende von Hongkongs Studentenverband hält solche Protestaktionen für unverzichtbar. Nur so könne der Regierung gezeigt werden, "wie ernst es den Menschen in Hongkong mit der Demokratie ist".

Der Juraprofessor

Benny Tai ist der Mitbegründer der Gruppe Occupy Central. Der 50-Jährige gab am Sonntag den Startschuss für die heiße Phase der Kampagne für mehr Demokratie. Tai hatte die Organisation Anfang 2013 zusammen mit dem Soziologen Chan Kin Man und dem Prediger Chu Yiu Ming ins Leben gerufen. Ende Juni organisierte die Gruppe ein inoffizielles Referendum über politische Reformen, an dem sich 800.000 Menschen beteiligten. "Ich bin zuversichtlich, dass in Hongkong eines Tages die Demokratie Einzug erhalten wird", sagte Tai.

Der Finanzier

Der Hedgefonds-Manager Edward Chin schloss sich Occupy Central im März an. Hinter ihm stehen einige finanzkräftige Geschäftsmänner, die den Einfluss Pekings auf die Wirtschaft in Hongkong mit Argwohn betrachten. Sobald die Protestbewegung Geld für Werbekampagnen oder Veranstaltungen benötigt, kann die Gruppe die Mittel laut Chin in wenigen Tagen auftreiben: "Wir unterzeichnen einfach einen Scheck."

Zur Beruhigung der wochenlangen Proteste hatte Leung nach der Absage eines geplanten Treffens vor einer Woche am Donnerstag doch Gespräche über Reformen angeboten. Der Regierungschef machte jedoch deutlich, dass der Spielraum der Verhandlungen nur eng begrenzt sei. Alex Chow von der Studentenvereinigung begrüßte das Gesprächsangebot, übte aber Kritik daran, dass Leung die Auflagen Pekings bei der Wahl eines Regierungschefs 2017 nicht zur Debatte stellen wolle. Demonstranten auf den Straßen reagierten ähnlich.

Leung blieb bei seiner Aussage, dass Peking seine Entscheidung, Kandidaten durch ein Komitee festzulegen, nicht rückgängig machen werde. Trotzdem gebe es einen Spielraum für Verhandlungen darüber, wie das Komitee gebildet werde, das die Kandidaten nominiere.

Die Aktivisten verlangen die freie Wahl des Regierungschefs im Jahr 2017. Peking hatte dagegen bestimmt, dass ein ihm genehmes Komitee festlegt, wer überhaupt kandidieren darf. Das bedeutet, dass die chinesische Regierung die Nominierten überprüfen darf, bevor sie öffentlich gewählt werden können. Zudem fordern die Demonstranten Leungs Rücktritt.

Von

dpa

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