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16.10.2014

11:26 Uhr

Hongkongs Regierungschef Leung

„Wir sind bereit zum Dialog“

Hongkongs Regierungschef Leung will nach den Protesten die Wogen glätten. Er startet einen neuen Anlauf für Verhandlungen mit den Studierenden. Bei der zentralen Forderung der Demonstranten bleibt er jedoch hart.

Hongkongs Regierungschef Leung Chun-ying will nun mit den pro-demokratischen Demonstrierenden verhandeln. dpa

Hongkongs Regierungschef Leung Chun-ying will nun mit den pro-demokratischen Demonstrierenden verhandeln.

HongkongNach gewalttätigen Zwischenfällen will Hongkongs Regierungschef Leung Chun-ying auf die pro-demokratischen Demonstrierenden zugehen. „Die Regierung ist bereit, mit den Studierendenvertretern über die Frage der allgemeinen Wahl des Regierungschefs im Jahr 2017 zu reden“, sagte Leung am Donnerstag in einer Pressekonferenz in der südchinesischen Hafenmetropole. „Wir sind bereit zum Dialog.“

Die seit mehr als zwei Wochen andauernden Proteste hatten sich an den Plänen Pekings entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Seit der Rückgabe der Kronkolonie 1997 an China wird Hongkong als eigenes Territorium mit „einem hohen Maß an Autonomie“, aber unter chinesischer Souveränität regiert.

Regierungschef Leung berief sich jedoch darauf, dass seine Kompetenzen begrenzt seien. Die Sonderverwaltungszone in Hongkong könne nicht „illegales legal machen“. Nur die Zentralregierung in Peking habe die Macht, die Rahmenbedingungen für die Wahl festzulegen. Damit machte er bei der Kernforderung der Demonstranten - der freien Auswahl der Kandidaten – keine Zugeständnisse.

Die Gesichter der Regenschirm-Revolution

Der jugendliche Rebell

Der 17 Jahre alte Joshua Wong ist eines der prominentesten Gesichter der "Regenschirm-Revolution". Der für seine mitreißenden Reden bekannte Student mit der markanten schwarzen Brille hat bereits als Schüler sein politisches Geschick bewiesen. Zehntausende Demonstranten folgten 2012 seinem Aufruf, gegen einen Peking-treuen Lehrplan auf die Straße zu gehen. "Wir glauben nicht, dass wir die Regierung mit unseren Worten überzeugen können. Die Regierung ist nur zu Zugeständnissen bereit, wenn sich Unruhe in der Gesellschaft breit macht", beschrieb der junge Protestführer seine Strategie. Auch in den Klatschspalten, in den über sein Liebesleben spekuliert wird, macht Wong inzwischen Schlagzeilen. (Quelle: AFP)

Der Studentenführer

Der 24-Jährige Alex Chow organisierte den Boykott der Studenten und die Demonstrationen seiner Kommilitonen auf der Straße. Der Vorsitzende von Hongkongs Studentenverband hält solche Protestaktionen für unverzichtbar. Nur so könne der Regierung gezeigt werden, "wie ernst es den Menschen in Hongkong mit der Demokratie ist".

Der Juraprofessor

Benny Tai ist der Mitbegründer der Gruppe Occupy Central. Der 50-Jährige gab am Sonntag den Startschuss für die heiße Phase der Kampagne für mehr Demokratie. Tai hatte die Organisation Anfang 2013 zusammen mit dem Soziologen Chan Kin Man und dem Prediger Chu Yiu Ming ins Leben gerufen. Ende Juni organisierte die Gruppe ein inoffizielles Referendum über politische Reformen, an dem sich 800.000 Menschen beteiligten. "Ich bin zuversichtlich, dass in Hongkong eines Tages die Demokratie Einzug erhalten wird", sagte Tai.

Der Finanzier

Der Hedgefonds-Manager Edward Chin schloss sich Occupy Central im März an. Hinter ihm stehen einige finanzkräftige Geschäftsmänner, die den Einfluss Pekings auf die Wirtschaft in Hongkong mit Argwohn betrachten. Sobald die Protestbewegung Geld für Werbekampagnen oder Veranstaltungen benötigt, kann die Gruppe die Mittel laut Chin in wenigen Tagen auftreiben: "Wir unterzeichnen einfach einen Scheck."

Leung bekräftigte das Angebot der Regierung, über einen Mittelsmann Verhandlungen mit den Demonstranten aufzunehmen. Er hoffe, dass die Gespräche in der kommenden Woche beginnen könnten. Die Regierung werde jedoch weiterhin Straßensperren der Demonstranten entfernen lassen. Vor rund einer Woche hatte die Regierung nach neuen Protesten zunächst vereinbarte Gespräche mit Studierenden kurzfristig abgesagt.

Nach Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten am Mittwoch beruhigte sich die Lage am Donnerstag wieder. Nach 45 Festnahmen am Vortag wurden am Donnerstagmorgen zwei Personen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Ein 38-Jähriger hatte eine Flasche gegen ein Auto getreten. Eine Menschenmenge versuchte nach Polizeiangaben danach, dessen Festnahme zu verhindern. Anschließend wurde ein 24-Jähriger wegen Beleidigung von Polizeibeamten festgenommen. Drei Beamte wurden bei dem Vorfall verletzt. Die Behörde machte jedoch keine Angaben, ob auch Demonstranten zu Schaden kamen.

Von

dpa

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