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17.10.2011

19:03 Uhr

Horn von Afrika

Terror ohne Grenzen

VonWolfgang Drechsler

Bisher hat sich Kenias Regierung aus dem gnadenlosen Bürgerkrieg in Somalia herausgehalten. Doch der grenzenlose islamistische Terror und die wachsende Angst vor Entführungen zwingen das Nachbarland nun zum Handeln.

Kenianische Soldaten: Erstmals hat das Land eine große Militäraktion gegen die Islamisten und deren Stützpunkte in Südsomalia gestartet. dapd

Kenianische Soldaten: Erstmals hat das Land eine große Militäraktion gegen die Islamisten und deren Stützpunkte in Südsomalia gestartet.

KapstadtMehr als 20 Jahre nach dem Zusammenbruch aller staatlichen Strukturen in Somalia scheint die Dauerkrise am Horn von Afrika immer stärker auf seine Nachbarstaaten überzugreifen: Nachdem vermutlich Terroristen der in Somalia ansässigen radikalislamistischen al-Shabaab-Miliz in den letzten vier Wochen mehrere westliche Staatsbürger, darunter eine britische und französische Touristin sowie zwei spanische Helferinnen, gewaltsam von kenianischem Territorium nach Somalia verschleppt hatten, hat Kenia nun seine lange Zurückhaltung aufgegeben und erstmals eine groß angelegte Militäraktion gegen die Islamisten und deren Stützpunkte in Südsomalia gestartet. Nach Augenzeugenberichten sollen etwa 25 kenianische Panzerfahrzeuge, unterstützt von Hubschraubern, am Wochenende die Grenze zu Somalia überquert haben.

Die Militäraktion, die Kenias Verteidigungsminister ausdrücklich als „Selbstverteidigung“ rechtfertigte, bedeutet einen scharfen Kurswechsel in der Politik des Landes gegen den radikalislamistischen Terror in Somalia. Bislang hatte Kenia, das gegen seinen Willen in den letzten Jahren immer mehr zu einem Frontstaat geworden war, alles daran gesetzt, nicht in den Krieg in Somalia zwischen der international anerkannten Übergangsregierung und den Terroristen der al-Shabaab hineingezogen zu werden. Auf diese Weise hoffte seine Regierung nicht, wie früher schon einmal, erneut zum Anschlagsziel zu werden. Der Versuch, den Fundamentalisten keinen Vorwand zum Angriff geben, erklärt auch, weshalb Kenia bislang keine eigenen Truppen für die Friedensmission der Afrikanischen Union (AU) in Somalia gestellt hat.  

Doch diese Hoffnung ist nun zerstoben: Die drei Entführungen binnen kurzer Zeit haben der Regierung in Nairobi unmissverständlich gezeigt, dass es den Krieg in der Bürgerkriegsruine Somalia nicht länger ignorieren und darauf hoffen kann, von seinen Auswirkungen verschont zu bleiben, zumal Kenias Grenzen wegen der schwachen Überwachung als extrem porös gelten. Seit langem ist bekannt, dass die fast unzugänglichen Mangrovensümpfe im Süden von Somalia der al-Shabaab als Ausbildungsgebiet dienen.

Vor allem aber sind die Entführungen ein harter Schlag für den kenianischen Tourismussektor, der sich gerade erst von den imageschädigenden internen Unruhen vor vier Jahren erholt. Damals waren es in Kenia im Anschluss an eine umstrittene Wahl zu schweren Stammeskämpfen gekommen, denen etwa 1300 Menschen zum Opfer fielen.  Der Fremdenverkehr steuert über 800 Millionen Dollar zur kenianischen Wirtschaft bei. Viele der jährlich rund 500.000 Besucher kommen aus Großbritannien und Deutschland. Beide Länder haben inzwischen Reisewarnungen für die kenianischen Küstenregion nahe der somalischen Grenze veröffentlicht. Zudem wird ausdrücklich von Reisen auf die kaum 100 Meter vor dem Festland gelegene Touristeninsel Lamu abgeraten, von der Anfang des Monats die französische Touristin entführt worden war. 

Kommentare (3)

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Gaudi

17.10.2011, 15:15 Uhr

Kenya sollte einfach die ganzen Flüchtlinge zurück nach Somalia schicken und jedem vorher noch ein Gewehr in die Hand drücken um diese Bande, die Somalia terrorisiert zu vertreiben.

Worldwatch

18.10.2011, 08:40 Uhr

Der Islam(-ismus) gehoert auch zu Kenya.

Worldwatch

18.10.2011, 08:57 Uhr

Der absurde "Westen"; er verteidigt, mit abermilliarden Euro&US$ die "Freiheit" am Hindukusch und die Begruendung von "Demokratie" in den Steppen Libyens, etc., etc..
Aber eine seiner wichtigsten Interessen, naemlich die an ungehindertem Handel und freien Wirtschaften, der durch diese "*_isten" mehr und mehr, und nicht nur dort, behindert werden, laesst der gewaehren?

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