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02.12.2012

14:46 Uhr

Horror-Werbung

Australien verdirbt Tabakkonzernen das Geschäft

VonUrs Wälterlin

Unappetitliche Zigarettenschachteln dämpfen die Lust aufs Rauchen. Das zeigen in Australien erste Erfahrungen im Vorfeld der Einführung der härtesten Anti-Tabakgesetze  der Welt.

Ausgeraucht: Vielen Australiern ist die Lust auf Zigaretten vergangen. ap

Ausgeraucht: Vielen Australiern ist die Lust auf Zigaretten vergangen.

SydneyAustralischen Raucherinnen und Rauchern scheint die Lust auf Zigaretten vergangen. Schuld daran haben die Bilder von fauligen Lungenkrebstumoren auf den einfarbigen Zigarettenschachteln. Zu diesem Schluss kommen Experten in Sydney nach ersten Erfahrungen mit neuen Packungen. Im Oktober hatte Australien die härtesten Anti-Tabakgesetze der Welt  beschlossen, gegen den erbitterten Widerstand der Tabakindustrie. So dürfen Zigarettenschachteln nur noch in einem langweiligen Grüngrau bedruckt werden. Der Markenname erscheint nur noch klein auf der Packung in dünner, generischer Schrift, nicht als Logo. Darüber steht prominent das Foto eines Krebstumors, eines erblindeten Auges, eines abfaulenden Fußes. Ein anderes Bild zeigt den zu einem Skelett abgemagerten Körper eines an Krebs sterbenden Rauchers. Seit dem 1. Dezember sind die strengen Verpackungsvorgaben Gesetz. Tabakfirmen, die sich nicht an sie halten, drohen hohe Strafen.

Die meisten Einzelhändler hatten die neu gestalteten Packungen schon seit Wochen im Angebot. So konnten Gesundheitsforscher bereits  erste Erfahrungen sammeln. Experten wie Ian Olver vom Cancer Council Australia zeigten sich am Wochenende euphorisch darüber, dass die Methode der Abschreckung offenbar auch für langjährige Raucher funktioniert. Die Regierung hatte eigentlich nur erwartet, dass die Schock-Verpackung eine neue Generation von jungen Menschen davon abhalten wird, mit dem potenziell tödlichen Laster zu beginnen. Einige Raucher melden nun, sie hätten das Gefühl, der Geschmack ihrer Zigaretten sei schlechter geworden. Und das, obwohl die Tabakfirmen ihrer Rezeptur nicht verändert hatten. Für die Experten bestätigen sich damit langjährige Erkenntnisse, dass die visuelle Präsentation von Tabakprodukten einen entscheidenden Einfluss auf das Kaufverhalten hat.  Die Organisation Quit, die Rauchern beim Aufgeben ihrer Sucht hilft, meldet seit einigen Wochen einen deutlichen Anstieg der Zahl der Anrufer, die um psychologische Unterstützung beim Entzug bitten. Wer in Australien das Rauchen aufgibt, tut es nicht nur seiner Gesundheit zuliebe, sondern auch dem Geldbeutel. Eine Schachtel Zigaretten kostet etwa 14 Euro.

Die Tabakindustrie hatte Jahre lang gerichtlich gegen die Verpackungspläne der australischen Regierung gekämpft. Globale Unternehmen wie Philip Morris und British American Tobacco argumentierten, mit dem Verbot von Markenzeichen wie dem Dromedar von Camel Filter und Markenlogos wie der ikonischen Schrift von Marlboro eigne sich die australische Regierung ohne entsprechende Kompensation die Markennamen der Firmen an, ihr Design, ihre Anwendung. Die Industrie blitzte aber bei allen Rechtsinstanzen ab. Die Firmen fürchten nun, andere Länder könnten dem Beispiel Australien folgen und ähnliche Gesetze einführen. Die Regierungen verschiedener Staaten, unter ihnen Neuseeland, Großbritannien und Indien, hatten Prozessbeobachter zu den Gerichtsverhandlungen in Australien geschickt und Maßnahmen zur Einschränkung des Tabakkonsums in Aussicht gestellt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

02.12.2012, 17:01 Uhr

Sollte bei uns auch eingeführt werden. Der Freundin meiner Frau hat man vor kurzem beide Füße amputieren müssen. Sie war bis vor kurzem starke Raucherin entgegen alle Mahnungen. Es ist ein Jammer was aus dieser lebenslustigen Frau geworden ist. 14 € für eine Schachtel Zigaretten wäre auch nicht schlecht.

Nichtmehrraucher

02.12.2012, 17:11 Uhr

Es wäre wünschenswert, wenn diese Bildchen tatsächlich Einfluß auf das Verhalten von Rauchern hätten. Haben sie aber nicht, die Verpackung ist den meisten Rauchern schlichtweg egal. Ich selbst bin das beste Beispiel. Nach über 30 Jahren habe ich die Raucherei erst nach einem Infarkt aufgegeben. Lasst mal die Tabakindustrie in Frieden. Letztlich ist es die Entscheidung jedes Einzelnen, dafür oder dagegen zu sein.

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