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17.10.2012

11:50 Uhr

Horrorszenario

Grexit könnte 17,2 Billionen Euro vernichten

Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung gewaltigen Schaden anrichten. Im schlimmsten Fall würde der Grexit jeden Deutschen bis 2020 rund 21.000 Euro kosten.

Obwohl Griechenland von der Wirtschaftskraft kleiner als Hessen ist, könnte sein Euro-Austritt ein Beben auslösen. dpa

Obwohl Griechenland von der Wirtschaftskraft kleiner als Hessen ist, könnte sein Euro-Austritt ein Beben auslösen.

GüterslohEin Austritt Griechenlands aus dem Euro könnte laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die Weltwirtschaft in eine dramatische Rezession stürzen und soziale Spannungen auslösen. Die Gefahr eines Flächenbrandes sei so bedrohlich, dass die Staatengemeinschaft auch außerhalb Europas einen griechischen Staatsbankrott und einen Austritt des Landes aus dem Euro verhindern sollte, hieß es in der am Mittwoch in Gütersloh vorgelegten Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der Stiftung.

Ein zunächst isoliertes Ausscheiden der Griechen aus der Währungsunion sei zwar ökonomisch verkraftbar. Doch könnte ein Dominoeffekt mit einem möglichen Euro-Austritt auch der Krisenländer Portugal, Spanien und Italien eine weltweite Wirtschaftskrise zur Folge haben.

"Zu den Betroffenen würden nicht nur die Südeuropäer oder die Mitglieder der EU, sondern auch die USA, China und andere Schwellenländer gehören", erklärten die Autoren. Im schlimmsten Fall würden die 42 untersuchten Industrie- und Schwellenländer bis 2020 etwa 17,2 Billionen Euro an Wirtschaftskraft verlieren. Deutschland käme demnach auf einen Verlust von 1,7 Billionen Euro und müsste insgesamt 455 Mrd. Euro Forderungen abschreiben.

Umgerechnet würde jeder Deutsche pro Kopf 21.000 Euro verlieren. Das ist mehr als in den Ausstiegsländern Griechenland (15.000 Euro pro Kopf) , Portugal und Italien (17.000 Euro) sowie Spanien (20.500 Euro) vernichtet würde. Die Bevölkerung wäre in der Folge auch durch ansteigende Arbeitslosigkeit betroffen: So würde allein in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen bis zum Jahre 2015 um mehr als eine Million ansteigen. Absolut betrachtet, wären die Verluste in Frankreich (2,9 Billionen Euro), den USA (2,8 Billionen Euro) und China (1,9 Billionen Euro) am größten.

Die griechische Reformbilanz im Überblick. Hier klicken.

Die griechische Reformbilanz im Überblick. Hier klicken.

Das Fazit der Autoren ist eindringlich: „Die Gefahr eines Flächenbrandes mit seinen wirtschaftlichen Konsequenzen und seinen politischen wie sozialen Folgewirkungen eines griechischen Staatsbankrotts und Austrittes aus dem Euro sind so bedrohlich, dass die internationale Staatengemeinschaft – auch außerhalb Europas – beides verhindern sollte.“

Selbst wenn es bei einem isolierten Austritt Griechenlands bleibe, koste dies Deutschland nach den Berechnungen von Prognos bis 2020 insgesamt 73 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung. Pro Kopf berechnet wäre dies ein Wachstumsverlust von etwa 900 Euro über acht Jahre. Die einmalig anfallenden Kosten durch Abschreibungen auf Forderungen von privaten und öffentlichen Gläubigern in Deutschland beliefen sich auf 64 Milliarden Euro.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Kommentare (73)

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17.10.2012, 12:50 Uhr

"Absolut betrachtet, wären die Verluste in Frankreich (2,9 Billionen Euro), den USA (2,8 Billionen Euro) und China (1,9 Billionen Euro) am größten." .... Dann lasst sie doch auch das griechische Desaster finanzieren! Wir wollen da raus!

Account gelöscht!

17.10.2012, 12:52 Uhr

Alles schön und gut, nur was kostet jeden Deutschen ein Schrecken ohne Ende also im Extremfall eine Inflationierung bis zum Zusammenbruch des Geldsystems oder im softeren Fall eine Daueralimientierung des Südens?

Account gelöscht!

17.10.2012, 12:53 Uhr

Die Kosten entstanden durch den Griechenlandbeitritt, nicht erst jetzt. Ursache ist der falsche Wechselkurs, der das Drehbuch lieferte, siehe fortunanetz vom 11. Oktober. Und ob ein Währungsverlust bei einem Austritt aus der Eurozone eingepreist ist oder das bloße Kreditrisiko, lässt sich nicht auseinander dividieren. Wir machen nur eine simple Rechnung auf: Bei einer Abwertung von z.B. 40% in Griechenland Spanien hat die Wirtschaft eine Chance sich zu erholen, weil sie wettbewerbsfähiger wird. Man hätte dann nur 40% Verlust bei weiterhin den eingepreisten 6% Rendite. Das wäre am Ende günstiger als ein späterer default mit einer Quote von 50% ohne dass sich die Wettbewerbsfähigkeit zwischenzeitlich gebessert hätte. Die Zuwarterei ist eine Aussitzerei von Schäuble und Merkel, die eingestehen müssten, dass die Europolitik gescheitert ist. Und das vor der Wahl im nächsten Jahr!
Wäre der Grexit vor drei Jahren gekommen , wie von Prof. Sinn angedacht, stünde Griechenland heute wesentlich besser da!
Auch beim Verlassen einer Währungsunion gibt es einen point of no return. Da hat man den Salat dann dergestalt, dass kein einziges Salatblatt mehr vorhanden ist.

Damit bleibt die Schuldenkrise in den Büchern der Finanzinstitute. Und das ist das Wesenselement der Schuldenkrise. Sie sind in Schieflage, weil sie es nicht für möglich hielten, dass ein Kontinent so falsch steuert, dass ein Generalbankrott droht. Und der ist leider darin begründet, dass Staatsschulden von 9 Billionen faul sind.
Es liegt an der Überkonsumption des Staates, der den point of no return überschritten hat.
Die europäische Schuldenkrise war bereits mit der Gründung des Euros am Horizont sichtbar, wir haben es unter Beweis gestellt und verweisen auf den Tageskommentar im fortunanetz vom 05.10. 2012.

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