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14.02.2015

12:39 Uhr

„House of Cards“

„Der Mann boxt wirklich einiges durch'“

VonLaura Waßermann

Mit Augenzwinkern wünscht sich US-Präsident Obama, die politische Realität in Washington wäre etwas mehr wie in der US-Kultserie „House of Cards“. Doch schon jetzt gibt es einige Parallelen. Die Serie im Realitätscheck.

Inbegriff des herzlosen Politikbetriebs: Kevin Spacey als „Francis J. Underwood“. ap

Inbegriff des herzlosen Politikbetriebs: Kevin Spacey als „Francis J. Underwood“.

DüsseldorfEin tiefer Blick in die Kamera, die Lippen süffisant gekräuselt. „Ich bin nicht sehr geduldig, wenn etwas sinnlos ist.“ Francis Joseph „Frank“ Underwood alias Oscar-Gewinner Kevin Spacey repräsentiert in der US-Serie „House of Cards“ einen Kongressabgeordneten aus dem Bilderbuch der bösen Polit-Klischees: mächtig, egoistisch, rachsüchtig. Jetzt gehen seine Spielchen um Position, Vertrauen und Verrat im Weißen Haus weiter; im Februar 2015 startet die dritte Staffel.

In Underwoods Welt existiert ein demokratisch-geführtes Pennsylvania nicht. Es regiert der einflussreiche, skrupellose Politiker; menschliche Gefühle werden abgeschaltet. „Es gibt zwei Arten von Schmerzen. Den Schmerz, der einen stärkt. Und sinnlosen Schmerz.“ In der Fiktion ist das spannend und unterhaltsam. Doch wie sieht es in der Realität aus?

In den USA sind Politiker gleichsam Unternehmer, agieren nach eigenen Zielen und nicht nach denen, ihrer Partei. Die US-Abgeordneten sind für wichtige Entscheidungen nicht zwingend auf die Unterstützung der eigenen Partei angewiesen. Dort dreht sich der Spielball viel mehr um Interessengruppen, lokal sowie staatenübergreifend. „Das politische System der USA bietet diesen Politunternehmern ein optimales Betätigungsfeld“, heißt es bei er Bundeszentrale für politische Bildung.

Der Einfluss von Interessengruppen sei erheblich, vor allem bei den Kongresswahlen. Das schafft Räume der Macht und birgt Gefahren. „Einzelne Politiker laufen ständig Gefahr, im Rahmen einflussreicher Kampagnen an den Pranger gestellt und gegebenenfalls bei der Kandidatur um eine Wiederwahl persönlich zur Rechenschaft gezogen zu werden.“

Klatsch und Tratsch über „House of Cards“

Ein Remake

Die US-amerikanische Serie „House of Cards“ ist ein Remake von der gleichnamigen britischen Variante aus dem Jahr 1990. Diese basierte auf dem Roman von Michael Dobbs.

100 Millionen US-Dollar

Für die Produktion der ersten beiden Staffeln, investierte Netflix rund 100 Millionen Dollar.

Interne Liebschaft

Der Darsteller Michel Gill, der in „House of Cards“ den US-Präsidenten Garrett Walker spielt, ist in der Realität mit Jayne Atkinson verheiratet. Atkinson spielt ebenfalls eine Nebenrolle in der erfolgreichen Webserie.

Der Pfirsich existiert wirklich

Das riesige Abbild eines Pfirsichs, weswegen Hauptdarsteller Underwood in einer Folge der Serie Schwierigkeiten bekommt, existiert wirklich. Er steht in seiner Serien-Heimatstadt Gaffney.

Erster Emmy für Netflix

Mit dem Emmy als bester Regisseur für David Fincher, bekam auch die Streaming-Dienst Netflix den ersten Emmy.

Golden Globe für Underwoods Frau

Die Schauspielerin Robin Wright, die in der Serie Claire Underwood spielt, erhielt 2014 einen Golden Globe Award; in der Kategorie „Beste Serien-Hauptdarstellerin – Drama“.

Obama scherzt über Underwood

In einer öffentlichen Besprechung scherzt US-Präsident Barack Obama über die Serie. Er sagt, er würde sich wünschen, dass die Dinge in der Realität genauso effizient umgesetzt werden könnten, wie es in „House of Cards“ dargestellt ist.

Staffel Drei startet in den USA

Die „House of Cards“-Fans dürften sich bereits freuen, denn die dritte Staffel startet bei Netflix am 27. Februar 2015. Es ist dann circa ein Jahr her, dass der Streaming-Anbieter grünes Licht für die Produktion der Staffel gegeben hat.

Wie gesplittet die amerikanische Politik ist, zeigt die jüngste Kongresswahl. Blockadepolitik statt konstruktiver Debatte – die wiedererstarkten Republikaner im Kongress zeigen Präsident Obama bereits zu Anfang die Stirn.

Zum Beispiel wollen sie eine Öl-Pipeline durchsetzen, gegen die die Demokraten sturm laufen. Obama soll sogar angekündigt haben, sie im Alleingang stoppen zu wollen, wenn nötig.

„Solche Machtkämpfe existieren in jedem politischen System“, meint Thomas Jäger, Leiter des Lehrstuhls für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln. „Freund, Feind, Parteifreund“ würde das Verhältnis genügend beschreiben, wobei man in den USA eben nicht unbedingt die „Gefolgschaft innerhalb der Partei“ bräuchte.

Jeder Politiker hat einen Gegenspieler. In Obamas Fall ist das aktuell der Kongress.

In der fiktiven Welt von Underwood ist das etwa der Präsident Garrett Walker. Der sorgte einst dafür, dass Underwood nicht zum Außenminister befördert wurde. Mit dieser offenen Rechnung und Underwoods Racheplan beginnt „House of Cards“. Nach und nach baut der seine Macht aus, zieht Strippen und schafft es schließlich, sogar den Präsidenten mehr als einmal zu seinem Vorteil einzusetzen. Für ihn sind alle seine Gegner Spielfiguren, Marionetten aus Politik und Wirtschaft.

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