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21.12.2013

16:29 Uhr

Human Rights Watch berichtet

Syrische Luftwaffe tötete hunderte Zivilisten

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen das syrische Regime: Die Luftwaffe greife „absichtlich“ Wohngebiete in Aleppo an – mindestens 232 Zivilisten seien bereits gestorben.

Ruinen in Aleppo: Die syrische Luftwaffe hat am vergangenen Mittwoch dieses Haus zerstört. Veröffentlicht wurde das Foto vom Aleppo Media Center, die Nachrichtenagentur AP hat die Echtheit überprüft. ap

Ruinen in Aleppo: Die syrische Luftwaffe hat am vergangenen Mittwoch dieses Haus zerstört. Veröffentlicht wurde das Foto vom Aleppo Media Center, die Nachrichtenagentur AP hat die Echtheit überprüft.

BeirutBei tagelangen Luftangriffen auf Aleppo hat die syrische Armee nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mehr als 200 Zivilisten getötet. Die Regierungstruppen hätten in der Stadt eine „Katastrophe“ angerichtet und Männer, Frauen und Kinder getötet, erklärte der HRW-Experte Ole Solvang am Samstag. Der syrischen Luftwaffe sei es entweder egal, ob sie eine große Zahl von Zivilisten töte, oder sie greife „absichtlich“ Wohngebiete an.

Die Armee hatte vor sechs Tagen einen Großangriff auf Stellungen der Rebellen in der umkämpften nordwestsyrischen Stadt gestartet. Allein von Sonntag bis Mittwoch seien dabei mindestens 232 Zivilisten getötet worden, berichtete HRW unter Berufung auf das Syrische Netzwerk für Menschenrechte. Die Armee habe in Aleppo unter anderem Geschosse mit großflächiger Wirkung eingesetzt, bei deren Einsatz gar nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterschieden werden könne. Damit seien die Angriffe „willkürlich und illegal“.

Assads Streitkräfte gehörten zu den stärksten der arabischen Welt

Truppenstärke

In der Theorie verfügen die Streitkräfte über 178.000 Soldaten, davon 110.000 beim Heer, 36.000 bei der Luftabwehr, 27.000 bei der Luftwaffe und 5000 bei der Marine. 2009 wurde die Truppenstärke noch auf 325.000 Mann geschätzt, davon 220.000 beim Heer. Überläufe, Desertionen und Verluste hätten die Zahl reduziert, schreiben die IISS-Experten. Einige Brigaden seien auch "verschwunden", weil sie als politisch wenig verlässlich betrachtet worden seien.

Paramilitär und Miliz

Neben den regulären Truppen verfügte Machthaber Baschar al-Assad 2009 über geschätzte 108.000 paramilitärische Kräfte, die meisten von ihnen in der Miliz der Baath-Partei. Die Einheiten spielen im Kampf gegen die Aufständischen eine große Rolle. Wie hoch deren Zahl gegenwärtig ist, kann das IISS nicht einschätzen.

Struktur

Das Heer verfügt regulär über sieben Panzerdivisionen, drei Divisionen Panzergrenadiere, zwei Divisionen Spezialeinheiten und eine Division der Republikanischen Garde, die für Damaskus zuständig ist. Als besonders effizient gelten die Spezialkräfte und die Republikanische Garde, ihre Mitglieder gehören wie Assad den Alawiten an. Zusammengenommen wird die Zahl der Elitesoldaten auf 50.000 geschätzt.


Ausrüstung

Das Material der Streitkräfte stammt überwiegend aus Russland oder noch aus der Sowjetunion. Vor den Kämpfen verfügte das Heer über 4950 Panzer. Die Zahl sei inzwischen deutlich reduziert, schätzt das IISS. Das Kommando für das beachtliche Raketenarsenal befindet sich in Aleppo im Norden des Landes. Die Marine hat zwei Fregatten zur Verfügung. Bei der Luftwaffe gibt es zwar noch 365 Kampfjets. Ein großer Teil der Luftflotte sei aber vermutlich nicht richtig einsatzbereit, heißt es in der Bestandsaufnahme des Instituts. Von den Kämpfen am wenigsten geschwächt sei vermutlich die Luftabwehr. Die Kapazität wird auf tausende Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion geschätzt, darunter auch einige modernere Waffen.

Human Rights Watch warf jedoch auch den Rebellen vor, Wohngebiete in Aleppo mit Raketen und Mörsergranaten beschossen zu haben. Die einstige syrische Wirtschaftsmetropole ist seit einer Rebellenoffensive im Juli vergangenen Jahres in einen regierungstreuen und einen von Rebellen kontrollierten Teil gespalten.

Im syrischen Bürgerkrieg wurden nach Schätzungen von Aktivisten bisher rund 126.000 Menschen getötet. Der Konflikt hatte im März 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen Staatschef Baschar al-Assad begonnen, entwickelte sich dann aber zu einem blutigen Bürgerkrieg.

Von

afp

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