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12.07.2012

11:12 Uhr

Human Rights Watch

Syrien soll Streubomben eingesetzt haben

Streubomben werden international geächtet, weil sie auch noch Jahre nach dem Einsatz gefährlich sein können. Dennoch soll die syrische Armee einem Bericht zufolge solche Waffen gegen die Rebellen eingesetzt haben.

Syrien soll Streubomben gegen die Aufständischen eingesetzt haben (im Bild Streumunition der Bundeswehr). dpa

Syrien soll Streubomben gegen die Aufständischen eingesetzt haben (im Bild Streumunition der Bundeswehr).

Beirut/DamaskusDie Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den Regierungstruppen in Syrien vorgeworfen, international geächtete Streubomben gegen Regierungsgegner einzusetzen. Zwei vor wenigen Tagen im Internet veröffentlichte Videos zeigten Überreste von Streubomben, die offenbar in Dschabal Schahschabu in der Bergregion nordwestlich von Hama gefunden worden seien, erklärte HRW am Donnerstag. Ein Rebellenvertreter berichtete der Menschenrechtsorganisation, dass die Region seit zwei Wochen immer wieder von der syrischen Luftwaffe bombardiert werde. Dort hätten sich zahlreiche Rebellen in Höhlen versteckt.

HRW-Rüstungsexperte Steve Goose erklärte, sollte sich der Bericht bestätigen, wäre es der erste Beweis für den Einsatz dieser "extrem gefährlichen" Waffen durch die syrische Armee. HRW zufolge zeigen die Videos die Außenhülle einer Streubombe vom Typ RBK-250, die nur von Flugzeugen aus abgeworfen werden kann, sowie ein dutzend der darin enthaltenen Mini-Bomben aus sowjetischer Fabrikation.

Syrien hat die internationale Konvention zum Verbot von Streubomben nicht ratifiziert. Die im Mai 2008 von 107 Staaten verabschiedete Konvention verbietet den Einsatz, die Herstellung, die Lagerung und die Weitergabe derartiger Waffen. Sie trat 2010 in Kraft.

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Gegenüber Kofi Annan nannte er bereits einen möglichen Verhandlungspartner.

Streubomben können aus Flugzeugen abgeworfen oder vom Boden aus mit Raketenwerfern abgefeuert werden. Ihre Behälter öffnen sich in der Luft und setzen viele kleine Bomben, sogenannte Bomblets, über große Flächen frei. Diese Flächen bleiben wegen der großen Zahl von Blindgängern auch nach dem Ende eines Konflikts verseucht. Die Blindgänger liegen oft jahrelang unentdeckt herum - bis zufällig ein spielendes Kind oder ein Bauer bei der Feldarbeit auf sie trifft. Genau wie Landminen geht die Munition bei Berührung in die Luft; wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt.

In der Zwischenzeit geht das syrische Regime auch weiter gegen die bisher geduldeten Oppositionellen vor. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung des Nationalen Koordinierungskomitees für den demokratischen Wandel hieß es, ein führendes Mitglied der Organisation sei von Beamten der Staatssicherheit verschleppt worden. Bassam al-Malak sei sofort vor einen Richter gezerrt worden. Dieser habe dem Geschäftsmann aus Damaskus vorgeworfen, er habe einen Streik aus Protest gegen das Regime organisiert. Anschließend sei er ins Gefängnis gebracht worden. Die Bewegung, die für einen politischen Dialog eintritt, forderte seine sofortige Freilassung.

Eine weitere Gruppe syrischer Regimegegner hat dem UN-Sondervermittler Kofi Annan ihr Misstrauen ausgesprochen. Die Organisatoren der landesweiten Demonstrationen teilten am Donnerstag in ihren Netzwerken mit, das Motto der für diesen Freitag geplanten Proteste sei „Nieder mit Kofi Annan, dem Diener von Assad und Iran“. Über die Slogans für die Proteste, die seit März 2011 jeden Freitag stattfinden, stimmen die Aktivisten jeweils online ab. Annan war diese Woche sowohl mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad als auch mit der iranischen Führung zusammengetroffen. Der Iran ist der wichtigste Partner Assads in der Region.

Kommentare (5)

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Thomas-Melber-Stuttgart

12.07.2012, 11:42 Uhr

Ah, in Syrien kann "online" abgestimmt werden? Das Internet ist noch nicht abgeschaltet? Frauen dürfen Auto fahren und ohne Begleitung aus dem Haus und zur Arbeit?

Account gelöscht!

12.07.2012, 12:30 Uhr

Ja, noch haben die islamistischen Fundamentalisten "Rebellen" noch nicht alles zerstört. Den Terroristen geht es weder um eine friedliche Lösung noch um freie Wahlen, sondern nur um den Terror selbst.

btw

12.07.2012, 12:43 Uhr

man sieht schon an der headline: ..."soll Streubomben eingesetzt haben", wie es mit der Nachrichtenlage aus Syrien bestellt ist.
Was HRW allerdings zu erwähnen vergisst: dass die "Rebellen" inzwischen bestens versorgt mit panzerbrechender Munition zu Werke gehen.

Dass im Krieg die Wahrheit zu allererst auf der Strecke bleibt beweist sich damit einem aufs Neue.

Dazu gehören Waffenlieferungen und "Finanzierungsmodelle" von "Freischärlern" ebenso, wie viele "verdeckt geführte Operationen" von denen die Öffentlichkeit erst dann erfährt, wenn eine neue Eskalationsstufe in diesem in und gegen die syrische Bevölkerung gerichteten Krieg erreicht ist.
Dass sich HRW dazu nicht äußert und wenn dann in einer Form, die an eine PR-Agentur für Bürgerkriegsrebellen erinnert, kann nur als umso bedauerlicher sein.

Sicher scheint nur, dass dieser Krieg zu den Kriegen um Rohstoffe gehören wird, in dem niemand Probleme zu haben scheint mit blutigen Händen auf das Blut an den Händen der Gegenpartei hinzuweisen.

Als zynisch kann man daher betrachten, dass den Kombattanten die Zivilbevölkerung vollkommen egal ist:
Bei jedem Mord zeigt man auf die Gegenseite um weiterzumachen.

Dieser Zynismus wird hoffentlich ebenso in die Geschichtsbücher der Spezies eingehen, wie Betroffenheitsflappen und Betroffenheitsadressen angesichts hingemordeter Menschen.

Man fühlt sich immer wieder an die Essays von Hans Magnus Enzensberger erinnert: "Schreckensmänner", Versuch über den radikalen Verlierer sowie "Aussichten auf den Bürgerkrieg".

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