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31.07.2011

03:57 Uhr

Hungerkatastrophe

Hilfe für Ostafrika ist auf dem Weg

In Ostafrika leiden zu viele an Hungersnot. Die Vereinten Nationen starteten kürzlich eine Luftbrücke in die somalische Hauptstadt Mogadishu. Aus Deutschland bringt ein Flugzeug 30 Tonnen Hilfsgüter nach Nairobi.

Ein Flüchtlingskind in Dolo Ado in Äthiopien. Quelle: dpa

Ein Flüchtlingskind in Dolo Ado in Äthiopien.

Addis Abeba/Nairobi Auch aus Deutschland kommt jetzt Hilfe aus der Luft für die hungernden Menschen am Horn von Afrika. Am Samstagabend startete ein Charterflugzeug der Hilfsorganisation humedica aus Kaufbeuren mit 30 Tonnen Hilfsgütern von München nach Nairobi. Von der kenianischen Hauptstadt aus sollen die Lebensmittel und Medikamente mit Lastwagen in die Flüchtlingslager in der Region Dadaab im Norden des Landes transportiert und dort in Kooperation mit einem lokalen humedica-Partner verteilt werden.

An Bord der ersten Hilfsmaschine seien Milchpulver, Medikamente und vor allem Infusionen für eine sogenannte enterale Ernährung mit speziellen Nährstoffen. „Es handelt sich hierbei um Zusatznahrung, nicht um Grundnahrungsmittel. Weil die Menschen ausgetrocknet sind und feste Nahrung oft gar nicht bei sich behalten können, müssen sie zunächst künstlich ernährt werden“, sagte der Geschäftsführer der Hilfsorganisation, Wolfgang Groß, der Nachrichtenagentur dpa.

In Dadaab haben im derzeit größten Flüchtlingslager der Welt rund 400.000 Menschen überwiegend aus dem Bürgerkriegsland Somalia Zuflucht vor der Hungersnot gesucht. Ein zweiter Flug mit Hilfsgütern für die kenianische Bevölkerung in der nördlichen Region Turkana sei in Planung, hieß es.

Die Vereinten Nationen hatten vor wenigen Tagen eine Luftbrücke in die somalische Hauptstadt Mogadischu gestartet. Der Deutschland-Chef von Ärzte ohne Grenzen, Tankred Stöbe, betonte jedoch, dass es noch immer sehr schwierig sei, die Hilfsmittel vom Flughafen zu den betroffenen Menschen zu bringen. „Was uns besorgt, ist die Frage, wie die Hilfsgüter die Bedürftigsten in Somalia tatsächlich erreichen können. Das ist weiterhin nicht sichergestellt und das kann auch die jetzige Luftbrücke nicht leisten“, sagte Stöbe am Samstag dem rbb-Inforadio.

Unterdessen forderte der Vizepräsident der Welthungerhilfe und frühere UN-Umweltdirektor Klaus Töpfer einen UN-Einsatz, um die Hungersnot in Somalia zu bekämpfen. „Auf dem Rücken verhungernder Menschen werden Stammesfehden ausgetragen, dazu kommt der islamische Fundamentalismus der Al-Shabaab-Miliz“, schrieb er in einem Gastbeitrag für die „Bild am Sonntag“. „Dem darf die Weltgemeinschaft nicht länger zusehen. Wo bleibt die schnelle Einsatztruppe der UN?“ Die Souveränität der Staaten sei zu Recht völkerrechtlich ein hohes Gut, betonte Töpfer, aber wenn dadurch Menschen verhungerten, dann müsse eingegriffen werden. „Dort endet nationale Souveränität.“

Auch das Technische Hilfswerk (THW) ist im Krisengebiet im Einsatz. Im Auftrag der Bundesregierung wurde am Samstag ein Erkundungsteam aus fünf Experten nach Äthiopien entsandt. Sie sollen das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) bei der Bewältigung der Hungersnot beraten. Aufgabe des Erkundungsteams ist es nun, Möglichkeiten für weitere Camps und geeignete Hilfsmaßnahmen durch das THW zu identifizieren.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Christianismus

31.07.2011, 07:35 Uhr

30 Tonnen Hilfgüter? In den Nachrichten wurde das 14 t reduziert.
Zitat:
"In Dadaab haben im derzeit größten Flüchtlingslager der Welt rund 400.000 Menschen überwiegend aus dem Bürgerkriegsland Somalia Zuflucht vor der Hungersnot gesucht"
In Europa wäre das undenkbar! Wir hätten so viele Asylanten eiskalt abgewiesen.

Spenden ja, aber nur so viel daß der eigene Lebensstandart erhalten bleibt. Wie immer ist auch schnell ein Buhmann zur Hand, denn schließlich will der Europäer ja selbst bestimmen wer was zu essen bekommt und wer nicht.

Account gelöscht!

31.07.2011, 09:45 Uhr

Wir in den reichen Industrieländern verdrängen diese Probleme so gut wie möglich. Die Weltbevölkerung, ein Staudamm, der zu brechen droht. Noch vor 110 Jahren lebten auf diesem Planeten weniger als 2 Mrd Menschen.

Seit 1960 hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Im Herbst 2011 erreichen wir die 7 Mrd, im Jahre 2050 werden es nach Schätzungen sogar 9 – 11 Mrd sein.

Spätestens da müsste dem Betrachter klar werden, dass wir ein fundamentales Problem haben. Parallel dazu sind bereits 90% der weltweiten Fischbestände leergefischt. Wir verzehren bereits die kleinen, noch nicht geschlechtsreifen Fische.
Der Klimawandel, beschleunigt durch die Industriestaaten, trägt auch zum Kollaps und den verheerenden Hungersnöten in der 3.Welt bei. Im Gegenzug werden die Bodenschätze dieser Länder massivst ausgebeutet, Umwaltauflagen nicht beachtet. Nigeria ist ein gutes Beispiel dafür. Das Niger-Delta wurde zu einer einzigen ölhaltigen Kloake.
Die Lebensgrundlagen der Eingeborenen wurde von den „zivilisierten“ Industrieländern vernichtet, sogar ganze Völker dezimiert, um unseren Wohlstand zu mehren.

Die Eindämmung der Weltbevölkerung sollte eigentlich durch Verhütungsmaßnahmen oberste Priorität haben. Zum anderen eine massive Reduzierung des Wohlstands der Industrieländer, was bereits durch die Finanz- und Wirtschaftskrise statt findet, von der wir erst die Spitze des Eisbergs sehen, weil sich unser Wirtschaftsmodell in Luft auflöst, das auf Wirtschaftswachstum aufgebaut ist.

Damit löst sich auch das Problem des ungezügelten Energieverbrauchs in den USA, getragen durch die Zwangsausbeutung anderer Länder von selbst.

Außer – es kommt zu einem großen Krieg! Seit ein paar Jahren explodieren die Rüstungsausgaben weltweit. Man kauft sich ja keine Panzer und Flugzeuge, um sie in den Hanger zu stellen, damit aber den Wohlstand der Waffenlieferanten USA, Russland, Frankreich, DE, UK und China fördert. Das Warten auf den Bumerang-Effekt könnte schon bald beendet sein.

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