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04.05.2015

19:29 Uhr

Huthi-Konflikt im Jemen

Saudi-Arabien erwägt Waffenruhe

Seit Monaten bombardiert die von Saudi-Arabien geführte Allianz gegen die Huthi-Rebellen strategische Ziele im krisengeplagten Jemen. Doch nun erwägen die Angreifer offenbar eine Unterbrechung der Luftschläge.

Im Februar lösten Huthi-Rebellen das jemenitische Parlament auf und übernahmen als „Revolutionskomitee“ die Macht. AFP

Krise im Jemen

Im Februar lösten Huthi-Rebellen das jemenitische Parlament auf und übernahmen als „Revolutionskomitee“ die Macht.

SanaaDie von Saudi-Arabien geführte Allianz erwägt im Kampf gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen eine Waffenruhe, um Hilfslieferungen in das ärmste Land der arabischen Welt zu ermöglichen. Während der Zeit der Hilfslieferungen sollten alle Luftangriffe gestoppt werden, sagte der saudi-arabische Außenminister Adel al-Dschubeir am Montag. Ungeachtet dessen bombardierte die Koalition mehrere Flughäfen in dem Land.

Al-Dschubeir warnte die Huthis, die Stopps für die Hilfslieferungen auszunutzen. Die Koalition werde die Angriffe wieder aufnehmen, wenn die humanitäre Hilfe verhindert werde. Im Jemen-Konflikt wurden mehr als 1200 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten.

Am Montag traf die von Saudi-Arabien geführte Allianz mit mehr als 150 Luftschlägen allein den Airport der südlichen Hafenstadt Aden, wie jemenitische Regierungsbeamte mitteilten. Luftangriffe habe es auch auf die Flughäfen von Sanaa und Hodeida sowie auf die Rebellenhochburg Saada im Nordwesten des Landes gegeben.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Die arabische Allianz will mit den Luftschlägen den Vormarsch der vom Iran unterstützten Huthis stoppen und sie an den Verhandlungstisch bringen. In Aden stoßen die Rebellen seit Wochen auf erbitterten Widerstand der Anhänger des international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der sich Ende März wegen der vorrückenden Rebellen nach Saudi-Arabien geflüchtet hatte.

Am Sonntag waren mindestens 20 Soldaten der arabischen Allianz in Aden zu einer Aufklärungsmission gelandet, wie jemenitische Militärvertreter sagten. Die genaue Aufgabe der Soldaten war zunächst nicht klar. Die Militärvertreter berichteten jedoch davon, dass die Truppen bei der Ausbildung der Kräfte behilflich sein würden, die loyal zu Hadi stünden. Sie sollen demnach auch eine „grüne Zone“ ermitteln, in der Hadi und seine Regierung agieren könnten, wenn sie in den Jemen zurückkehren. Es ist die erste Landung von Bodentruppen der arabischen Allianz im Jemen seit Beginn der Luftschläge.

Die Huthis kontrollieren seit ihrem Vormarsch im September Sanaa sowie mehrere Provinzen. Sie wollen im Jemen die Macht vollständig an sich reißen und haben sich dafür auch mit dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih und dessen Getreuen in Armee und Polizei verbündet.

Von

ap

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