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07.04.2015

14:02 Uhr

Huthi-Rebellen im Jemen

Saudiarabische Kampfjets greifen weiter an

Saudi-Arabien setzt seine Angriffe auf Ziele im Jemen fort. Ungeachtet internationaler Kritik bombardierten Kampfjets am Dienstag einen Militärstützpunkt im Landesinneren. Offenbar wurden dabei auch Schüler getötet.

Bürgerkrieg im Jemen

Komplette Stadt von der Versorgung abgeschnitten

Bürgerkrieg im Jemen: Komplette Stadt von der Versorgung abgeschnitten

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SanaaUngeachtet internationaler Forderungen nach einer Waffenruhe setzt das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis die Luftangriffe auf den Jemen fort. Kampfjets bombardierten am Dienstag einen Militärstützpunkt im Landesinneren, der unter Kontrolle der schiitischen Huthi-Miliz ist.

Fünf Bomben seien über dem Camp nahe der Stadt Ibb, 160 Kilometer südlich von Sanaa, abgeworfen worden, hieß es in Militärkreisen. Ziel seien vermutlich Flugabwehrstellungen und Truppenunterkünfte gewesen.

Medienberichten zufolge wurden auch mindestens zwei Schüler einer benachbarten Schule getötet. Die Kampfjets nahmen Militärkreisen zufolge auch Waffenlager der Huthis nahe Sanaa und weiter nördlich in Sanhan sowie Militärstellungen an der Küste des Roten Meeres nahe der Hafenstadt Hodaida ins Visier.

In Aden stießen die Huthi-Rebellen nach Angaben von Anwohnern bis an den Rand des Hafens vor. In der Stadt habe am Dienstag aber relative Ruhe geherrscht, hieß es. Aden ist eine Hochburg des nach Saudi-Arabien geflüchteten jemenitischen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi. In der Hafenstadt hatten in den vergangenen Tagen immer wieder Kämpfe getobt.

Krieg im Jemen: Eine Chronologie

Januar 2011

Im Land beginnen, inspiriert durch den Arabischen Frühling, Massenproteste gegen Langzeitherrscher Salih. Das Regime geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor. (Quelle: dpa)

Januar 2012

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih gibt seine Macht an seinen Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ab. Nach offiziellen Angaben starben in dem ein Jahr andauernden Widerstand mehr als 2000 Demonstranten.

März 2013

Ein nationaler Dialog soll den Übergang zur Demokratie ermöglichen. Mehrere politische Gruppen, darunter auch die Huthis, arbeiten an einer neuen Verfassung. Als es zu Gefechten zwischen salafistischen Gruppen und Huthis im Norden des Landes kommt, distanziert sich der Stamm Anfang 2014 vom Ergebnis der Konferenz.

September 2014

30.000 Huthi-Anhänger belagern die Hauptstadt Sanaa und übernehmen wichtige Regierungsgebäude. Im Oktober erzwingen die Rebellen von Präsident Hadi eine Regierungsumbildung, im Osten und Süden des Landes rücken sie weiter vor.

Januar 2015

Die Huthi umstellen in Sanaa den Präsidentenpalast mit Panzern. Hadi und mehrere Regierungsmitglieder werden unter Hausarrest gestellt, der Präsident bietet seinen Rücktritt an.

Februar 2015

Hadi flieht ins südjemenitische Aden und ernennt seinen Fluchtort zur neuen Hauptstadt. Die Rebellen beginnen mit ihrem Marsch gen Aden.

März 2015

Mit Hilfe von Getreuen des Ex-Präsidenten Salih erobernd die Huthis die letzten Militärbasen vor Aden. Hadi bittet seine arabischen Nachbarn um eine Intervention, er selbst taucht unter.

China schloss sich unterdessen den Aufrufen für eine Waffenruhe an, die Hilfslieferungen ermöglichen soll. „Wir appellieren an alle Konfliktparteien, rasch eine Feuerpause einzuhalten und weitere zivile Opfer zu vermeiden“, sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums in Peking.

China beobachte die humanitäre Lage im Jemen sehr genau und fordere alle Seiten auf, internationales Recht einzuhalten und Evakuierungen aus dem Kampfgebiet zu erleichtern.

Saudiarabische Kampfflugzeuge bombardieren seit Ende März den Jemen, um den Vormarsch der schiitischen Huthi-Miliz zu stoppen, die die Macht in einem der ärmsten Länder der Welt übernommen hat. Bei den Kämpfen wurden bisher Hunderte Menschen getötet. Vielerorts ist die Wasser- und Stromversorgung zum Erliegen gekommen.

Mehr als 100.000 Menschen sind nach UN-Angaben vor den Kämpfen auf der Flucht. „Die Lage ist sehr gefährlich. Krankenhäuser sind überfüllt, und sogar Krankenwagen werden entführt“, sagte der Leiter der UN-Kinderhilfswerks Unicef im Jemen, Julien Harneis. Seit dem Ausbruch der Kämpfe seien mindestens 74 Kinder getötet und 44 schwer verletzt worden. Alle Konfliktparteien müssten den Schutz der Kinder sicherstellen.

Von

rtr

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