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09.01.2016

17:29 Uhr

Huthi-Rebellion im Jemen

Friedengespräche werden vermutlich verschoben

Der Einigungsprozess im Jemen gerät ins Stocken. Die Regierung hat die für den 14. Januar geplanten Friedensgespräche mit den schiitischen Huthis abgesagt. Steckt die sunnitische Schutzmacht Saudi-Arabien dahinter?

Seit März 2015 kämpfen die Huthi-Rebellen um die Macht im Jemen. Weite Teile der Hauptstadt sind bereits zerstört. dpa

Zerstörtes Sanaa

Seit März 2015 kämpfen die Huthi-Rebellen um die Macht im Jemen. Weite Teile der Hauptstadt sind bereits zerstört.

KairoDie für den 14. Januar geplanten Friedengespräche für den Jemen werden nach Angaben der Regierung vermutlich verschoben. Es gebe Überlegungen, einen anderen Termin zu suchen, sagte ein Regierungssprecher am Samstag. Als Grund nannte er eine Erklärung von Präsident Ali Abdullah Saleh, er werde sich nicht an den Verhandlungen beteiligen. Zudem hätten die Huthi-Rebellen nicht ihr Versprechen eingehalten, Gefangene freizulassen.

Die Huthis werden vom Iran unterstützt, der sich als Schutzmacht der Schiiten begreift. Gegen sie kämpft eine Allianz sunnitischer Staaten unter der Führung Saudi-Arabiens. Der Krieg im Jemen ist damit auch ein Stellvertreterkonflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Bei den Kämpfen sind fast 6000 Menschen getötet worden.

Die Spaltung der Schiiten und Sunniten

Frühe Spaltung

Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 traten die Sunniten dafür ein, dass dessen Nachfolger als Anführer der Muslime durch die Gemeinschaft der Gläubigen gewählt wird. Die Schiiten dagegen beharrten darauf, dass nur Mohammeds Nachfahren zur Führung der Muslime berechtigt seien. Der Konflikt führte im Jahr 680 zur Schlacht bei Kerbela, in welcher der sunnitische Kalif Jasid den Propheten-Enkel Hussein und dessen Anhänger töten ließ. Seitdem gehört das Gefühl der Verfolgung zur Identität der Schiiten, die Verehrung der Märtyrer und ihrer Grabmäler ist ein fester Bestandteil ihrer Religion.

Religiöse Unterschiede

Viele Bräuche wie das fünfmalige Beten pro Tag und die Pilgerreise nach Mekka einmal im Leben werden von Sunniten und Schiiten befolgt. Für Schiiten gibt es allerdings noch mehrere weitere Wallfahrtsorte und zudem andere Feiertage, die der Verehrung von Nachfahren des Propheten gewidmet sind. Unterschiede gibt es auch bei Rechtsvorstellungen und der Rolle des Klerus, der bei den Schiiten eine strengere Hierarchie aufweist. Radikale Sunniten wie die Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat betrachten die Schiiten als Ketzer und wollen deren Heiligtümer zerstören.

Zahlenmäßige Diskrepanz

Einer Studie des US-Instituts Pew aus dem vergangenen Jahr zufolge gibt es weltweit knapp 1,6 Milliarden Muslime, von denen etwa 90 Prozent den Sunniten und die übrigen zehn Prozent diversen schiitischen Strömungen zugerechnet werden. Im Nahen Osten und in der Golfregion driftet das Verhältnis jedoch weniger stark auseinander – im Iran, im Irak und in Bahrain stellen Schiiten die Mehrheit. Als sunnitisches Machtzentrum gilt Saudi-Arabien, wo sich die Pilgerorte Mekka und Medina befinden. Als oberste religiöse Instanz der Sunniten wird die Al-Ashar-Universität in Ägypten angesehen.

Von

rtr

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