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14.07.2015

04:35 Uhr

„I can't breathe“

New York zahlt Familie von Eric Garner 5,9 Millionen Dollar

Vor fast einem Jahr starb der Schwarze Eric Garner im Würgegriff eines Polizisten. Der Fall löste in den USA große Proteste aus. Nun hat sich die Stadt New York außergerichtlich mit seiner Familie geeinigt.

I cannot breathe!

Garners Familie bekommt fast sechs Millionen US-Dollar

I cannot breathe!: Garners Familie bekommt fast sechs Millionen US-Dollar

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New YorkDie Familie des Afroamerikaners Eric Garner erhält 5,9 Millionen Dollar (rund 5,3 Millionen Euro) von der Stadt New York als Vergleichszahlung, wie das Rechnungsprüfungsbüro am Montag mitteilte. Das Amt ist neben der stadteigenen Rechtsabteilung auch zu außergerichtlichen Einigungen mit Klägern befugt. Das Schicksal Garners gehört zu einer Reihe von Fällen, die in den USA eine Debatte über den Umgang der Polizei mit Schwarzen entfacht hat.

Am 17. Juli 2014 wurde der sechsfache Familienvater in Staten Island von Beamten gestellt, die ihn des Verkaufs unversteuerter Zigaretten bezichtigten. In einem Amateurvideo ist zu sehen, wie einer der Polizisten ihn in den Würgegriff nimmt, was verboten ist.

Die anderen Beamten drücken ihn zu Boden und versuchen, ihm Handschellen anzulegen. „Ich kann nicht atmen!“, keucht der asthmakranke Garner elf Mal, ehe er das Bewusstsein verliert. Später wurde der 43-Jährige in einer Klinik für tot erklärt.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Ein Gerichtsmediziner kam zu dem Ergebnis, dass der Würgegriff den Tod Garners mitauslöste. Doch ein Geschworenengericht in Staten Island sah von einer Anklage gegen den Polizisten ab. Doch auch die Bundesbehörden ermitteln in dem Fall.

Garners Familie erhob im vergangenen Oktober in einem ersten Schritt Schadensersatzforderungen in Höhe von 75 Millionen Dollar gegen die Stadt New York. Nach einer eingehenden Prüfung der Ansprüche und der Fakten in dem Fall sei man zu einer Einigung gekommen, die im besten Interesse aller Parteien sei, sagte der zuständige Rechnungsprüfer Scott Stringer.

Von

ap

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