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14.11.2013

19:26 Uhr

IAEA-Bericht

Iran fährt sein Atomprogramm herunter

Der Atomstreit im Mittleren Osten verliert an Schärfe: Nach aktuellen Erkenntnisse der IAEA wurde das iranische Atomprogramm in den vergangenen Monaten reduziert. Die Chance für eine diplomatische Lösung steigen.

Irans Reaktoren sind insbesondere in Israel umstritten. ap

Irans Reaktoren sind insbesondere in Israel umstritten.

WienDer Iran hat seine Fähigkeiten zur Urananreicherung in den vergangenen Monaten nicht mehr ausgeweitet. Dies geht aus einem am Donnerstag in Wien vorgelegten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hervor. Allerdings wurde entgegen den Forderungen des UN-Sicherheitsrats weiterhin angereichertes Uran produziert. Nur einige wenige Zentrifugen seien in der Haupt-Urananreicherungsanlage in Natans in Betrieb genommen worden, so der Bericht. In der Anreicherungsanlage Fordo wurden demnach keine neuen Zentrifugen installiert.

Es ist der erste Bericht der IAEA über das umstrittene iranische Atomprogramm seit dem Amtsantritt des als gemäßigt geltenden Präsidenten Hassan Ruhani. Mit dessen Amtsantritt habe Iran die Ausweitung des Atomprogramm aus politischen Gründen gestoppt, sagte ein hochrangiger Diplomat in Wien. „Es gibt für diesen Stopp absolut keinen technischen Grund.“

Im Forschungsreaktor Arak, der sich in Bau befindet, wurde der Reaktorkern laut Bericht ans Kühlsystem angeschlossen. Das sei aber die einzige größere Maßnahme in jüngster Zeit gewesen.

Unterdessen untermauerte US-Präsident Barack Obama den Willen zu Verhandlungen. „Wir wollen ihre Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung testen.“ Es sei jetzt nicht die Zeit für weitere Sanktionen, sagte Obama in Washington.

Chronologie des Streits um das iranische Atomprogramm

29. März 2006

Der UN-Sicherheitsrat fordert den Iran auf, seine Urananreicherung binnen 30 Tagen einzustellen. Teheran weigert sich.

23. Dezember 2006

Der Sicherheitsrat verhängt erste Sanktionen.

9. April 2009

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad berichtet von einer betriebsbereiten Uranfabrik in Isfahan.

7. Februar 2010

Der Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.

22. Januar 2011

In Istanbul werden die Gespräche zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland auf unbestimmt Zeit vertagt.

17. Mai 2011

Nordkorea exportiert nach Angaben der UN für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran und andere Krisengebiete.

8. November 2011

Die Atomenergiebehörde IAEA in Wien veröffentlicht einen Bericht, nach dem der Iran an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet hat. Teheran bestreitet das.

1. Januar 2012

Nach Angaben aus Teheran haben iranische Wissenschaftler erstmals einen eigenen Kernbrennstab entwickelt.

23. Januar 2012

Die EU will ihre Öleinfuhren aus dem Iran spätestens zum 1. Juli stoppen. Die EU-Außenminister beschließen in Brüssel zudem, die Konten der iranischen Zentralbank in Europa einzufrieren.

6. Februar 2012

US-Präsident Barack Obama lässt Eigentum und Vermögenswerte der iranischen Regierung und Zentralbank in den USA blockieren. Betroffen sind auch alle iranischen Finanzinstitutionen.

20. & 21. Februar 2012

Kontrolleuren der IAEA wird der Zugang zur verdächtigen Militäranlage Parchin nahe Teheran verweigert.

31. März 2012

Obama billigt die bislang schärfsten Sanktionen gegen den Iran. Ziel ist es, die Importe von iranischem Öl weltweit so stark wie möglich zu kappen.

14. & 15. April 2012

Die Gespräche zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran werden in Istanbul wieder aufgenommen. Konkrete Ergebnisse gibt es nicht.

14. Mai 2012

Die IAEA verlangt Zugang zu Irans umstrittenen Forschungsanlagen. Auf der Kontrollliste steht die Anlage in Parchin nahe Teheran ganz oben. Dort werden nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

21. Mai 2012

IAEA-Chef Yukio Amano spricht in Teheran mit Irans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili über das umstrittene iranische Atomprogramm. Amano nennt seine Gespräche anschließend „nützlich“.

23. Mai 2012

Vom 23. Mai an verhandeln die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrates und Deutschland in Bagdad mit dem Iran über sein Atomprogramm.

30. Juli 2012

US-Präsident Barack Obama erlässt weitere Sanktionen gegen den Iran. Betroffen ist das Ölgeschäft des Landes. Im Februar 2013 verschärft das US-Finanzministerium die Maßnahmen.

3. Februar 2013

Irans Außenminister Ali-Akbar Salehi teilt auf der Sicherheitskonferenz in München mit, dass sein Land unter bestimmten Bedingungen zu Verhandlungen mit den USA bereit sei.

17. Februar 2013

Der Oberste Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, knüpft direkte Atomverhandlungen mit den USA an Bedingungen. Die Äußerungen werden versöhnlicher als üblich gewertet.

21. Februar 2013

Der jüngste Bericht der IAEA zeigt, dass der Iran bisher 280 Kilogramm höher angereicherten Urans produziert hat. Davon wurden 113 Kilogramm weiterverarbeitet und so für die mögliche Verwendung in einer Atombombe unbrauchbar gemacht.

26./27.2. 2013

Nach einer neun Monate langen Pause setzen Vertreter der 5+1-Gruppe und der Führung in Teheran in Almaty in Kasachstan ihre Gespräche fort. Ein neuer Vorschlag an Teheran soll Bewegung in den festgefahrenen Streit bringen. Angeblich hat die Gruppe angeboten, einige Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Dafür soll Teheran Entgegenkommen signalisieren. Es wird ein weiteres Treffen für den 5./6. April verabredet.

20./21.3. 2013

US-Präsident Barack Obama unterstreicht bei einem Besuch in Israel, dass die USA notfalls auch mit Waffengewalt eine nukleare Aufrüstung des Irans verhindern wollen.

27. September

Die Internationale Atomenergiebehörde teilt mit, dass in Wien die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm am 27. September fortgesetzt werden sollen.

Die IAEA hat vor wenigen Tagen mit dem Iran eine neue Abmachung unterzeichnet, die den bisherigen Stillstand überwinden und die Inspektion von einigen Atomanlagen erleichtern soll. Die UN-Behörde darf allerdings weiterhin nicht Anlagen zur mutmaßlichen Forschung an Atomwaffen untersuchen.

Die Atomverhandlungen sollen am 20. November in Genf fortgesetzt werden. Als größtes Hindernis für ein Abkommen gilt die Forderung Irans nach einer Anerkennung des Rechts auf Urananreicherung. Der Westen verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms heimlich Nuklearwaffen zu entwickeln. Der Iran bestreitet das.

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