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09.11.2011

04:19 Uhr

IAEA-Bericht

Iran hat an Atomwaffen gearbeitet

Entgegen aller Erklärungen aus Teheran geht die Internationale Atomenergiebehörde IAEA davon aus, dass der Iran versucht hat, eine Atomwaffe zu entwickeln. Das verschärft die Spannungen mit Israel.

Das umstrittene iranische Atomkraftwerk Buschehr. dpa

Das umstrittene iranische Atomkraftwerk Buschehr.

WienDie internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat sich „ernsthaft besorgt“ über eine mögliche militärische Dimension des iranischen Atomprogramms geäußert. Es gebe „glaubwürdige“ Informationen, wonach der Iran vor Ende 2003 ein Programm zur Entwicklung von Atomwaffen verfolgt und diese Aktivitäten möglicherweise auch danach fortgesetzt habe, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

In dem Bericht hieß es, die IAEA habe Informationen von zehn Ländern erhalten und auch eigene Quellen analysiert, vor allem Satellitenbilder. Der Iran greife aller Wahrscheinlichkeit nach auf ein „geheimes Atomnetzwerk“ zurück. Medien hatten von einem russischen und pakistanischen Experten berichtet, die Teheran unterstützten.

Den Erkenntnissen der IAEA zufolge hat der Iran bei seinen Arbeiten an Atomwaffen auch Komponenten getestet. Unter anderem seien Experimente mit starkem Sprengstoff ein wesentliches Indiz für diese Waffenentwicklungen. Besonders beunruhigt sei die IAEA über Studien zu atomaren Bauteilen aus den Jahren 2008 und 2009.

Der Iran wies den Bericht als "politisch motiviert" zurück. Der Report sei unausgewogen und unfachmännisch, sagte der iranische IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh am Dienstagabend der Nachrichtenagentur Fars. „Die internationale Gemeinschaft wird diesen Bericht ebenfalls als politisch motiviert auffassen“, sagte Soltanieh. „Dieser Bericht ist gegen die UN-Normen und hat das Ansehen der IAEA beschädigt“.

In vorangegangenen Berichten hatte die Behörde bereits über die Bemühungen des Iran zur Herstellung von Uran und Plutonium berichtet. Im neuesten Bericht konzentrierte sie sich auf mutmaßliche Bemühungen, radioaktives Material in Nuklearsprengköpfe zu füllen und Raketen zu entwickeln.

Angst vor Irans Atomprogramm

Video: Angst vor Irans Atomprogramm

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Das russische Außenministerium kritisierte, die angekündigte Veröffentlichung des Berichts habe bereits in den vergangenen Tagen zu „Spannungen“ geführt. Russland sei „tief enttäuscht und verblüfft“. Durch die Veröffentlichung könne die Chance zur Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Weltmächten und dem Iran sinken. In Hinblick auf die Spekulationen um einen russischen Wissenschaftler, der das iranische Atomprogramm unterstützt haben soll, erklärte das Ministerium, „alle nötigen Informationen zu dieser Frage seit langem an die IAEA“ weiterzuleiten.

Kommentare (13)

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Justice

08.11.2011, 22:21 Uhr

Was jammern eigentlich die Israelis? Sie haben mindestens 50 Atomsprengköpfe und noch nie einen Inspektor der IAEA ins Land gelassen. Warum soll eine Atomwaffe in Händen der Iraner gefährlicher sein als in den Händen der Israelis? Im Gegenteil, das Gleichgewicht des Schreckens hat auch bei uns für Frieden gesorgt. Die Israelis haben in den letzten Jahren dutzende Kriegsverbrechen begangen, nicht die Iraner. Die Welt sollte also den Iranern beim Bau einer Atombombe behilflich sein.

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08.11.2011, 23:57 Uhr

Das Spiel geht so: erst behaupte ich 30 Jahre lang, der Iran bastele an einer, ja mehreren Atombomben, dann dämonisiere ich den Staat Iran zum Ingebriff des Bösen, dann drohe ich mit "Schlägen" (ein bissel Prügel hat keinem geschadet). Wenn sich dieses Bild der Öffentlichkeit eingeprägt hat, suche ich Verbündete für "Schläge". Wo finde ich sie? Bei den Leuten, denen die Nicht-Total-Beherrschung des Öl- und Energiemarktes mitsamt der damit einhergehenden Währungshoheit ein Dorn im Auge ist, - das sind neben den direkten Konkurrenten aus Saudi-Arabien nicht zuletzt die USA. Was erreiche ich mit dem Spiel: Sanktionen, Schädigung des Wirtschaftsverkehrs mit dem Land, Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis hin zum Kontaktverbot, Vergiftung der internationalen Beziehungen. Warum jetzt wieder mal so heftig? Hier ein kleines Rätsel für die schlauen Handelsblattleser: ein Bericht der Teheran-Times über das Wachstum der Öl-Exporte des Iran z.B. nach China. Ab und zu müssen wir Feindsender einschalten, z.B. hier: http://www.tehrantimes.com/index.php/component/content/article/4241

juergen

09.11.2011, 00:18 Uhr

Angeekelt muss sich der rationale Bürger von diesen antisemitischen Kommentaren abwenden.
Hier geht es nicht (allein) um Israel.
Wozu entwickelt Iran Langstreckenraketen, die Mitteleuropa erreichen können ?
Bedroht die EU Iran mit Atombomben ?
Hat noch irgendjemand Lust (nach Irak und Afghanistan) noch einen Krieg in Mittelost zu führen ?
Kann sich das überhaupt noch jemand finanziell leisten ? Ich sehe da niemanden.
Massenvernichtungswaffen gehören aber nicht in die Hände totalitärer Staaten.
Es die verdammte Pflicht der UN dies -auch in unserem deutschen Interesse- zu verhindern.

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