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09.11.2011

15:50 Uhr

IAEA-Bericht zu Iran

Europa kann die iranische Atombombe stoppen

VonHannes Vogel

Trotz neuer Beweise für ein Atombombenprogramm will der Iran „kein Jota“ zurückweichen. Die Angst vor einem Militärschlag wächst, wahrscheinlicher sind aber härtere Sanktionen: Dabei wäre vor allem Europa gefragt.

Angst vor Irans Atomprogramm

Video: Angst vor Irans Atomprogramm

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DüsseldorfOffiziell hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) ihren Bericht zum iranischen Atomprogramms noch gar nicht vorgelegt. Doch seit gestern ist klar: Der Iran hat bis mindestens 2010 mithilfe eines russischen Wissenschaftlers an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet. Auch nach der Enthüllung zeigte sich der Iran wenig kompromissbereit: „Wir werden nicht ein Jota von dem Weg abrücken, den wir eingeschlagen haben“, sagte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am  Mittwoch im Staatsfernsehen. Auch der iranische Vertreter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, sagte am Mittwoch, der Iran werde „niemals seine legitimen Rechte aufgeben“. Dem IAEA-Chef Yukiya Amano warf er vor, in „parteiischer, politischer und unprofessioneller“ Weise gehandelt  zu haben, da der veröffentlichte Bericht auf „falschen Anschuldigungen einer kleinen Anzahl von Ländern“ beruhe, darunter die USA.

Irans umstrittene Atomanlagen

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird schwach angereichertes Uran produziert. Es wird für die Stromgewinnung, aber in hoch angereicherter Form auch für Atomwaffen benötigt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran auf 80 Prozent und mehr angereichert werden.

Ghom

2009 gab Teheran die Existenz einer weiteren, lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu, die noch nicht in Betrieb ist. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe der Schiiten-Hochburg Ghom bietet Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Buschehr

Nach der islamischen Revolution von 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Projekt zurück. Später stiegen die Russen in Buschehr ein. In den beiden Atomreaktoren im Südwesten des Landes wurden im Oktober 2010 die ersten aus Russland gelieferten Brennelemente geladen - 35 Jahre nach Baubeginn. Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Kernforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird südlich von Teheran hergestellt.

Arak

Den USA ist seit 2002 die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes bekannt. Hier fällt Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

International wächst die Sorge eines Militärschlags. Israels Präsident Schimon Peres hatte am Wochenende  erklärt, ein Angriff Israels und anderer Länder auf iranische Atomanlagen werde „immer wahrscheinlicher“. Der stellvertretende iranische Generalstabschef, Massud Dschasajeri, drohte Israel am Mittwoch laut einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens  in arabischer Sprache mit „Zerstörung“, sollte das Land die iranischen Atomanlagen angreifen.

Die Drohgebärden sind aber wahrscheinlich bloßes Säbelrasseln. Die Aussichten auf einen erfolgreichen israelischen Militärschlag sind gering. Israel würde bei einem Angriff viel riskieren: Die iranischen Atomanlagen sind gut gesichert, die israelische Luftwaffe müsste große Entfernungen im feindlichen Luftraum überwinden, darunter den US-kontrollierten Luftraum im Irak, und Vergeltungsaktionen der von Teheran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon und der islamistischen Hamas im Gazastreifen fürchten - ganz abgesehen von einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen zu vielen Nachbarstaaten im Nahen Osten. Auch die US-Regierung unter Präsident Barack Obama ist gegen einen Militärschlag, wenngleich Israel seinen wichtigsten Bündnispartner in einer so existenziellen Frage wahrscheinlich erst nach einem Angriff informieren würde.

Wahrscheinlicher ist daher, dass die USA und andere westliche Staaten die neuen Erkenntnisse über das iranische Atomprogramm als Vorlage für härtere Sanktionen nutzen werden. Frankreich hat bereits „Sanktionen von nie gekanntem Ausmaß“ gegen das Land gefordert. Der diplomatische Druck müsse eine neue Stufe erreichen, erklärte der französische Außenminister Alain Juppé am Mittwoch. Dazu solle auch der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet werden. „Wir sind entschlossen, zu reagieren“.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton kündigte eine „angemessene Reaktion“ an. „Der neue Bericht verschärft die Besorgnis über die Art des iranischen Atomprogramms erheblich“, erklärte Ashtons Sprecherin der am Mittwoch in Brüssel. „Verweigert sich Iran weiterhin ernsthaften Verhandlungen über sein Atomprogramm, dann werden neue, schärfere Sanktionen unausweichlich sein“, kündigte Außenminister Westerwelle an.

Kommentare (30)

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krampi

09.11.2011, 16:41 Uhr

Und wieso hat keiner die Israelis mit ihrer Bombe gestoppt? Es ist doch klar, dass in so einem Gebiet, irgendwann jemand auch die Bombe entwickeln will, wenn der "Erzfeind" diese auch hat - wenn auch ich weiter anzweifel, dass Iran die Bombe entwickelt.

Account gelöscht!

09.11.2011, 17:18 Uhr

weil israel das auserwählte Volk ist! nicht gewußt?

Account gelöscht!

09.11.2011, 17:25 Uhr

Warum ist es auf einmal nicht möglich abzuwarten, den wahrscheinlich knochentrockenen Bericht kritisch zu analysieren und dann auf diplomatischem Wege weiter zu verfahren? Alle bisherigen Berichte, dass es KEIN Atomprogramm gäbe, wurden ja auch stets ignoriert. Liegt es nicht daran, dass wieder einmal die die US-amerikanische, britische und israelische Außenpolitik auf Krieg geschaltet hat und nun auf Biegen und Brechen ihre seit 30 Jahren ununterbroche wiederholten Lügen von der iranischen Atombombe in zwei Jahren wieder auf den Propagandatisch bringt.Von Handelsblatt-Redakteuren hätte ich erwartet, dass sie aus dem Dauerlügen-Bombardement vor 2003, das der Zerstörung des Irak den Weg bereiten sollte, gelernt haben. Sind wir jetzt alle im Irrenhaus gelandet und gehen bei Goebbels und Bernays in die Schule? Deutschland sollte sich seiner Eigeninteressen besinnen und daran denken, dass gute wirtschaftliche Beziehungen zum Iran weder uns noch den Iranern je geschadet haben.

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