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25.02.2012

01:59 Uhr

IAEA-Bericht zum Iran

Besorgnis über Atomprogramm wächst

Der Bericht der Internationalen Atombehörde ruft international Besorgnis hervor. Die Ergebnisse zeigten, dass der Iran gegen die UN-Resolutionen verstoße, hieß es aus Washington und Brüssel.

Ein offizielles Foto der iranischen Regierung zeigt Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei der Inspektion der Atomanlage Natans (Archiv). dpa

Ein offizielles Foto der iranischen Regierung zeigt Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei der Inspektion der Atomanlage Natans (Archiv).

WienDie US-Regierung hat sich über einen neuen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde zum Iran besorgt gezeigt. Der Bericht zeige, dass die Islamische Republik mit ihrem Atomprogramm gegen UN-Resolutionen verstoße, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Tommy Vietor, am Freitag in Washington. Der Iran habe die internationale Gemeinschaft nicht überzeugt, dass er mit dem Programm friedliche Absichten verfolge.

Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich besorgt. Das Land müsse die Zweifel ausräumen, sagte die Politikerin, die bei Gesprächen über das iranische Atomprogramm die Interessen der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands vertritt. Dem IAEA-Bericht zufolge hat der Iran seine Atomanreicherung deutlich ausgebaut. Möglicherweise habe das Programm eine militärische Dimension.

Der iranische Vertreter bei der UN-Organisation erklärte dagegen nach einem Bericht der halbamtlichen Agentur Fars, das Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken. Sein Land habe nicht die Absicht, darauf zu verzichten. Der Iran steht schon länger im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu entwickeln.

Die Uran-Anreicherung sei deutlich ausgebaut worden, hieß es in einem vertraulichen Bericht der UN-Atomenergiebehörde IAEA. „Die Behörde hat weiter ernsthafte Sorgen wegen der möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Atomprogramms.“ Angereichertes Uran kann zivilen Zwecken dienen, ist aber auch für den Bau einer Atombombe notwendig. Der Iran will das Material nach eigenen Angaben für die Forschung verwenden - was ihm viele Länder nicht abnehmen.

Das Land habe seine Kapazitäten zur höherprozentigen Anreicherung verdreifacht, schreibt die IAEA. Allerdings war den Berichterstattern nicht überall Einlass gewährt worden. Das IAEA-Expertenteam beschwerte sich nach einem zweitägigen Aufenthalt im Iran, es habe bei den beiden Besuchen in Teheran in diesem Jahr jeweils nur mit „Mittelsmännern“ sprechen können. „Der Iran wollte die Abläufe behindern“, hieß es in dem Bericht. Die Inspekteure reagierten vor allem enttäuscht darauf, dass ihnen der Zutritt zum Militärstützpunkt Parschin nicht gestattet worden sei. Ein weiterer Besuch in Teheran ist vorerst nicht geplant.

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Die Fähigkeit des Iran, Uran auf bis zu 20 Prozent anzureichern, hat in der westlichen Welt Besorgnis ausgelöst, weil es die Möglichkeit zur Herstellung waffenfähigen Urans erhöht. Nach dem IAEA-Bericht hat das Land die Zahl der leistungsfähigen Zentrifugen in der unterirdischen Anlage Fordo verdoppelt und mehr als 100 Kilogramm höher angereichertes Uran hergestellt. Das sei weniger als die Hälfte der Menge, die für einen atomaren Sprengkopf nötig sei.

Der Streit über das Atomprogramm hatte sich jüngst verschärft. Die Europäischen Union hat ein Öl-Embargo verhängt und will die Islamische Republik mit dem Ausfall der lukrativen Einnahmen zum Einlenken zwingen. Der Iran hat seinerseits damit gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren, eine der weltweit wichtigsten Handelswege. Die US-Marine ist mit einem Verband in der Region und hat ankündigt, die Wasserstraße offen zu halten. Israel, dem der Iran regelmäßig mit Vernichtung droht, spekulierte zuletzt offen über einen präventiven Militärschlag gegen verdächtige Nuklearanlagen in dem Land.

Kommentare (4)

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bobi

25.02.2012, 09:24 Uhr

Als der amerikanische Geheimdienst Anfang der 1960er Jahre die wahre Aufgabe der Anlage erkannte, verlangte man, dass Israel internationale Inspektionen zulassen müsse. Israel erklärte sich damit einverstanden, wenn hierfür keine Inspektoren der IAEO, sondern ausschließlich US-Inspektoren eingesetzt würden; zudem sollten alle Inspektionen zuvor angemeldet werden.
Es wird berichtet, dass vor Inspektionen falsche Wände und anderes installiert wurde, um sensible Bereiche zu verbergen. Die Inspektoren informierten die US-Regierung, dass die von Israel auferlegten Restriktionen in der Anlage ihre Inspektionen sinnlos machten. 1969 wurden die Inspektionen eingestellt.

1986 eröffnete ein ehemaliger Techniker aus Dimona, Mordechai Vanunu, der Presse Beweise für das israelische Atomprogramm. Daraufhin wurde er von israelischen Agenten entführt, betäubt und von Italien nach Israel verschleppt. Ein geheimes Gericht verurteilte ihn wegen Verrat und Spionage zu 18 Jahren Gefängnis.
Während Vanunu im Gefängnis saß, berichte die Zeitung The Times, dass Israel Material für 20 Wasserstoffbomben und 200 Atombomben besäße.

http://de.wikipedia.org/wiki/Negev_Nuclear_Research_Center

LWW

25.02.2012, 13:31 Uhr

Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines Landes in der Größe von Hessen, dessen Nachbarn Israel lieber heute als morgen von der Landkarte fegen wollen. Israel wurde bereits mehrfach von seinen Gegnern angegriffen und hat nur wegen seiner militärischen Überlegenheit überlebt.

Übrigens, wie die Stimmung in den Nachbarländern Israels ist, zeigt dieser erschreckender Mitschnitt aus dem Ägyptischen Fernsehen:

http://www.youtube.com/watch?v=ZjbJnZUJTYU&feature=related

berlinerin

28.02.2012, 21:49 Uhr

Das stimmt nicht, mit dem:

"Von der Landkarte tilgen"
Bundeszentrale für politische Bildung musste falsche Wiedergabe einer Äußerung von Irans Präsidenten korrigieren

»Das Besatzungsregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden.« Oder weniger blumig ausgedrückt: »Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.« Das sei etwas deutlich anderes als das, was weltweit in den Medien und von der Bundeszentrale behauptet werde und beschreibe ein politisches Ziel, um das es allen am Frieden im Nahen Osten Interessierten gehen müsse.

Quelle: AG Friedensforschung


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