Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.10.2013

09:19 Uhr

IAEA-Treffen

Iran will „neuen Kurs“ im Atomstreit

Bei einem Treffen mit Vertretern der Atomenergiebehörde sollen alle „restlichen Probleme“ ausgeräumt werden. Seit Samstag gibt es jedoch ein weiteres Problem, das es der iranischen Delegation nicht leichter machen wird.

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr: Neue Verhandlungen mit der Internationalen Atomenergiebehörde. dpa

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr: Neue Verhandlungen mit der Internationalen Atomenergiebehörde.

TeheranDer Iran strebt einen neuen Kurs mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) an. Das sagte der iranische Vizeaußenminister Abbas Araghchi am Samstag der Nachrichtenagentur ISNA. „Das Ziel meines Treffens mit (IAEA-Chef Yukiya) Amano in Wien ist, einen neuen Kurs in der Zusammenarbeit mit der IAEA anzusteuern, um die restlichen Probleme in kürzester Zeit auszuräumen.“ Araghchi wird sich am Montag vor den Verhandlungen zwischen dem Iran und der IAEA mit Amano in Wien treffen.

Zu den „restlichen Probleme“ ist am Samstag ein weiteres hinzugekommen. Das iranische Parlament hat frühere Angaben zu einem Stopp der Anreicherung von Uran auf 20 Prozent dementiert. Die Anreicherung werde fortgesetzt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Irna am Samstag unter Berufung auf den Außenausschuss des Parlaments in Teheran. Für den Bau einer Atombombe muss Uran auf 90 Prozent angereichert werden. Am Donnerstag hatte es in einer im Internet veröffentlichten schriftlichen Mitteilung des Ausschusses geheißen, für die Anreicherung gebe es „derzeit keine Notwendigkeit“. Am Freitag verlautete bereits, die Angaben seien falsch interpretiert worden.

Laut Araghchi sollen die Verhandlungen mit der IAEA demnächst genauso ernsthaft geführt werden wie die politischen mit den fünf Vetomächten sowie Deutschland. Der IAEA geht es in erster Linie um eine erneute Besichtigung der Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Westliche Geheimdienste vermuten, dass dort Experimente zur Entwicklung von Atomsprengköpfen stattgefunden haben. Der Iran bestreitet dies und will den Zutritt zu dieser Militäranlage nur dann gewähren, wenn in den politischen Verhandlungen das Recht des Landes auf ein ziviles Atomprogramm anerkannt wird.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

Die Nachrichtenagentur Mehr meldete am Samstag, dass gleich nach den zweitägigen Verhandlungen mit der IAEA, die Atomverhandlungen auf Expertenebene stattfinden werden. Der Iran wird mit einer siebenköpfigen Delegation unter der Leitung von Vizeaußenminister Hamid Baeidinedschad an diesem Treffen am Mittwoch und Donnerstag in Wien teilnehmen.

Bei dem Treffen solle auch über die Möglichkeit einer Lockerung von Sanktionen diskutiert werden, so Mehr. Daher sind auch Handels-, Öl-, Transport- und Bankexperten im iranischen Team vertreten. Die Ergebnisse des Expertentreffens werden dann bei den nächsten Atomgesprächen am 7. November in Genf diskutiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×