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13.08.2013

13:17 Uhr

Ibrahim Boubacar Keita

Malis neuer Präsident steht vor Mammut-Aufgabe

Eineinhalb Jahre nach einem Militärputsch hat Mali wieder einen neuen Präsidenten. Ibrahim Boubacar Keita gewann die Stichwahl deutlich. Nun will er das Land aus der Krise führen.

„Ich bin noch immer voller Emotionen“, sagte Ibrahim Boubacar Keita nach seinem Wahlsieg. ap

„Ich bin noch immer voller Emotionen“, sagte Ibrahim Boubacar Keita nach seinem Wahlsieg.

Addis Abeba/BamakoDer gewählte malische Präsident Ibrahim Boubacar Keita will das westafrikanische Land aus der Krise führen. Der 68-Jährige Politikveteran dankte seinem Rivalen Soumaila Cissé, der am Montagabend seine Niederlage eingestanden hatte.

Keita zeigte sich im Fernsehsender Africable überglücklich. „Ich bin noch immer voller Emotionen“, sagte der ehemalige Regierungschef. Gleichzeitig sprach er die schweren Aufgaben an, die ihn als Präsident erwarteten. „Unser Land ist nicht leicht“, betonte Keita.

Eineinhalb Jahre nach einem Militärputsch in dem Wüstenstaat warten auf den neuen Präsidenten riesige Aufgaben. Nachdem der Norden zeitweise von Islamisten und Separatisten besetzt gewesen war, muss die Region neu aufgebaut werden. Erst ein Eingreifen französischer und afrikanischer Soldaten im Januar hatte die Gewaltherrschaft der Islamisten beendet. Hinzu kommen Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut und das Fehlen von Infrastruktur.

Mali – Wie aus dem Musterland eine Krisenregion wurde

21./22. März 2012

Meuternde Soldaten stürzen Präsident Amadou Toumani Touré. Hintergrund sind Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen im Norden des Landes.

6. April 2012

Wenige Tage später spitzt sich die Lage im Norden weiter zu. Nach einem militärischen Siegeszug erklären Tuareg-Rebellen das eroberte Gebiet für unabhängig. Der neue Staat soll Azawad heißen.

12. April 2012

Der bisherige Vorsitzende der Nationalversammlung, Dioncounda Traoré, wird als Interimspräsident vereidigt.

30. Juni 2012

Islamisten zerstören in Gao und Timbuktu jahrhundertealte Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Sie setzen ihr zerstörerisches Werk in den nächsten Tagen fort und lösen damit internationale Proteste aus.

15. Oktober 2012

Die EU-Außenminister beschließen in Luxemburg die Entsendung von Militärausbildern nach Mali, um die einheimischen Streitkräfte für den Kampf gegen die Islamisten zu rüsten.

19. Oktober 2012

In Malis Hauptstadt Bamako diskutieren Experten, wie eine Spaltung des Landes zu verhindern wäre. Eine Militärintervention afrikanischer Staaten unter UN-Mandat wird immer wahrscheinlicher.

1. November 2012

Bei einem Besuch in Mali stellt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) humanitäre und militärische Hilfe in Aussicht.

12. November 2012

Die westafrikanischen Staatschefs einigen sich in Nigeria auf die Entsendung von 3500 Soldaten, um den Norden gewaltsam zu befreien. Die Afrikanische Union gibt grünes Licht.

5. Dezember 2012

Die Tuareg strebten eine politische Lösung an, sagt ein Sprecher nach einem Treffen mit der Regierung Malis, an dem auch Vertreter der islamistischen Organisation Ansar Dine teilnahmen.

20. Dezember 2012

Der UN-Sicherheitsrat spricht sich einstimmig für die Entsendung von Friedenstruppen aus. Die unter afrikanischer Führung stehende Afisma-Mission solle die Regierung Malis „mit allen notwendigen Mitteln“ unterstützen, heißt es in der Resolution. Kurz darauf erklären sich Tuareg und Islamisten zum Dialog bereit. Zugleich werden in Timbuktu weitere Heiligtümer zerstört.

8. Januar 2013

Die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner berichten von Gefechten zwischen Islamisten und Armee.

10. Januar 2013

Angesichts der Offensive spricht sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung für eine schnelle Entsendung von internationalen Truppen aus.

11. Januar 2013

Soldaten aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien in Mali eingetroffen, gibt die Regierung in Bamako bekannt. Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.

12. Januar 2013

Französische Kampfjets zwingen die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. Ein französischer Hubschrauberpilot kommt ums Leben. Quelle: dpa

Obwohl das offizielle Ergebnis auch am Dienstag noch ausstand, lag Keita bei der Auszählung offensichtlich uneinholbar vorne. Ex-Finanzminister Cissé besuchte Keita in seinem Haus in Bamako und gratulierte ihm. „Du bist mein großer Bruder, und es ist die Pflicht des kleinen Bruders, in das Haus des Älteren zu gehen und ihm zum Sieg zu gratulieren“, sagte Cissé, wie ein Sprecher Keitas mitteilte.

Keita hatte bereits im ersten Wahlgang fast 40 Prozent der Stimmen erhalten und galt als klarer Favorit bei der Stichwahl. In einem Interview der Nachrichtenagentur dpa beschrieb er sich selbst kürzlich als „Staatsmann, der sich der bevorstehenden Herausforderungen bewusst ist“.

Seine Anhänger nennen Keita nach den Initialen kurz IBK. Sein Spitzname „Kankeletigui“ bedeutet in der Regionalsprache Bambara soviel wie „ein Mann, der zu seinem Wort steht“. Die Bevölkerung setzt darauf, dass er Mali durch seine Erfahrung und sein Image als ehrlicher Politiker aus der Krise führen kann.

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