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28.04.2013

16:37 Uhr

Ifo-Chef

Sinn fordert zeitweisen Euro-Austritt von Krisenländern

Der Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat sich für einen vorübergehenden Euro-Austritt von Krisenländern wie Griechenland und Zypern ausgesprochen. Sie könnten dann abwerten und wettbewerbsfähiger werden.

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts. dpa

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts.

BerlinDer Ökonom Hans-Werner Sinn hat den Krisenstaaten Griechenland und Zypern einen zeitlich begrenzten Austritt aus der Euro-Zone nahegelegt. „Ich bin für temporäre Austritte schwacher Länder“, sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Durch die anschließende Abwertung der nationalen Währung würden die Länder wieder wettbewerbsfähig und könnten später zu einem neuen Wechselkurs, mit niedrigeren Preisen und Löhnen, wieder in die Euro-Zone zurückkehren. Ein Austritt Zyperns etwa hätte momentan keine dramatischen Folgen. „Die Kapitalflucht, die für einen solchen Fall an die Wand gemalt wird, haben wir dort ja schließlich schon hinter uns“, erklärte Sinn.

Eckpunkte des Zypern-Hilfspakets

Finanzbedarf

Hier gab es zuletzt Irritationen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Zypern Hilfen von gut 17 Milliarden Euro beantragt. Nach langen Verhandlungen steht nun fest, dass die internationalen Geldgeber „nur“ bis zu zehn Milliarden Euro Hilfskredite bereitstellen werden bis zum ersten Quartal 2016. Bis zu neun Milliarden kommen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, eine Milliarde will der Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen.

Beitrag der Banken

Eigentümer und andere Gläubiger zyprischer Banken und deren Anleger mit Guthaben über 100.000 Euro werden zur Kasse gebeten. Die Laiki Bank wird abgewickelt, die Bank of Cyprus saniert. Allein über die Beteiligung ungesicherter Einlagen beider Banken sollen zur Rekapitalisierung schätzungsweise 8,3 Milliarden zusammenkommen. Der endgültige Betrag ist aber noch offen.

Weitere Einnahmen und Reformen

Die Unternehmens- und Zinsertragsteuer in Zypern steigen, Betriebe sollen privatisiert und Gold verkauft werden. Inländische Anleger sollen zu längeren Laufzeiten bei den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bewegt werden. Gefordert sind ferner auch eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter, Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem. Zypern soll zudem den Kampf gegen Geldwäsche verstärken.

Wirtschaftswachstum

Unterstellt wird, dass die zyprische Wirtschaft ab 2015 wieder mit positiven Wachstumsraten anzieht – nach einem Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt um 8,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr.

Schuldenabbau und Etatsanierung

Der Schuldenstand wird nach fast 87 Prozent der Wirtschaftsleistung nach der Projektion bis zum Jahr 2015 auf den Spitzenwert von 126 Prozent klettern. Danach soll er sinken – auf 122 Prozent bis Ende 2016 und 2020 auf 104 Prozent.

Haftungsanpassung

Deutschland muss etwas mehr beim auslaufenden Rettungsfonds EFSF absichern. Zypern hatte beantragt, bei den Garantieleistungen für den EFSF entlastet zu werden. So ein „Stepping Out“ wurde auch anderen Ländern gewährt. Der deutsche Haftungsanteil erhöht sich damit von 29,07 auf 29,13 Prozent.

Portugal und Irland

Die Laufzeiten der Hilfskredite an beide Länder sollen um sieben Jahre verlängert werden. Das mindert Ansteckungsgefahren. Volumen und Auflagen ändern sich nicht.

Er widersprach Befürchtungen, das größte Risiko der lockeren Geldpolitik sei eine zunehmende Inflation. Es bestehe vielmehr darin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre ausstehenden Kredite an die Krisenländer nicht zurückbekomme und die Bundesbank in die Überschuldung gerate. „Das ist die wahre Gefahr, nicht die Inflation“, sagte Sinn. „Die Inflation ist ein Nebenkriegsschauplatz.“

Sinn forderte einen radikaleren Umgang mit den Krisenbanken in Europa. „Die Schulden der Banken in den Krisenländern liegen mit neun Billionen Euro bei fast dem Dreifachen der Staatsschulden - und es wird geschätzt, dass ein Zehntel davon toxisch ist“, sagte er. In den USA seien in der Finanzkrise Hunderte Banken pleitegegangen. „Ihre Gläubiger mussten auf viel Geld verzichten, das war ein heilsamer Prozess“, sagte der Wirtschaftsexperte. In Europa dagegen sei nur die zyprische Laiki-Bank bankrottgegangen, stattdessen seien viele Banken mit gigantischen Milliardensummen gerettet worden.

Von

rtr

Kommentare (7)

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kraehendienst

28.04.2013, 16:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

mono

28.04.2013, 16:55 Uhr

Herr Sinn sagt, er hätte die Grenze der Einlagensicherung in Zypern viel niedriger als bei 100.000.-Euro angesetzt.

Noch so ein Ökonom der sehr grosszügig mit dem Geld anderer Leute umgeht. Die Themen Rechtssicherheit und Rechtsbeugung durch die Politik scheinen Ihn ja nicht sonderlich zu quälen.
Stichwort" Tellerand" würde ich mal sagen!

Account gelöscht!

28.04.2013, 17:35 Uhr

Mono, wieso geht Herr Sinn grosszügig mit dem Geld anderer Leute um. Sie leben wohl schon zu lange im Vollkaskobiotop. Die Banken waren Pleite, und damit wäre das ganze Geld futsch gewesen. Sie tun ja geradezu, als ob die Einlagensicherung ein Grundrecht sei.

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