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17.10.2015

08:45 Uhr

Ikea

Was die Schweden mit der Westsahara zu tun haben

Marokkos Behörden untersagen Ikea die Eröffnung eines Möbelhauses. Das Land hält den größten Teil der Westsahara besetzt. Und glaubt nun, dass Schweden sich in den Konflikt einmischt. Seltsame Gerüchte machen die Runde.

Die Möbelkette will seit langem eine Filiale in Rabat eröffnen. Doch daraus wird nun erstmal nichts. In Casablanca (Foto) hat Ikea bereits ein Möbelhaus. dpa

Ikea in Marokko

Die Möbelkette will seit langem eine Filiale in Rabat eröffnen. Doch daraus wird nun erstmal nichts. In Casablanca (Foto) hat Ikea bereits ein Möbelhaus.

RabatEin langjähriger Streit um ein großes Stück Wüste hat derzeit in Marokko skurrile Auswirkungen: Hunderte Jugendliche protestieren mit einer Sitzblockade vor dem Gebäude des französischen Fernsehsenders „France 24“ in Rabat gegen die „feindselige Haltung“ des TV-Kanals.

Vor die schwedische Botschaft ziehen aus demselben Grund gar Tausende Demonstranten. „Die Sahara ist marokkanisch und Marokko in der Sahara“, steht auf Transparenten. Eine lange geplante Eröffnung des ersten Kaufhauses des schwedischen Möbelriesen Ikea wird kurzfristig verschoben. Was ist passiert?

Das große Stück Wüste ist eigentlich ein Land: die Westsahara. 1975 marschierte Marokko in die spanische Ex-Kolonie ein und hält seitdem den größten Teil unter Missachtung des Völkerrechts besetzt. Der südliche Wüstenstreifen ist arm an Vegetation, aber reich an Phosphat. Die Gewässer der dortigen Atlantikküste sind besonders fischreich. Einige Abschnitte gelten als Surferparadies.

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Die sozialistische Organisation Polisario kämpfte gegen die marokkanische Besetzung an, bis für 1991 ein Referendum vereinbart wurde - auf das die gut 500.000 Einwohner noch heute warten. Die Polisario verwaltet einen Streifen im Osten, an der Grenze zum marokkanisch kontrollierten Gebiet sind Minen ausgelegt. Eine Uno-Friedensmission überwacht seit 24 Jahren die Einhaltung des Waffenstillstands.

Immer wieder versuchen die Vereinten Nationen Bewegung in den festgefahrenen Konflikt zu bringen. Im September reiste der Uno-Sondergesandte Christopher Ross durch den Maghreb und führte informelle Gespräche

Marokko reagierte gereizt: Vor der Uno-Generalversammlung warnte der marokkanische Vertreter Prinz Moulay Rachid davor, dass Rabat jede „unverantwortliche und riskante Vorgehensweise“ im Bezug auf die Westsahara zurückweisen werde. „Unrealistische Pläne“ und „fehlerhafte Vorschläge“ würden die Region gefährden.

Der Konflikt betrifft längst nicht mehr nur Marokko und die Bewohner der Westsahara, die Sahrauis. Auch Algerien setzt sich offen für die Unabhängigkeit der Westsahara ein. Wegen dieses Streits ist die algerisch-marokkanische Grenze seit fast 20 Jahren dicht. Die Krise verhindert, dass die Maghreb-Staaten zu einem Wirtschaftsraum zusammenwachsen.

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