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20.10.2014

13:26 Uhr

Illegale Hinrichtungen

Amnesty prangert Gräueltaten in der Ukraine an

In der Ukraine sei es auf beiden Seiten der Konfliktparteien zu „illegalen Hinrichtungen und Gräueltaten“ gekommen, meint Amnesty International. Beide Seiten übertrieben aber auch Berichte über Massentötungen.

Im Ukraine-Konflikt wirft Amnesty International beiden Seiten vor, Menschenrechte zu verletzen. Gleichzeitig würde die jeweilige Gegenseite propagandistisch dämonisiert. dpa

Im Ukraine-Konflikt wirft Amnesty International beiden Seiten vor, Menschenrechte zu verletzen. Gleichzeitig würde die jeweilige Gegenseite propagandistisch dämonisiert.

BerlinDie Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den prorussischen Separatisten sowie regierungstreuen Kräften in der Ukraine Gräueltaten und illegale Hinrichtungen im Osten des Landes vorgeworfen. „Es gibt keine Zweifel an illegalen Hinrichtungen und Gräueltaten, die von prorussischen Separatisten und ukrainischen Milizen in der Ostukraine begangen worden sind“, erklärte die Ukraine-Expertin der Organisation, Jovanka Worner, am Montag anlässlich der Vorstellung eines entsprechenden Amnesty-Berichts, in dem die Hinrichtungen dokumentiert werden. Das Ausmaß der Taten sei jedoch schwierig festzustellen, betonte Worner.

Amnesty warf den verfeindeten Parteien in der Ostukraine zudem falsche Angaben und Übertreibungen vor. Demnach hatten russische Medien im September über Massengräber in der Region von Donezk berichtet, die zuvor noch von ukrainischen Milizen kontrolliert worden sei. Russlands Außenminister Sergej Lawrow habe später von 400 Leichen in diesen Massengräbern gesprochen.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Eine Amnesty-Delegation habe kurz darauf vor Ort Beweise für die außergerichtliche Hinrichtung von vier Männern durch ukrainische Milizen gefunden. „Viele der schockierenden Fälle, die insbesondere von russischen Medien veröffentlich wurden, sind enorm übertrieben“, sagte sie. „Es gibt keine überzeugenden Beweise für Massentötungen oder Gräber.“

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr J.-Fr. Pella

20.10.2014, 13:56 Uhr

Wieso kritisiert "AI" so selten Saudi Arabien??

Reiner Blumenhagen

21.10.2014, 12:31 Uhr

Schon mal den AI-Jahresbericht gelesen?

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