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29.04.2014

08:36 Uhr

Im Gelben Meer

Kim startet Schießübung an Seegrenze zu Südkorea

Nordkorea hat mit Artilleriefeuer ein Militärmanöver begonnen – und das nahe der Seegrenze zu Südkorea. Eine ähnliche Übung lief bereits im vergangenen März nicht problemlos ab und sorgte für einen Schusswechsel.

Nordkoreas Diktator umgeben von Soldalten: Kim Jong Un lässt ein Militärmanöver nahe Südkorea starten. Reuters

Nordkoreas Diktator umgeben von Soldalten: Kim Jong Un lässt ein Militärmanöver nahe Südkorea starten.

SeoulNordkorea hat nahe seiner umstrittenen Seegrenze zu Südkorea an der Westküste eine Schießübung mit scharfer Artilleriemunition begonnen. Dies berichtete das südkoreanische Verteidigungsministerium am Dienstag. Pjöngjang hatte das Nachbarland vorab von dem geplanten Manöver informiert.

Pjöngjang feuert routinemäßig Artillerie und Raketen ins Meer, gibt derartige Aktionen jedoch selten vorab bekannt. Nordkorea nimmt Anstoß an der maritimen Demarkationslinie im Gelben Meer, die zum Ende des von 1950 bis 1953 dauernden Koreakriegs gezogen wurde. Aus Sicht Pjöngjangs sollte sie weiter südlich verlaufen.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Erst im März gab es an der Grenze einen Zwischenfall: Nachdem bei einer nordkoreanischen Übung südlich der Linie Schüsse niedergingen, feuerte Seoul Artilleriegranaten ins Meer. Nach einer Phase einer leichten Entspannung mit Familienzusammenführungen hat sich das politische Klima auf der koreanischen Halbinsel zuletzt wieder verschlechtert.

Beobachter vermuteten hinter den jüngsten Aktionen Nordkoreas zunehmende Frustration, weil das verarmte Land wenig Erfolg auf der Suche nach Unterstützung von außen hat. Zuletzt hatten Südkorea und die USA Pjöngjang abermals verwarnt, weil sie Anzeichen für einen bevorstehenden weiteren Atomtest Nordkoreas sahen.

Von

ap

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