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20.08.2014

14:46 Uhr

Im Irak getöteter US-Journalist Foley

„Wir sind nie stolzer auf Jim gewesen“

VonMartin Pirkl

Immer wieder geraten Journalisten in gewaltsamen Konflikten zwischen die Fronten. So auch im Irak – dort wurde der US-Journalist James Foley auf grausame Weise ermordet. Wer war der Mann, um den die USA trauern?

Foley bei der Arbeit: „Ohne die Bilder der Kriege ist es unmöglich, den Menschen zu zeigen, wie es wirklich aussieht.“ afp/Getty Images

Foley bei der Arbeit: „Ohne die Bilder der Kriege ist es unmöglich, den Menschen zu zeigen, wie es wirklich aussieht.“

DüsseldorfEs sind schreckliche Bilder, die derzeit um die Welt gehen. Ein schwarz gekleideter und vermummter Kämpfer, mutmaßlich von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak, steht neben einem Mann, der im Wüstensand kniet. Der Terrorist hält ein Messer in seiner Hand. Kurze Zeit später schneidet er seiner Geisel den Hals auf.

Hintergrund: Islamischer Staat

Radikale Kämpfer für den Gottesstaat

Hintergrund: Islamischer Staat: Radikale Kämpfer für den Gottesstaat

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Bei dem Toten handelt es sich wahrscheinlich um James Foley. Der US-Journalist wurde seit dem 22. November 2012 vermisst. Damals war der Fotograf, der als freier Journalist für die Nachrichtenagentur AFP und die Bostoner Medienfirma „GlobalPost“ arbeitete, auf dem Weg von Syrien in die Türkei entführt worden, als er mit seinem Dolmetscher einen Zwischenstopp einem Internetcafé einlegte. So heißt es im Fahndungsaufruf des FBI, der am Mittwochnachmittag noch online war. Der Übersetzer wurde bald freigelassen, von Foley fehlte seitdem jedes Lebenszeichen.  

James Foley wuchs in Rochester, New Hampshire, auf. Er ist das älteste Sohn von Diane und John Foley und hatte vier jüngere Geschwister. Nach der Schule studierte er Geschichte an der „Marquette University“ in Milwaukee und machte seinen Master in kreativen Schreiben an der Universität von Massachusetts. Ab 1996 unterrichtete er in Phoenix sozial benachteiligte Kinder. Später brachte er den Insassen eines „Bootcamps“ in Chicago Lesen und Schreiben bei. Dort werden jugendliche Straftäter und drogensüchtige und verhaltensauffällige Heranwachsende mit militärischem Drill „umerzogen“.

Geiseltötungen vor laufender Kamera

Pakistan, Februar 2002

Der US-Journalist Daniel Pearl wird vor laufender Kamera ermordet. Laut „Washington Post“ ist auf einem Video zu sehen, wie ihm die Kehle durchgeschnitten wird. Pearl hatte an einem Artikel über Terrorismus gearbeitet, als er entführt wurde.

Irak I, April 2004

Islamisten erschießen den Italiener Fabrizio Quattrocchi. Ein Film über den Mord wird ins Internet gestellt.

Irak, Mai 2004

Der US-Geschäftsmann Nicholas Berg wird enthauptet. Das veröffentlichte Video nennen die islamistischen Täter „Abu Mussab al-Sarkawi schlachtet einen Amerikaner“.

Saudi-Arabien, Juni 2004

Ein Video zeigt die Enthauptung des entführten US-Bürgers Paul Johnson durch Al-Kaida-nahe Terroristen.

Irak, Oktober 2004

Der britische Ingenieur Kenneth Bigley wird von seinen Entführern vor laufender Kamera enthauptet. Einen Monat später taucht ein Video auf, das die Erschießung der muslimischen Britin Margaret Hassan zeigt. Die Leiterin der Hilfsorganisation Care fleht darin vergeblich um ihr Leben.

Pakistan, Februar 2009

Extremisten filmen den Mord an einem polnischen Ingenieur. Das Video von der Hinrichtung des knienden Opfers wird in Auszügen vom TV-Nachrichtensender Duniya ausgestrahlt.

Syrien, Juni 2013

Der syrisch-katholische Mönch François Mourad wird nach Angaben von Radio Vatikan in der Provinz Idlib von Islamisten enthauptet. Nach Medienberichten umstehen mehrere Menschen das Opfer und filmen die Bluttat mit Handys.

Syrien, November 2013

Mit einer grausamen Hinrichtung warnt die Terrormiliz IS die Bevölkerung der Stadt Aleppo vor einer Zusammenarbeit mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad. Ein Video zeigt, wie IS-Kämpfer den Kopf eines vermeintlichen Assad-Anhängers durch die Straßen tragen.

Irak, Juli 2014

Der IS filmt die Erschießung Dutzender Iraker. Laut „Spiegel“ behaupten die Terroristen, die zivil gekleideten Opfer hätten für die irakische Armee gekämpft. Vermutlich wurde das Massaker in der Stadt Tikrit verübt.

Dann entschied sich Foley für den Beruf des Journalisten. Mitte der 2000er Jahre schrieb er sich an der Medill School of Journalism der Northwestern University ein. Anschließend begleitete er amerikanische Soldaten im Irak und Afghanistan.

In dieser Zeit begann Foley für seinen Blog zu schreiben, über humanitäre Hilfe während Kriege. Dem Journalisten war es wichtig, vor Ort von den Krisen dieser Welt zu berichten. „Ohne die Bilder der Kriege ist es unmöglich, den Menschen zu zeigen wie es wirklich aussieht“, sagte Foley einmal. Von seinen Kollegen wird er als mutig, großzügig und warmherzig beschrieben. Ein Freund Foleys, Max Fisher, bewunderte ihn für „ seine Hingabe bei der Suche nach der Wahrheit“, heißt es beim US-Nachrichtensender CNN.

Der Journalist James Foley neben einem Terroristen der IS in einem Propagandavideo. ap

Der Journalist James Foley neben einem Terroristen der IS in einem Propagandavideo.

Foley wurde 40 Jahre alt. Die Echtheit des vom IS veröffentlichten Hinrichtungsvideo konnte bislang noch nicht von unabhängigen Stellen bestätigt werden. Allerdings identifizierte Foleys Mutter den Toten auf dem Video bereits als ihren Sohn. „Wir sind niemals stolzer auf unseren Sohn Jim gewesen“, schreibt Mutter Diane auf der Facebook-Seite „Find James Foley“. „Wir flehen die Kidnapper an, das Leben der restlichen Geiseln zu verschonen. Wie Jim sind auch sie Unschuldige“. James sei ein „außergewöhnlicher Sohn, Bruder, Journalist und Mensch“ gewesen.

Kommentare (8)

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Herr Teito Klein

20.08.2014, 16:57 Uhr

Terrormiliz köpft Journalisten
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Der Regierung sei seit langem bekannt, dass viele britische Staatsbürger in Syrien und im Irak für extremistische Gruppen kämpften.

Nicht nur britische, auch deutsche.
Und in Deutschland ist die Terrormiliz nicht verboten!
Viele "Passdeutsche" reisen nach Syrien, um sich von der ISIS/IS "ausbilden" zu lassen und kehren dann nach Deutschland zurück.

Herr Arno Nym

20.08.2014, 16:59 Uhr

"Wir sind niemals stolzer auf unseren Sohn Jim gewesen"

Sorry, Mütter, die sowas auf Facebook posten sind entweder nicht ganz dicht oder nicht ganz echt.

Wer immer noch glaubt, für ein Land oder eine Religion, egal welche/s, sei ehrenvoll, ist und bleibt beliebig formbare Masse in den Händen der Mächtigen.

Herr Arno Nym

20.08.2014, 17:14 Uhr

Korrektur:

"Wer immer noch glaubt, für ein Land oder eine Religion ZU STERBEN, egal welche/s, sei ehrenvoll, ist und bleibt beliebig formbare Masse in den Händen der Mächtigen."

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