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08.01.2004

11:31 Uhr

Im Schatten Chinas

Vietnam boomt – und der Westen merkt es nicht

VonStefanie Bilen (Handelsblatt)

Fast zwei Monate hat sich der schmächtige Vietnamese in der blau-grauen Arbeitsuniform um den verschnörkelten Walnuss-Schrank vor ihm gekümmert. Gemeinsam mit Kollegen hat er die Hölzer geschnitten und geleimt, er hat die Vorderfront mit antik wirkenden Schnitzereien verziert und das Möbel lackiert.

HO-CHI-MINH-STADT. Jetzt ist der Schrank endlich so weit, schwitzend hebt und wendet der Mann ihn und begutachtet die Verzierungen.

Es wird viel per Hand gearbeitet in den Fabrikhallen des Möbelherstellers Theodore Alexander Ltd. in Ho-Chi-Minh-Stadt. 5 000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Vietnam. Die Produktion ist arbeitsintensiv, in dem Land zwischen dem Golf von Thailand und dem südchinesischen Meer sind die Löhne niedrig, und genau deshalb ist Theodore Alexander vor sechs Jahren nach Vietnam gegangen.

Seit der Gründung hat das Unternehmen den Umsatz jährlich verdoppelt. „Mittlerweile sind wir der größte exportierende Möbelproduzent in Vietnam“, schwäbelt Jan Nöther stolz. Die Firma hat ihren Sitz aus steuerlichen Gründen auf den British Virgin Islands, sie gehört Amerikanern, sie lässt in Vietnam produzieren, und in Nöther hat sie seit knapp drei Jahren einen deutschen Geschäftsführer.

Das ist Globalisierung, und Vietnam profitiert davon. Die meisten westlichen Firmen ignorieren das Land und seine 80 Millionen Einwohner zwar noch. Asiatische Unternehmen aber investieren kräftig. Außer China entwickelt sich kein Land in Südostasien rasanter. Die Weltbank prognostiziert Vietnam für 2003 und 2004 sieben Prozent Wirtschaftswachstum.

Schon vor fast zwanzig Jahren hat die kommunistische Regierung „doi moi“ ausgerufen, die vietnamesische Perestroika. Jetzt umwirbt sie Auslandsinvestoren mit Steuervergünstigungen und bevorzugter Behandlung in bestimmten Exportzonen.

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