Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2015

09:35 Uhr

Im Visier des Geheimdienstes

NSA spionierte Schröder auch als Altkanzler aus

Klar, dass Gerhard Schröder als Bundeskanzler vom US-Geheimdienst ausspioniert abgehört wurde, ist bekannt. Neu aber ist, dass die Überwachung auch nach seiner Amtszeit weiter ging – und sogar noch ausgeweitet wurde.

Der frühere Kanzler Gerhard Schröder (r) ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des vom russischen Staatskonzern Gazprom dominierten Unternehmens Nord Stream. dpa

Schröder und Putin

Der frühere Kanzler Gerhard Schröder (r) ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des vom russischen Staatskonzern Gazprom dominierten Unternehmens Nord Stream.

BerlinDer US-Geheimdienst NSA hat Gerhard Schröder einem Zeitungsbericht zufolge auch nach Ende seiner Kanzlerschaft ausgespäht. Die USA hätten ihre Spionage-Aktivitäten gegen den SPD-Altkanzler ab 2005 sogar ausgeweitet, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Hintergrund sei Schröders zügiger Wechsel in die russische Energiewirtschaft gewesen.

Gerhard Schröder

Die Person

Gerhard Fritz Kurt Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg als zweites Kind von Erika und Fritz Schröder geboren.

Politische Ämter

Er war von 1990 bis 1998 Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und von Oktober 1998 bis November 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Von 1999 bis 2004 war er Vorsitzender der SPD.

Nach der Politik

Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist er als Rechtsanwalt sowie in verschiedenen Positionen in der Wirtschaft tätig.

Kritik am Kanzler a.D.

Harsche Kritik erntete Schröder, weil er kurz nach der Wahl einen Posten bei der Nord Stream AG annahm, an der der russische Konzern Gazprom einen Mehrheitsanteil von 51 Prozent hält.

Berater und Redner

Schröder ist unter anderem noch als Berater für den Schweizer Ringier-Verlag und dessen Verwaltungsratspräsidenten Michael Ringier tätig, als Redner der Agentur „Harry Walker“ in New York und der der Rothschild Bank sowie des chinesischen Außenministeriums. Außerdem ist er Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP. Agenturen vermitteln Schröder als Redner, zu Preisen zwischen 50.000 und 75.000 Euro.

Seine „klaren Worte“

Georg Meck, stellv. Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

Gerhard Schröder
„Klare Worte“
Im Gespräch mit Georg Meck über Mut, Macht und unsere Zukunft
Gebunden mit Schutzumschlag, 238 Seiten
19,99 Euro
ISBN 978-3-451-30760-7 Herder 2014

Wieder in der Öffentlichkeit

Seit dem Frühjahr 2012 tritt Schröder öffentlich wieder mehr in Erscheinung. Er äußerte sich zum Beispiel in Gastbeiträgen und Interviews in deutschen Zeitungen zu Europa. Ein politisches Comeback schloss er im Juli 2012 aus

Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des vom russischen Staatskonzern Gazprom dominierten Unternehmens Nord Stream. Nord Stream baute und betreibt die gleichnamige Ostsee-Pipeline, durch die Erdgas von Russland nach Deutschland geleitet wird. Auch Schröders Freundschaft zu dem russischen Präsidenten Wladimir Putin war laut „BamS“ für die NSA interessant. Über den Altkanzler sei es möglich gewesen, Zugang in die sonst sehr verschlossene Welt rund um Putin zu erhalten.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×