Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.12.2013

16:49 Uhr

Im Wortlaut

Obamas Trauerrede für Nelson Mandela

US-Präsident Barack Obama hat die historische Bedeutung Nelson Mandelas gewürdigt. dpa dokumentiert seine Rede auf der Trauerfeier für Mandela in einer eigenen Übersetzung in Auszügen.

Barack Obama in Johannesburg: „Madiba war der letzte große Befreier des 20. Jahrhunderts.“ Reuters

Barack Obama in Johannesburg: „Madiba war der letzte große Befreier des 20. Jahrhunderts.“

Johannesburg/Berlin„An Graca Machel und die Familie Mandela (...) Es ist eine einzigartige Ehre, hier heute bei Euch zu sein um ein Leben zu feiern, das wie kein Anderes war. An die Menschen Südafrikas – Menschen jeder Hautfarbe und aus jeder Gesellschaftsschicht – die Welt dankt Euch dafür, dass Ihr Nelson Mandela mit uns geteilt habt. Sein Kampf war Euer Kampf. Sein Triumph war Euer Triumph. Eure Würde und Hoffnung fand ihren Ausdruck in seinem Leben, und Eure Freiheit und Demokratie sind sein geschätztes Erbe.

Es ist schwierig, eine Lobrede auf einen Menschen zu halten (...) Wie viel schwieriger ist es, dies für einen Giganten der Geschichte zu tun, der eine Nation der Gerechtigkeit näher brachte und dabei Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt bewegte.

Während des Ersten Weltkrieges wurde er fern der Machtzentren geboren, ein Junge der Vieh hütete und von den Ältesten seines Thembu-Stammes erzogen wurde – doch sollte Madiba zum letzten großen Befreier des 20. Jahrhunderts werden. Wie Gandhi führte er eine Widerstandsbewegung an – eine Bewegung, die am Beginn kaum Aussicht auf Erfolg hatte. Wie (Martin Luther) King verlieh er den Forderungen der Unterdrückten und der moralischen Pflicht zur Gerechtigkeit zwischen Schwarz und Weiß eine kraftvolle Stimme. Er erdulte eine grausame Inhaftierung, die in der Zeit von Kennedy und Chruschtschow begann und in den letzten Tagen des Kalten Krieges endete. Als er ohne Einsatz von Gewalt aus dem Gefängnis kam, hielt er – wie Lincoln – sein Land zusammen, als es drohte, auseinanderzubrechen.(...)

Aufgrund der außergewöhnlichen Dimension seines Lebens und der Bewunderung, die er völlig zu Recht verdient, ist es verlockend, sich an Nelson Mandela als Ikone zu erinnern, lächelnd und gleichmütig, weit entfernt von den armseligen Angelegenheiten von Menschen mit geringerer Größe. Doch Madiba selbst stemmte sich gegen ein solches Bild. Stattdessen bestand er darauf, mit uns seine Zweifel und Ängste zu teilen, seine Fehler genauso wie seine Siege. "Ich bin kein Heiliger", sagte er, "außer Ihr seht in einem Heiligen einen Sünder, der es immer wieder versucht".

Eben weil er seine Unzulänglichkeiten zugeben konnte – weil er erfüllt war von Humor, sogar schelmenhaft, trotz der schweren Last, die er trug – deswegen liebten wir ihn so. Er war keine Marmorbüste, er war ein Mann von Fleisch und Blut – ein Sohn und Ehemann, ein Vater und Freund. Deswegen haben wir so viel von ihm gelernt, deswegen lernen wir immer noch von ihm. Denn nichts, was er erreicht hat, war vorgegeben. Wenn wir sein Leben betrachten, sehen wir einen Mann, der seinen Platz in der Geschichte durch Kampf und Cleverness erreicht hat, durch Ausdauer und Glauben. Er zeigt uns, was möglich ist – nicht nur in verstaubten Geschichtsbüchern, sondern auch in unserem eigenen Leben. Mandela zeigte uns, was Taten erreichen können und Risiken für unsere Ideale einzugehen. (...)

Darüber hinaus akzeptierte er die Konsequenzen seiner Handlungen, er wusste, dass es einen Preis hat, mächtigen Interessen und der Ungerechtigkeit die Stirn zu bieten.(...)

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frank3

10.12.2013, 18:19 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

WillyWuellmaus

10.12.2013, 20:24 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×