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13.01.2004

07:38 Uhr

In Iowa findet am 19. Januar die erste Vorwahl statt

Demokraten starten Rennen um Bush-Nachfolge

VonMichael Backfisch

Alle vier Jahre wird die Provinz zum politischen Universum Amerikas – wenn der neue Präsident gewählt wird. Im Bundesstaat Iowa, einer der Kornkammern im Mittleren Westen, finden am 19. Januar die ersten Vorwahlen der oppositionellen Demokraten statt. Sie sind der Auftakt eines parteiinternen Ausleseverfahrens in allen 50 Bundesstaaten, in dem der Herausforderer von Präsident George W. Bush bestimmt wird.

DES MOINES. Seit Wochen heißt der Favorit Howard Dean. Der ehemalige Gouverneur des Zwergstaats Vermont liegt nach einer neuen Umfrage der „Los Angeles Times“ mit 30 Prozent in Führung. Dahinter folgen der gewerkschaftsnahe Kongressabgeordnete Richard Gephardt mit 23 Prozent sowie die Senatoren John Kerry und John Edwards mit 18 beziehungsweise 11 Prozent.

Die Vorwahl in Iowa ist allenfalls ein erster Test und nicht repräsentativ, denn von den rund 600 000 dort als Wähler registrierten Demokraten beteiligt sich erfahrungsgemäß kaum mehr als ein Sechstel an der informellen Abstimmung. Dennoch müssen sich die Kandidaten in der US-Mediengesellschaft, die süchtig nach Gewinnern und Verlierern ist, positionieren: „Der größte Feind der Aspiranten ist die Erwartung der Öffentlichkeit“, betont Dennis Goldford, Politikwissenschaftler an der Drake University in Iowas Hauptstadt Des Moines. „Wer die Latte überspringt, bekommt Beifall – wer hängen bleibt, wird gegrillt.“

Howard Deans Kurs einer Volldampf-Opposition gegen Bush hat ihn zum Liebling der Basis gemacht. Mit seiner vehementen Kritik am Irak-Krieg riss er die Partei aus ihrer Lethargie, in die sie nach Bushs Patriotismuswelle im Gefolge des 11. September verfallen war. Doch seine Stärke ist gleichzeitig seine Schwäche. Der 55-Jährige schießt oft aus der Hüfte, weshalb ihn manche Demokraten „eine „lose Kanone“ nennen. So hatte er die Machtübernahme der Terror-Organisation Hamas nach einem möglichen Rücktritt von Palästinenserpräsident Jassir Arafat als „schlecht und gleichzeitig gut“ bezeichnet. Zudem werfen Partei-Kollegen Dean Besserwisserei und Arroganz vor.

Der Kongressabgeordnete Richard Gephardt ist in Washington ein altes Schlachtross. 13 Jahre war er im Repräsentantenhaus Fraktionschef der Demokraten. Er gilt sowohl in der Innen- wie in der Außenpolitik als Profi, der seinen Standpunkt eloquent vertreten kann. Doch genau dies wird ihm gelegentlich als Nachteil ausgelegt: Gephardt, der bereits 1988 in Iowa die Vorwahlen zur Präsidentschaft gewann und danach ausschied, wird von einigen als Mann der Vergangenheit abgestempelt. Die Rückendeckung durch die Industrie-Gewerkschaften ist ihm jedenfalls sicher.

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