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28.03.2014

20:05 Uhr

In UN und G20

Deutschland und China planen engere Kooperation

Berlin erhofft sich von Peking Hilfe bei der Lösung von Krisen wie in der Ukraine – und größere Distanz von Russland. Mehr Abstimmung in den UN könnte ein wichtiger Puzzlestein sein.

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping (l) mit Bundespräsident Joachim Gauck: Mehrere Dutzend Demonstranten, unter ihnen Uiguren und Tibeter, protestierten vor dem Amtssitz von Gauck, dem Schloss Bellevue. dpa

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping (l) mit Bundespräsident Joachim Gauck: Mehrere Dutzend Demonstranten, unter ihnen Uiguren und Tibeter, protestierten vor dem Amtssitz von Gauck, dem Schloss Bellevue.

BerlinDeutschland und China haben eine engere Zusammenarbeit bei der Lösung internationaler Konflikte wie der Ukraine-Krise vereinbart. Beide Seiten seien bereit, „ihre strategische Zusammenarbeit in den Bereichen Außenpolitik und Sicherheit zu vertiefen und ihr Engagement zur Lösung regionaler und globaler Konflikte zu verstärken“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die am Freitag aus Anlass des Staatsbesuchs von Chinas Staatspräsident Xi Jingping in Berlin verabschiedet wurde.

Bundespräsident Joachim Gauck mahnte bei einem Treffen mit Xi rechtsstaatliche Reformen an und erinnerte an die weltweite Gültigkeit der Menschenrechte. Am Nachmittag traf der Gast aus China mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen.

Berlin und Peking vereinbarten einen intensiven Austausch zur Lage in der Ukraine, in Afghanistan und in Syrien. Beide Seiten wollen sich über internationale und regionale Krisen genauso regelmäßig austauschen wie über globale Herausforderungen in der Klima-, Umwelt- und Energiepolitik sowie bei der Ernährungssicherheit. Insbesondere in den Vereinten Nationen (UN) und im Rahmen der G20 – der 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer sowie der EU – wolle man enger als bisher zusammenarbeiten.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Berlin erhofft sich von Peking in der Entwicklung um die von Russland annektierte Krim Unterstützung gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. In der Bundesregierung wurde die jüngste Enthaltung Chinas bei einer Verurteilung des Krim-Referendums im UN-Sicherheitsrat als klares Zeichen der Distanzierung gewertet. China galt bisher als treuer Partner Russlands.Bei einer Veranstaltung der Körber-Stiftung am Abend kündigte Xi weitere Reformen in China an. „Wir wollen den Anliegen der Bevölkerung besser entsprechen.“ Allerdings stünden auf diesem Weg schwierige Probleme vor dem Land. Schwerpunkt sei die Reform der Ökonomie zu mehr Marktwirtschaft. In diesem Zusammenhang seien auch Reformen der politischen Institutionen und der Justiz notwendig. Xi betonte die Verpflichtung Chinas für eine Friedenspolitik gegenüber den Nachbarn. Er sagte aber auch: „Wir lassen uns nicht von anderen Mächten unterdrücken und kolonialisieren.“

Führende Vertreter Chinas und Deutschlands unterzeichneten zahlreiche bilaterale Abkommen, etwa zur Zusammenarbeit im Agrarbereich und zur Energieeffizienz, sowie eine Absichtserklärung für die Öffnung von Frankfurt/Main als Handelsplatz für die chinesische Währung.

Kommentare (1)

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28.03.2014, 17:47 Uhr

So viel zur hier in vielen Pamphleten geäußerten Hoffnung auf eine Achse Russland-China. "It´s the economy, stupid!" (Bill Clinton, 1992)

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