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13.04.2015

17:11 Uhr

In US-Zeitung

Jemens Präsident Hadi warnt vor Iran

Jemens geflohenes Staatsoberhaupt Hadi sieht in den Huthi-Rebellen die nächste Hisbollah von Teherans Gnaden. Erstmals gibt es aber auch vorsichtige Hoffnungen auf eine politische Lösung der Jemen-Krise.

Ein bewaffneter Milizionär in Sanaa: In Jemen ist die Lage weiterhin unübersichtlich. dpa

Ein Huthi-Rebelle

Ein bewaffneter Milizionär in Sanaa: In Jemen ist die Lage weiterhin unübersichtlich.

Riad/New YorkDer jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi hat in einem Gastkommentar in der „New York Times“ zu weiteren Militäraktionen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen in seinem Land aufgerufen. „Wenn die Huthis nicht gestoppt werden, wird aus ihnen die nächste Hisbollah, vom Iran dazu bestimmt, die Menschen in der Region und darüber hinaus zu bedrohen“, schrieb Hadi unter Anspielung auf die proiranische Hisbollah-Bewegung im Libanon.

Hisbollah-Milizen kämpfen im syrischen Bürgerkrieg an der Seite von Präsident Baschar al-Assad - ebenfalls ein Verbündeter des Irans. Der jemenitische Präsident ist vor dem Krieg in seiner Heimat nach Saudi-Arabien geflohen. Der Beitrag erschien am Montag in der Print-Ausgabe der „New York Times“. Am Tag davor vereidigte er in der jemenitischen Botschaft in Riad den ehemaligen Ministerpräsidenten Chaled Bahah als Vizepräsidenten.

„Die Öltransporte durch das Rote Meer, von denen der Großteil der Welt abhängt, werden infrage gestellt, und Al-Kaida und andere Gruppen werden aufblühen“, gab Hadi in dem Gastkommentar für die „New York Times“ zu bedenken. Die Meerenge Bab al-Mandab an der Südspitze Jemens kontrolliert den Zugang zum Golf von Suez und damit zum Suezkanal, der an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt liegt.

Krieg im Jemen: Eine Chronologie

Januar 2011

Im Land beginnen, inspiriert durch den Arabischen Frühling, Massenproteste gegen Langzeitherrscher Salih. Das Regime geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor. (Quelle: dpa)

Januar 2012

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih gibt seine Macht an seinen Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ab. Nach offiziellen Angaben starben in dem ein Jahr andauernden Widerstand mehr als 2000 Demonstranten.

März 2013

Ein nationaler Dialog soll den Übergang zur Demokratie ermöglichen. Mehrere politische Gruppen, darunter auch die Huthis, arbeiten an einer neuen Verfassung. Als es zu Gefechten zwischen salafistischen Gruppen und Huthis im Norden des Landes kommt, distanziert sich der Stamm Anfang 2014 vom Ergebnis der Konferenz.

September 2014

30.000 Huthi-Anhänger belagern die Hauptstadt Sanaa und übernehmen wichtige Regierungsgebäude. Im Oktober erzwingen die Rebellen von Präsident Hadi eine Regierungsumbildung, im Osten und Süden des Landes rücken sie weiter vor.

Januar 2015

Die Huthi umstellen in Sanaa den Präsidentenpalast mit Panzern. Hadi und mehrere Regierungsmitglieder werden unter Hausarrest gestellt, der Präsident bietet seinen Rücktritt an.

Februar 2015

Hadi flieht ins südjemenitische Aden und ernennt seinen Fluchtort zur neuen Hauptstadt. Die Rebellen beginnen mit ihrem Marsch gen Aden.

März 2015

Mit Hilfe von Getreuen des Ex-Präsidenten Salih erobernd die Huthis die letzten Militärbasen vor Aden. Hadi bittet seine arabischen Nachbarn um eine Intervention, er selbst taucht unter.

Im Jemen kämpfen die Huthi-Rebellen aus dem Norden des Landes gegen die Anhänger Hadis. Ein von Saudi-Arabien geführtes arabisches Militärbündnis fliegt seit mehr als zwei Wochen Luftangriffe gegen die Huthis. Diese gehören einer lokalen schiitischen Sekte an. Der Iran dürfte sie mit Geld und Waffen unterstützen, hat aber über sie - anders als etwa wie über die Hisbollah - keine operative Kontrolle.

Die Ernennung Bahahs zum Vizepräsidenten werteten Beobachter als ein Manöver, das eine politische Lösung erleichtern könnte. Bahah, der im Januar seinen Rücktritt erklärt hatte, gilt als ein Politiker, der über die Lagergrenzen hinweg akzeptabel erscheint. Hadi ist wiederum nach seiner Flucht selbst in den Augen jener, die gegen die Huthis kämpfen, diskreditiert.

Der nächste Schritt könnte die Bildung eines Präsidialrates unter Führung des neuen Vizepräsidenten Bahah sein, meinte der Politologe Nabil Schurdschabi in Sanaa. „Darüber, dass Hadis Rückkehr in den Jemen keine realistische Option darstellt, herrscht weitgehender Konsens“, fügte er hinzu.

Von

dpa

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