Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.12.2016

13:00 Uhr

Indien

600 Tote in Polizeigewahrsam in sechs Jahren

Dass indische Polizisten Festgenommene foltern, kommt immer wieder vor. Selbst Tote gibt es regelmäßig, trotz klarer Schutzregelungen. Eine neue Studie zeigt, dass das vor allem ein internes Problem ist.

Auf dem Bild ist eine Parade der indischen Polizei zu sehen. Laut einer Studie von Human Rights Watch sind in den vergangenen sechs Jahren rund 600 Menschen in Polizeigewahrsam gestorben. dpa

Polizeiparade in Kaschmir

Auf dem Bild ist eine Parade der indischen Polizei zu sehen. Laut einer Studie von Human Rights Watch sind in den vergangenen sechs Jahren rund 600 Menschen in Polizeigewahrsam gestorben.

Neu DelhiIn Indien sind in den vergangenen sechs Jahren rund 600 Menschen in Polizeigewahrsam gestorben. Das ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Studie der Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW). Die häufigsten Todesursachen waren demnach Folter und andere Misshandlungen. Gleichzeitig sei im Untersuchungszeitraum von 2010 bis 2015 kein einziger Polizist wegen des Todes eines Menschen in Gewahrsam verurteilt worden, obwohl es Untersuchungen gab.

„Unsere Ergebnisse zeigen zu häufig, dass die Polizisten, die Todesfälle in Polizeigewahrsam untersuchen, sich mehr darum kümmern, ihre Kollegen zu schützen, als die Fälle aufzuklären“, sagte die Südasien-Chefin der Organisation, Meenakshi Ganguly. „Die indische Polizei wird nur dann lernen, dass es nicht akzeptabel ist, Verdächtige mit Schlägen zu Geständnissen zu zwingen, wenn die Täter wegen Folter belangt werden.“ Zu den häufigsten Foltermethoden gehörten Schläge mit Gürteln, Stiefeltritte und mitunter auch das Aufhängen an der Decke an den Handgelenken.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Das indische Gesetz schreibt eigentlich vor, dass Festgenommene innerhalb von 24 Stunden medizinisch untersucht und einem Amtsrichter vorgeführt werden müssen, um Folter und Misshandlungen zu verhindern. Doch laut den offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2015 geschah dies nur in 30 von 97 Todesfällen in Polizeigewahrsam. Die Polizisten leisteten der Anordnung oft zu spät Folge. Es gab auch Fälle, in denen die Festgenommenen vorher starben.

Die HRW-Studie widmet sich besonders ausführlich 17 der Todesfälle von 2010 bis 2015, wofür die Wissenschaftler mehr als 70 Interviews mit Familienangehörigen, Zeugen, Rechtsexperten und Polizisten führten. „In allen diesen Fällen folgte die Polizei nicht den vorgeschriebenen Verfahren und machte die Betroffenen so verletzlicher für Missbrauch“, heißt es in der Auswertung.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×