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11.03.2017

17:14 Uhr

Indien

Bevölkerung liebt Modi trotz Bargeldkrise

VonMathias Peer

Indiens Premierminister erzielt nach seinem chaotischen Bargeldexperiment einen Erdrutschsieg in Indiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat. Beobachter halten eine zweite Amtszeit für Modi nun für so gut wie sicher.

Beobachter halten eine zweite Amtszeit des indischen Premierministers für so gut wie sicher. AFP; Files; Francois Guillot

Narendra Modi

Beobachter halten eine zweite Amtszeit des indischen Premierministers für so gut wie sicher.

BangkokIn Varanasi, der heiligsten Stadt des Hinduismus, hat Narendra Modi ein Heimspiel. Zum Abschluss der Wahlkampftournee für seine hindu-nationalistische Partei BJP betet Indiens Premierminister in einem Meditationszentrum, trifft sich mit einem Guru und füttert Kühe, die in seiner Religion als heilig gelten. Bei einer Kundgebung verspricht er Tausenden Anhängern bessere Lebensverhältnisse: „Jede Familie, egal ob arm oder reich, wird ein Haus haben“, ruft Modi in die Menschenmenge. „Die Einkommen der Bauern werden sich verdoppeln.“ Die Rede kommt gut an, die Zuhörer klatschen begeistert.

Eine Woche nach der Großveranstaltung in der Millionenmetropole des Bundesstaats Uttar Pradesh kann Modi selbst jubeln: Mit seiner Partei gewinnt er die Regionalwahl in dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat des Subkontinents und kann damit die wichtigste Abstimmung seit seinem Amtsantritt 2014 für sich verbuchen. Die Ergebnisse, die die Wahlkommission am Samstag für die BJP verkündete, entsprechen einem Erdrutschsieg: Rund 300 der 403 zu vergebenden Parlamentssitze entfielen auf Modis Partei, die damit in Uttar Pradesh zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder an die Macht zurückkehrt. Mit dem überraschend deutlichen Sieg stellt Modi nicht nur seine ungebrochene Popularität unter Beweis. Er sichert sich auch Rückenwind für wichtige Reformvorhaben.

Die Bewohner von Varanasi sind es inzwischen gewohnt, Modis Wahlerfolge von einem Platz in der ersten Reihe zu verfolgen: Vor drei Jahren, als der rechtskonservative Politiker bei den nationalen Parlamentswahlen das beste Ergebnis der vergangenen 30 Jahre erzielte, wählte er die Stadt für den ersten Auftritt nach seinem Sieg: „Es gibt nun viel für mich zu tun“, sagte er am Ufer des Ganges. „Jede Menge schmutzige Arbeit“, fügte er hinzu. „Aber ich bin bereit dafür.“

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

In der Tat nahm der der 66-jährige Politiker, der nach eigenen Angaben mit drei Stunden Schlaf auskommt, in der ersten Halbzeit seiner Amtsperiode mehrere Großprojekte in Angriff: Er reduzierte Indiens immense Ausgaben für Subventionen, die den Staatshaushalt belasten und brachte eine landesweit einheitliche Mehrwertsteuer auf den Weg, um das Steuergeflecht des Subkontinents zu entwirren. Mit seiner bislang weitreichendsten Entscheidung überraschte er die Inder im November vergangenen Jahres, als er über Nacht fast 90 Prozent des indischen Bargeldbestandes aus dem Verkehr zog.

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