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17.08.2015

23:23 Uhr

Indien

Modis Traum vom Wirtschaftswunder-Land

VonFrederic Spohr

Indiens Regierungschef ist ein Meister darin, Hoffnungen zu wecken. Doch das Parlament blockiert seine wichtigsten Projekte. „Big Bang”-Reformen bleiben aus – und Vollgas-Politiker Modi gibt sich plötzlich kleinlaut.

huGO-BildID: 47910221 Indian Prime Minister Narendra Modi addresses the nation on the country's Independence Day from the ramparts of the historical Red Fort in New Delhi, India, Saturday, Aug. 15, 2015. Modi's Independence Day speech mainly listed his government's poverty alleviation plans and achievements 15 months after taking office. (AP Photo/Saurabh Das) ap

Narendra Modi

huGO-BildID: 47910221 Indian Prime Minister Narendra Modi addresses the nation on the country's Independence Day from the ramparts of the historical Red Fort in New Delhi, India, Saturday, Aug. 15, 2015. Modi's Independence Day speech mainly listed his government's poverty alleviation plans and achievements 15 months after taking office. (AP Photo/Saurabh Das)

Eine wichtige Rede ohne ein paar Ankündigungen, wäre einfach keine Modi-Rede gewesen: 18.500 weitere Dörfer will Indiens Regierungschefs in den kommenden 1000 Tagen ans Stromnetz anschließen, versprach Narendra Modi während seines Auftritts zum indischen Unabhängigkeitstag. Außerdem werde er stärker denn je gegen Korruption kämpfen – und schloss seine eigene Regierung mit ein. „Wir können dieses Land von Korruption befreien, doch müssen wir an der Spitze beginnen.“

Es war wieder die perfekte Modi-Show: Von einem großen Podest predigte Modi hinunter zu den Massen, hinter ihm das Rote Fort in Neu Delhi, ein Inbegriff indischer Macht. Immer wieder breitete der Regierungschef die Arme über der Menge aus, so als wollte er das ganze Milliardenvolk auf einmal umarmen. Bei 30 Grad im Schatten redete er 90 Minuten lang – die längste Rede zum Unabhängigkeitstag in der Geschichte des Landes.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Indiens Regierungschef ist ein Meister darin, Träume und Erwartungen zu wecken. Auch bei seiner großen Ansprache am Wochenende geizte er nicht mit Phantasie. Und doch: Seine Versprechungen fallen mittlerweile kleiner aus als bei seiner ersten Unabhängigkeitsrede im vergangenen Jahr. Statt der digitalen Revolution verspricht er jetzt erstmal Stromanschlüsse. Vor allem aber verlor er kein Wort über die vergangenen Wochen – denn die waren für den Regierungschef ein einziges Desaster.

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Zwei große Reformen wollte er durch das Parlament bringen, zweimal er ist am Widerstand der Opposition gescheitert. „Die Sitzungsperiode hat sich zu einer weiteren riesigen Enttäuschung entwickelt“, kommentiert Shilan Shah, Indien-Ökonom bei dem Beratungsunternehmen Capital Economics. Mittlerweile ist so gut wie sicher: Modi wird sein Reformprogramm nicht wie erhofft durchziehen können.

Zwar war Modi nicht untätig: In seiner 15-monatigen Amtszeit hat er Treibstoff-Subventionen gestrichen und mehrere Branchen für Direktinvestitionen stärker geöffnet. Doch die großen „Big Bang”-Reformen, wie sie in Indien heißen, konnte er bisher nicht liefern. Die Wirtschaft kommt nach der jahrelangen Krise nur langsam wieder in Fahrt.

Kommentare (1)

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Herr Klaus Hofer

18.08.2015, 11:02 Uhr

Von verschiedenen Experten wurde Indien als größte Demokratie der Erde gepriesen und zugleich prognostiziert, daß der Subkontinent sehr bald China als Wachstumsmarkt überflügeln werde. Bei nüchterner Betrachtung ist davon nicht viel übrig geblieben. Zu tief ist Indien immer noch in seinem Kastenwesen verhaftet, das Problem der weiter fortschreitenden Überbevölkerung ist nicht annähernd gelöst und die allseits vorhandene Korruption erweist sich nach wie vor als große Bürde für ein weiteres Vorankommen des Landes. Hinzukommen religiöse wie ethnische Konflikte. Das sog. Potential des Landes wird wohl weiterhin deutlich hinter der Realität zurückbleiben.

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