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16.01.2010

12:12 Uhr

Indien

Rüstungswettlauf am Ganges

VonHelmut Hauschild

Indien muss Milliarden investieren, um sein veraltetes Waffenarsenal zu modernisieren. Westliche Rüstungsfirmen haben bereits ein gutes Geschäft gewittert und bewerben sich um die riesigen Aufträge. Doch Indiens Bewaffnungsoffensive erweist sich als politisches Minenfeld.

Aufgerüstet: Die indische Armee fliegt mit Eurofightern von EADS. ap

Aufgerüstet: Die indische Armee fliegt mit Eurofightern von EADS.

NEU-DELHI. Indien fühlt sich gleich mehrfach bedroht - vom Erzfeind Pakistan, vom großen Nachbarn China und von Terroranschlägen im eigenen Land. Doch die Hälfte seiner Waffensysteme ist völlig veraltet und nur 15 Prozent entsprechen dem Stand der Technik. Zu diesem für die Regierung blamablen Ergebnis kommt eine Studie des indischen Industrieverbands CII und der Wirtschaftsberatung KPMG. Die Armee, so der Report, leide unter einem erheblichen Ausrüstungsdefizit.

Jahrzehnte lang hatte Indien bei der Modernisierung der Streitkräfte erfolglos auf staatliche Rüstungskonzerne und den alten Verbündeten Russland gesetzt. Jetzt wechselt Neu-Delhi den Kurs und stellt Milliarden für die neueste Verteidigungstechnologie des Westens bereit. Der militärische Beschaffungsplan sieht bis zum Jahr 2022 Ausgaben von 100 Mrd. US-Dollar vor. Die Nachbarn Pakistan und China reagieren alarmiert. Indiens Streben nach militärischer Vorherrschaft werde ernste Folgen für Frieden und Sicherheit in Südasien und dem Indischen Ozean haben, warnte das Oberkommando von Pakistans Armee.

Das Who is Who der europäischen und amerikanischen Rüstungsindustrie indes erhofft sich ein Riesengeschäft. "Indien ist für uns ein strategischer Schlüsselmarkt", sagt Theodor Benien, Sprecher des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS. Etienne Laviec, Asien-Verkaufschef des französischen Konkurrenten Thales, spricht von einem gnadenlosen Bieterkampf.

EADS ist gleich bei mehreren der neuen Megadeals dabei. Mit dem Eurofighter bewirbt sich das Konsortium um den Auftrag für 126 Kampfflugzeuge. Geschätztes Volumen 10,5 Mrd. Dollar. In wenigen Wochen wird die indische Luftwaffe den Eurofighter Probe fliegen, der sich gegen die F/A-18 und die F-16 der US-Hersteller Boeing und Lockheed Martin durchsetzen muss sowie gegen Frankreichs Rafale von Dassault, die russische MiG-35 und den schwedischen Gripen.

Gleichzeitig kämpft die EADS-Tochter Eurocopter um einen Drei-Milliarden-Auftrag für 197 Armee-Helikopter sowie den Zuschlag für zwölf schwere Transporthubschrauber. Thyssen Marine Systems-Krupp läuft sich für die erwartete Ausschreibung von sieben U-Booten warm. Auch zwölf Fregatten stehen auf dem Wunschzettel der Inder. Der Rüstungskonzern Rheinmetall schließlich will zum Zug kommen, wenn die Armee das Zwei-Milliarden-Programm zur Modernisierung ihrer Geschütze startet.

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