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02.12.2016

15:27 Uhr

Indonesien

Hunderttausende Muslime demonstrieren gegen christlichen Gouverneur

Indonesien droht eine Zerreißprobe. Nach angeblich islamfeindlichen Äußerungen steht der christliche Gouverneur von Jakarta am Pranger. Hunderttausende Muslime fordern in Demonstrationen seinen Rücktritt.

Hunderttausende Muslime protestieren in Indonesien gegen den Gouverneur von Jakarta. dpa

Angebliche Blasphemie

Hunderttausende Muslime protestieren in Indonesien gegen den Gouverneur von Jakarta.

JakartaMehr als 200.000 konservative Muslime haben in Indonesien gegen den christlichen Gouverneur von Jakarta demonstriert. Sie verlangten am Freitag den Rücktritt und die Festnahme von Basuki Tjahaja Purnama wegen angeblicher Blasphemie - was in dem mehrheitlich muslimischen Land eine Straftat darstellt. Die Staatsanwaltschaft hat Purnama bereits vernommen und will den Fall vor Gericht bringen. Purnama ist sich keiner Schuld bewusst, wie er sagt.

Der Gouverneur hatte politischen Gegnern vorgeworfen, sie missbrauchten den Koran, um ihm eine zweite Amtszeit zu verwehren. Sie hätten eine bestimmte Sure so interpretiert, dass Muslime keinen Nicht-Muslim als ihren Anführer wählen könnten. Purnama gilt als wichtiger Verbündeter des indonesischen Präsidenten Joko Widodo.

Fakten zu Indonesien

Der weltgrößte Inselstaat

Indonesien hat rund 240 Millionen Einwohner und gilt damit als der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt.

Folgende Inselregionen...

... umfasst Indonesien: Sumatra (rund 55 Millionen Einwohner), Java (rund 145 Millionen Einwohner), Kleine Sundainseln (rund 14 Millionen Einwohner), Kalimantan (rund 15 Millionen Einwohner), Sulawesi (rund 18 Millionen Einwohner), Molukken (rund zwei Millionen Einwohner) und Westneuguinea (rund vier Millionen Einwohner).

„Indonesien“

Der Name ist aus dem Griechischen entstanden und setzt sich aus „Indo-“ für Indien und „nesos“ für Insel zusammen.

Unabhängig seit...

... 1949: Ehemalig war Indonesien eine niederländische Kolonie. Heute ist der Inselstaat eine sogenannte Präsidialrepublik.

Regierungspolitik

Staatsoberhaupt und Regierungschef von Indonesien ist seit 2014 Joko Widodo. Erst zehn Jahre zuvor wurde der erste Präsident direkt vom Volk gewählt. Indonesien gilt seitdem weltweit als demokratisch regierter Staat. Der Majelis Permusyawaratan Rakyat, die Beratende Volksversammlung ist das Parlament im Zweikammersystem. Es besteht aus 550 Abgeordneten des DPR (Dewan Perwakilan Rakyat) und 128 Regionalvertretern der DPD (Dewan Perwakilan Daerah).

Außenpolitik

Indonesien verfolgt bezüglich der Außenpolitik das Motto „bebas dan aktif“, was auf Deutsch „unabhängig und aktiv“ bedeutet. Jakarta versucht somit, eine Abhängigkeit an Mächte außerhalb der südostasiatischen Region zu vermeiden – das gilt für die Volksrepublik China wie für die USA. Stattdessen versucht die Regierung einen eigenen Weg für die internationalen Beziehungen zu finden.

200 Millionen Muslime...

... leben ungefähr in Indonesien, obwohl der Islam nicht die Staatsreligion ist. Das sind fast 90 Prozent der Gesamtbevölkerung. Davon sind die meisten Sunniten, nur etwa 100.000 Muslime dort sind Schiiten. 23 Millionen Indonesier sind Christen. 1,8 Prozent sind Hindus und ein Prozent Buddhisten. Zudem gibt es eine sehr kleine jüdische Minderheit.

Traditionelle Glaubensrichtungen

Alle Einwohner müssen eine der fünf anerkannten Weltreligionen (Islam, Christentum – katholisch und evangelisch–, Buddhismus und Hinduismus) angeben. Vermutlich geben indonesische Volksgruppen also eine dieser Religionen an und leben ihren Glauben heimlich aus.

Währung

In Indonesien ist Rupiah die Staatswährung.

Die Demonstranten versammelten sich am Morgen (Ortszeit) rund um das Monumen Nasional im Zentrum Jakartas. Das Denkmal symbolisiert den Kampf um die Unabhängigkeit Indonesiens. Die in weiß gekleideten Demonstranten hielten Plakate hoch, auf denen sie die Festnahme Purnamas forderten. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 22.000 Kräften im Einsatz. Bei einem ähnlichen Protest Anfang November war es zu Ausschreitungen gekommen

Widodo versuchte am Mittag, die Demonstranten zu beruhigen. „Lasst uns jetzt alle friedlich nach Hause gehen“, sagte der Präsident vor der Menge und fügte ein dreifaches „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) hinzu.

Derweil nahmen Beamte acht Verdächtige fest, die den Sturz Widodos geplant haben sollen. Unter ihnen war der langjährige Regimekritiker Sri Bintang Pamungkas, der indonesische Rockmusiker Ahmad Dhani und die Schwester des ehemaligen Präsidenten Megawati Sukarnoputri. Sie müssen mit einer Anklage wegen Verrats rechnen.

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Jakartas christlicher Gouverneur steht wegen Blasphemie am Pranger. Im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt kann ihn das den Job kosten. Für Indonesien ist es ein Härtetest in Toleranz.

Menschenrechtler betrachten die Entwicklung mit Sorge. Durch Purnamas Äußerungen sehen sie die langjährige Kultur der religiösen Toleranz in Gefahr. Fast 90 Prozent der 250 Millionen Einwohner sind zwar Muslime, das Land war aber auf seine säkulare Tradition bedacht. Toleranz wird groß geschrieben - bislang.

„Dieser Fall ist höchst beunruhigend“, sagt der Südostasien-Direktor von Amnesty International, Rafendi Djamin. „Mit so etwas können die Behörden kaum noch argumentieren, dass alle Religionen geachtet werden.“

Von

dpa

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