Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2012

19:47 Uhr

Indonesien

Merkel besucht das „bessere China“

VonUrs Wälterlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Indonesien eingetroffen. Erstmals in ihrer Amtszeit besucht sie das Boomland. Das Land bietet gegenüber dem Investitionsziel China Vorteile, hat aber auch gravierenden Probleme.

Präsident Susilo Bambang Yudhoyono scheint an Einfluss in seinem Land zu verlieren. dpa

Präsident Susilo Bambang Yudhoyono scheint an Einfluss in seinem Land zu verlieren.

JakartaNouriel Roubini ist nicht bekannt für flammenden Optimismus. Doch der notorische „Dr. Doom“ und Wirtschaftskrisen-Prophet wird fast überschwänglich, wenn er über Indonesien spricht. Er lobt die Tatsache, dass das größte südostasiatische Land fast zwei Drittel seines Bruttoinlandprodukts im Heimatmarkt  generiert – im Gegensatz zum zelebrierten „Boomland“ China mit nur einem Drittel. Indonesien habe eine niedrige Inflationsrate, niedrige Schulden und eine junge, kauffreudige Bevölkerung.

In der Finanzkrise 1997-1998 habe das Land seine Lektion gelernt, als das BIP in einem Jahr um 13 Prozent schrumpfte, die Währung zusammenbrach und Kapital abfloss. Heute verfüge Indonesien über „massive Reserven“ und befinde sich in einem gesunden Zustand, so der Ökonom. Ein Wachstum von jährlich 6 Prozent ist inzwischen fast zur Selbstverständlichkeit geworden. „Indonesien kann sehr wichtig sein für die Weltwirtschaft. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird es die zehntgrößte Volkswirtschaft sein, bis 2030 könnte es die sechstgrößte sein“, so Roubini.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit einer großen Wirtschaftsdelegation auf dem Weg nach Indonesien, um das Wachstumswunderland aus der Nähe zu erforschen. Allerdings sind Roubinis Aussagen ein paar Monate alt - und es ist fraglich, ob sich der Starökonom heute noch genauso enthusiastisch äußern würde.

Indonesien: Armes Konsumparadies

Indonesien

Armes Konsumparadies

Indonesien ist trotz seines Reichtums an Rohstoffen bitterarm: Obwohl die Wirtschaft wächst und die Mittelschicht expandiert, sinkt die Lebensqualität und die Schere zwischen arm und reich wird immer größer.

Denn die wirtschaftlichen Reformen der letzten Jahre haben tatsächlich dazu geführt, dass Indonesien in diesem Jahr im A.T. Kearney FDI -Vertrauensindex auf Platz 9 der beliebtesten Investmentziele aufgestiegen ist – von Platz 21 im Jahr 2007. Unter ausländischen Wirtschaftsleuten sorgen jedoch neue Handels- und Marktschranken und der wachsende Einfluss von Islamisten für wachsenden Unmut.

Experten bestätigen die vorerst noch meist im Stillen geäußerten Bedenken über die jüngsten Entwicklungen in der größten muslimischen Nation der Welt. Indonesien werde zunehmend „rückgängig und nach innen gerichtet“, stellt Peter Drysdale fest, Wirtschaftsprofessor an der australischen Nationaluniversität in Canberra und führender Indonesien-Kenner. Ein westlicher Diplomat in Jakarta warnte jüngst offen vor einem „erkennbaren Anstieg der regulatorischen Bestimmungen und des wirtschaftlichen Nationalismus“.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Fabricius

09.07.2012, 20:59 Uhr

Zweifelsohne besitzt der eurasische Wirtschaftsraum, zu dem auch Indonesien gehört, für die deutsche Exportwirtschaft noch bedeutendes Entwicklungspotential,das darauf wartet verstärkt erschlossen zu werden, sollte sich herausstellen, dass einige europäische EU-Länder einen Strategiewechsel vornehmen und der innereuropäische Warenverkehr nicht mehr den guten und gewohnten Standards entsprechen sollte.
Sicherlich wird auch der neue französische Präsident diesen Sachverhalt mit in etwaige Überlegungen einbeziehen.

Radek

09.07.2012, 22:35 Uhr

Und bitte, was wollen Sie damit sagen? Politische Schwerpunktverlagerung hinzu Russland, China, Indien , Indonesien, falls bestimmte Staaten innerhalb der EU, z.B. Spanien , Italien, Frankreich einen Strategiewechsel vornehmen.
Die Nachrichten aus Rumänien waren heute auch nicht für die Bundeskanzlerin lustig, wo ein Parteigänger von Frau Merkel aus dem Amt gehieft werden soll , um ihn durch einen Sozialisten zu ersetzten.

Karcmarc

09.07.2012, 22:46 Uhr

So positiv die Wirtschaftswerte auch sind, die Schere zwischen Arm und Reich geht wirklich immer weiter auseinander. Die wegfallenden Subventionen in vielen Bereichen wirken sich natürlich besonders auf die Ärmsten aus. Hinzu kommt die angesprochene Radikalisierung, die natürlich auch durch die Unzufriedenheit wächst. Ein besonderes Problem hierbei ist die Tolerierung von gewaltbereiten Gruppen, wie der FPI. Ein hoher Polizeioffizier bezeichnete diese Schlägertypen (quasi muslimische Hooligans) als "wichtigen Partner in Sicherheitsfragen". Allerdings begehrt die Zivilgesellschaft auf gegen solche Zustände zunehmend auf. Man kann nur hoffen, dass die nächste Wahl klare Verhältnisse schafft und die Abhängigkeit von Extremisten weniger stark ist. Mit SBY wird das allerdings eher nicht möglich sein. (der Mann weint im Parlament, wenn er zu stark kritisiert wird).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×