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01.12.2016

12:12 Uhr

Indonesien

Muslime wollen christlichen Politiker vor Gericht stellen

Jakartas christlicher Gouverneur steht wegen Blasphemie am Pranger. Im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt kann ihn das den Job kosten. Für Indonesien ist es ein Härtetest in Toleranz.

Jakartas christlichem Gouverneur Basuki Tjahaja Purnama wird von radikalen Muslimen Blasphemie vorgeworfen. Reuters

Religiöse Proteste

Jakartas christlichem Gouverneur Basuki Tjahaja Purnama wird von radikalen Muslimen Blasphemie vorgeworfen.

JakartaBasuki Tjahaja Purnama, Spitzname Ahok, ist ein Mann klarer Worte. Als Gouverneur der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat er schon in Talk-Shows geflucht, Stadträte öffentlich beschimpft und seine eigene Religion verrückt genannt.

Doch mit einer Bemerkung könnte sich der chinesischstämmige Christ zu weit vorgewagt haben: Er wirft seinen Gegnern vor, eine Koransure zu nutzen, um ihm bei Wahlen im Februar eine neue Amtszeit zu verwehren. Einige Muslime verstehen besagte Sure als Verbot, Andersgläubige als ihre Anführer zu wählen.

Ein Video mit Purnamas Aussagen tauchte im Internet auf und löste – angefacht von muslimischen Hardlinern – Empörung in dem Land aus. Nun soll der 50-Jährige wegen Gotteslästerung vor Gericht geschleppt werden. Auf den Straßen Jakartas forderten protestierende Muslime seine Verhaftung.

Menschenrechtler sehen die langjährige Kultur der religiösen Toleranz in Gefahr. Fast 90 Prozent der 250 Millionen Einwohner sind zwar Muslime und Indonesien ist damit das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Aber das Land war auf seine säkulare Tradition bedacht. Toleranz wird groß geschrieben – bislang.

Fakten zu Indonesien

Der weltgrößte Inselstaat

Indonesien hat rund 240 Millionen Einwohner und gilt damit als der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt.

Folgende Inselregionen...

... umfasst Indonesien: Sumatra (rund 55 Millionen Einwohner), Java (rund 145 Millionen Einwohner), Kleine Sundainseln (rund 14 Millionen Einwohner), Kalimantan (rund 15 Millionen Einwohner), Sulawesi (rund 18 Millionen Einwohner), Molukken (rund zwei Millionen Einwohner) und Westneuguinea (rund vier Millionen Einwohner).

„Indonesien“

Der Name ist aus dem Griechischen entstanden und setzt sich aus „Indo-“ für Indien und „nesos“ für Insel zusammen.

Unabhängig seit...

... 1949: Ehemalig war Indonesien eine niederländische Kolonie. Heute ist der Inselstaat eine sogenannte Präsidialrepublik.

Regierungspolitik

Staatsoberhaupt und Regierungschef von Indonesien ist seit 2014 Joko Widodo. Erst zehn Jahre zuvor wurde der erste Präsident direkt vom Volk gewählt. Indonesien gilt seitdem weltweit als demokratisch regierter Staat. Der Majelis Permusyawaratan Rakyat, die Beratende Volksversammlung ist das Parlament im Zweikammersystem. Es besteht aus 550 Abgeordneten des DPR (Dewan Perwakilan Rakyat) und 128 Regionalvertretern der DPD (Dewan Perwakilan Daerah).

Außenpolitik

Indonesien verfolgt bezüglich der Außenpolitik das Motto „bebas dan aktif“, was auf Deutsch „unabhängig und aktiv“ bedeutet. Jakarta versucht somit, eine Abhängigkeit an Mächte außerhalb der südostasiatischen Region zu vermeiden – das gilt für die Volksrepublik China wie für die USA. Stattdessen versucht die Regierung einen eigenen Weg für die internationalen Beziehungen zu finden.

200 Millionen Muslime...

... leben ungefähr in Indonesien, obwohl der Islam nicht die Staatsreligion ist. Das sind fast 90 Prozent der Gesamtbevölkerung. Davon sind die meisten Sunniten, nur etwa 100.000 Muslime dort sind Schiiten. 23 Millionen Indonesier sind Christen. 1,8 Prozent sind Hindus und ein Prozent Buddhisten. Zudem gibt es eine sehr kleine jüdische Minderheit.

Traditionelle Glaubensrichtungen

Alle Einwohner müssen eine der fünf anerkannten Weltreligionen (Islam, Christentum – katholisch und evangelisch–, Buddhismus und Hinduismus) angeben. Vermutlich geben indonesische Volksgruppen also eine dieser Religionen an und leben ihren Glauben heimlich aus.

Währung

In Indonesien ist Rupiah die Staatswährung.

„Dieser Fall ist höchst beunruhigend“, sagt der Südostasien-Direktor von Amnesty International, Rafendi Djamin. „Mit so etwas können die Behörden kaum noch argumentieren, dass alle Religionen geachtet werden.“

Bei einem ersten Protestzug in Jakarta Anfang November forderten mehr als 100.000 Muslime die Anklage Purnamas wegen Gotteslästerung. Blasphemie ist eine „öffentlich zum Ausdruck gebrachte Feindseligkeit gegen die Religionen“, der Missbrauch oder die Diskreditierung von einer der sechs im Land anerkannten Glaubensrichtungen. Eine ernster Vorwurf, denn im Falle einer Verurteilung sind bis zu fünf Jahre Gefängnisstrafe möglich.

„Diese sehr heikle Angelegenheit ist zu einem nationalen Problem geworden“, sagt der Politikwissenschaftler Djayadi Hanan vom Analyse-Institut Saiful Mujani. „Wenn das nicht ordentlich gehandhabt wird, wird es für politische Instabilität sorgen.“ Amnesty fordert, das Blasphemiegesetz zu kippen. „Es wird oft ausgenutzt, um Leute ins Visier zu nehmen, die anderen Religionen angehören oder einfach andere Meinungen haben“, sagt Djamin.

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