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14.07.2015

08:15 Uhr

Industrie 4.0

Deutschland und China besiegeln Kooperation

Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) unterzeichnet in Peking einen Vertrag über die Zusammenarbeit bei digitalen Industrietechnologien. Ein geplantes Gesetz zur Internetsicherheit betrachten Diplomaten allerdings mit Sorge.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel trifft den chinesischen Minister für Industrie und Informationstechnologie Miao Wei. dpa

Sigmar Gabriel in China

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel trifft den chinesischen Minister für Industrie und Informationstechnologie Miao Wei.

PekingDeutschland und China wollen bei modernen digitalen Industrietechnologien enger kooperieren. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der chinesische Minister für Industrie und Informationstechnologie, Miao Wei, unterzeichneten am Dienstag in Peking eine entsprechende Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit beim „Intelligent Manufacturing“.

Dabei geht es um die digitale Vernetzung der industriellen Produktion („Industrie 4.0“). „Die 2014 beschlossene Innovationspartnerschaft zwischen Deutschland und China wollen wir mit Leben erfüllen“, sagte Gabriel nach der Unterzeichnung. Miao Wei sprach von einem „Etappensieg“ und einer neuen Phase der industriellen Kooperation zwischen beiden Ländern.

China sucht eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland in der Entwicklung der „Industrie 4.0“, wie die Vernetzung von Fertigungsstraßen und die datengestützte Ökonomie genannt werden. Allerdings gibt es unter ausländischen Unternehmen auch Bedenken, was die Datensicherheit, Verlässlichkeit und Geschwindigkeit des Internets in China angeht.

Industrie 4.0 ist eines der bestimmenden Themen bei dem zweitägigen Besuch Gabriels in China. Beide Länder streben eine weltweite Spitzenposition auf diesem Gebiet an und wollen dabei auch miteinander Partnerschaften eingehen. Beim Besuch des deutschen Ministers geht es um eine Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. China ist Deutschlands drittgrößter Handelspartner mit einem Warenaustausch von über 150 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution

So mancher sieht die Vernetzung der Fabrik als vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung mit Wasserkraft und Dampfmaschinen, arbeitsteiliger Massenproduktion auf Fließbändern und Einführung von Elektronik und IT.

Unterschiedliche Begriffe

Für die Vernetzung der Produktionsanlagen wird häufig der Begriff Industrie 4.0 verwendet – die Hannover Messe machte den Begriff vor einigen Jahren populär. Fachleute sprechen auch von cyberphysischen Systemen, in denen also physische und virtuelle Welt sich vermischen. Wenn Gegenstände vernetzt werden, ist auch vom Internet der Dinge die Rede – das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für Autos oder Häuser.

Industrie kauft immer mehr IT

Weil industrielle Fertigung und IT immer stärker zusammenwachsen, wird die Industrie zu einem wichtigen Kunden für die IT-Branche: Sie trägt inzwischen rund ein Fünftel zum Umsatz bei, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. Da verwundert es nicht, dass die Organisation auf der Industriemesse präsent ist.

Gefördert von der Bundesregierung

Auch die Politik bemisst dem Thema große Bedeutung bei, die Bundesregierung betrachtet Industrie 4.0 in seiner Hightech-Strategie als „Zukunftsprojekt“. Gut für Wirtschaft und Wissenschaft: Das beinhaltet ein Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Der Durchbruch der Industrie-4.0-Technologie steht indes noch aus. Nicht zuletzt, weil viele Fragen offen sind. Welche Standards gelten? Welche Kommunikationsnetze werden dafür benötigt? Wie ist es um die Sicherheit der Anlagen bestellt?

Allerdings gibt es unter ausländischen Unternehmen auch Bedenken, was die Datensicherheit, Verlässlichkeit und Geschwindigkeit des Internets in China angeht.    

Besonders das gerade verabschiedete Gesetz für nationale Sicherheit und das in diesem Jahr geplante Gesetz für Internetsicherheit betrachten Diplomaten und Wirtschaftsvertreter mit Sorgen. Es verschärft die Kontrolle über den Datenverkehr und sieht sogar eine Abschaltung des Internets in „Notfällen“ vor. Auch fürchten Unternehmen vor dem Hintergrund der Kontroverse um ausländische Bankentechnologie, dass sie Schlupflöcher in Software einbauen müssen oder vom Markt ausgeschlossen werden.

Auf dem Programm von Gabriel in Peking standen auch Gespräche mit Handelsminister Gao Hucheng sowie mit dem Vorsitzenden der mächtigen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), Xu Shaoshi. Dabei sollte es um besseren Marktzugang für deutsche Unternehmen und den Schutz von Investitionen gehen. China ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands außerhalb der Europäischen Union.

Die deutschen Exporte nach China stiegen im vergangenen Jahr um 11,3 Prozent, während die Importe um 6,4 Prozent zulegten. Das Volumen entspricht knapp einem Drittel des gesamten Handels der EU-Mitgliedsstaaten mit China.  

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Chinas Minister für Industrie und Informationstechnologie sprach auch die jüngsten Kursstürze an den Börsen des Landes in seinem Begrüßungswort kurz an. Die Regierung habe alles getan, um die Auswirkungen auf die Anleger, insbesondere die kleineren, so gering wie möglich zu halten, sagte er.

Die jüngsten Entwicklungen um Griechenland werden bei Gabriels politischen Gesprächen in China voraussichtlich noch eine Rolle spielen. Das chinesische Interesse daran sei groß, hieß es aus der deutschen Delegation.

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