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14.05.2013

07:53 Uhr

Industriekomplex Kaesong

Südkorea will mit Nordkorea verhandeln

Seit Anfang April ist die gemeinsame Sonderwirtschaftszone Kaesong an der Grenze von Nord- und Südkorea geschlossen. Nun will die südkoreanische Regierung mit dem Norden über eine Lösung sprechen.

Südkoreanische Soldaten am Grenzübergang in der Nähe vom Industriekomplex Kaesong. ap

Südkoreanische Soldaten am Grenzübergang in der Nähe vom Industriekomplex Kaesong.

SeoulSüdkoreas Staatschefin Park Geun Hye will nach eigenen Angaben mit Nordkorea das Gespräch über den geschlossenen gemeinsamen Industriepark Kaesong suchen. Bei einer Kabinettssitzung in Seoul sagte Park am Dienstag, das Wiedervereinigungsministerium solle mit Nordkorea Gespräche über den Industriekomplex führen, der im Zuge der Spannungen zwischen den beiden koreanischen Staaten geschlossen worden war. Ziel sei es, dass die an dem Projekt beteiligten südkoreanischen Firmen bereits fertiggestellte Produkte sowie Rohstoffe aus Kaesong herausholen könnten. Damit solle ihr Verlust durch die jüngste Krise verringert werden.

Nachdem Pjöngjang Südkoreanern Anfang April den Zugang zu der Sonderwirtschaftszone auf nordkoreanischem Territorium verwehrte und alle seine 53.000 Beschäftigten abzog, verließen vor zehn Tagen auch die letzten Südkoreaner Kaesong. Von den Rohstoffen und Produkten konnten sie nur einen kleinen Teil mitnehmen. Die südkoreanische Regierung sicherte den Investoren der 120 südkoreanischen Firmen in Kaesong bereits 300 Milliarden Won (208 Millionen Euro) als Soforthilfe zu. Der gesamte Verlust wird aber auf ein bis drei Billionen Won geschätzt.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Weder Seoul noch Pjöngjang haben eine dauerhafte Schließung von Kaesong verkündet. Nordkorea stellte als Bedingung für die Wiedereröffnung, dass der Süden alle "feindlichen Akte und militärischen Provokationen" unterlasse. Nichtsdestotrotz startete Südkorea am Montag ein zweitägiges Militärmanöver mit den USA.

Von

afp

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